Uwe Jungmann, Managing Director für Versicherungen Deutschland bei Accenture
Uwe Jungmann, Managing Director für Versicherungen Deutschland bei AccentureQuelle: Accenture
Köpfe & Positionen

Die Zeit des Ausprobierens ist für Versicherer vorbei

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Was bringt das Jahr 2019 für die Versicherungsbranche? "Der Erneuerungs- und Veränderungsdruck wird weiter stetig zunehmen", glaubt Uwe Jungmann, Managing Director für Versicherungen Deutschland bei Accenture. Der Grund liege dabei nicht nur bei der direkten Konkurrenz, sondern auch in einer gestiegenen "Erwartungshaltung der Kunden". Die Erkenntnis: "Versicherer müssen erkennen, dass die Zeit des Ausprobierens vorbei ist".

Was waren die größten Learnings aus 2018 und wie reagieren Versicherer darauf?

In den vergangenen Monaten sind viele Investitionen in die Digitale Transformation getätigt worden. Mehr und mehr stellt sich heraus, dass diese Investitionen nur bedingt direkte Auswirkung auf das Geschäftsergebnis der Versicherer haben. In der Kommunikation mit dem Kunden wird erwartet, dass der Zugang zum Versicherer unabhängig vom Kanal erfolgen kann. Was sich als "normal" anhört, stellt viele Unternehmen - prozessual wie technisch - vor großen Herausforderungen. Eine Steigerung des Neugeschäfts lässt sich somit nur schwer erzielen, sondern verteidigt im Wesentlichen nur den eigenen Versicherungsbestand gegenüber der Konkurrenz. Bei der Digitalisierung der internen Prozesse ist zu erkennen, dass durch Automatisierung gewachsene und hochgradig komplexe Abläufe so sich nur bedingt vereinfachen lassen. Vielmehr sind diese Prozesse grundsätzlich zu überarbeiten und deutlich zu verschlanken. Nur wer sein Geschäftsmodell und das Zusammenarbeiten der unterschiedlichen Bereiche an die neuen Bedingungen anpasst, kann somit auch seinen Automatisierungsgrad erhöhen. Darüber hinaus müssen Versicherer Angebote schaffen, die stärker auf die Lebensumstände der Kunden zugeschnitten sind. Dies erfordert ein ganzheitliches Konzept und wir nicht durch die Bereitstellung einer App gelöst werden können.

Welche Herausforderungen / Markttrends werden 2019 auf die Versicherungsbranche zukommen?

Es sind mehrere Baustellen und große Herausforderungen zu erkennen: Der Erneuerungs- und Veränderungsdruck wird weiter stetig zunehmen. Und dies nicht nur aufgrund direkter Konkurrenz, sondern vor allem durch die gestiegene Erwartungshaltung der Kunden. Wer heute mit wenigen Klicks Produkte, Reisen, etc. im Internet bestellt, wird nicht weniger von seinem Versicherer erwarten. Dabei müssen die Produkte deutlich vereinfacht werden. Durch die Übertragung von Lebensversicherungsbeständen an die bekannten Run-off Gesellschaften versuchen viele Lebensversicherer eine Art Befreiungsschlag. Durch die Genehmigung der Transaktionen in 2018, wird dies für andere Unternehmen ein gangbarer Weg. Somit ist zu erwarten, dass zum Teil auch deutlich kleinere Lebensversicherer diese Option wählen, um dauerhaft laufende Kostenpositionen zu reduzieren. Bereits in 2018 hat sich der Konsolidierungstrend in der Branche fortgesetzt. Dabei handelt es sich zwar um keine Mega-Fusionen, aber die Anzahl der Transaktionen - vor allem im Rückversicherungsbereich - ist deutlich gewachsen. Dieser Trend wird sich auch in den nächsten Jahren fortsetzen und schafft weiteren Integrations- und Migrationsaufwand von Mitarbeitern, Prozessen und IT-Systemen.

Wie sollten sich Versicherer jetzt aufstellen, um sich für 2019 zu rüsten?

Versicherer müssen erkennen, dass die Zeit des Ausprobierens vorbei ist. Das Entwickeln unzähliger "Proof of Concepts" kann man sich schlicht nicht mehr leisten, denn der Faktor Zeit ist heute entscheidend. Viele agilere Wettbewerber stehen in den Startlöchern und arbeiten an Konzepten, die den Kunden - den Versicherungsnehmer - ins Zentrum aller Aktivitäten, Services und Produkte stellen. Versicherer sollten daher auf ihre Kernbereiche priorisieren und jetzt massiv in die richtigen Digitalisierungsmaßnahmen investieren, um den Kundennutzen zu verbessern und komplexe Prozesse radikal zu vereinfachen. Denn auch das Jahr 2019 wird ein Jahr der Transition sein. Das bedeutet, es kommen neue Aufgaben, Bereiche und Herausforderungen hinzu, ohne dass man sich von Bestehenden schon völlig trennen kann. Dies führt unvermeidbar zu mehr Komplexität, der man mit alten Geschäftsmodellen und Vorgehensweisen auf Dauer nicht erfolgreich begegnen kann.

Accenture · Uwe Jungmann
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