Frank Reichelt, Head Northern, Central & Eastern Europe, Swiss Re
Frank Reichelt, Head Northern, Central & Eastern Europe, Swiss ReQuelle: Swiss Re
Unternehmen & Management

"Deutsche Versicherer machen sehr viel richtig, auch wenn etliche Insurtechs und Start-ups eine andere Meinung haben"

Von Michael StanczykTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Die deutschen Versicherer und Rückversicherer haben geliefert und in Schadenfällen geleistet, was sie versprochen haben, sagt Frank Reichelt, Head Northern, Central & Eastern Europe bei Swiss Re. Allerdings sei der Fortschritt bei Digitalisierung, Kundenfokussierung, Schnelligkeit und Transparenz nicht immer ganz so schnell, wie es der Konsument wünscht. Im Interview spricht der Manager über Marktentwicklungen und Challenges 2019.

Wie sicher ist das Geschäftsmodell Rückversicherung über 2019 hinaus?

Das Geschäftsmodell reiner Kapazitätsanbieter von Rückversicherungsschutz wird weiter unter Druck geraten. Für diese Rückversicherer wird sich der Markt als weiterhin höchst wettbewerbsintensiv zeigen, und durch steigende Selbstbehalte der Versicherer und schrumpfende Abgaben traditioneller Rückversicherung geprägt sein. Darüber hinaus werden die nicht-traditionellen Anbieter aus dem Kapitalmarkt auch mittel- und langfristige eine Rolle spielen und den Wettbewerb weiter befeuern. Der andere Typus Rückversicherer, nennen wir sie "Knowledge Companies" wird sich mit Know-How, Research & Development, Serviceleistungen, Kooperationen in der Produktentwicklung und gemeinsamen Projekten rund um neue Technologien  neue Geschäftsfelder erschließen und sich vom reinen Preiswettbewerb rund um die Massenware traditionelle Rückversicherung abkoppeln können.

Wo sehen Sie politische Unsicherheiten?

Die geopolitische Lage mit den internationalen Krisenherden, verschiedene Handelskonflikte und die globale Wirtschaftsentwicklung werden weiterhin eine wesentliche Rolle für den Standort Deutschland spielen. Ergänzt wird das Bild durch europäischen Themen wie den möglichen Hard Brexit in Großbritannien, die weitere Entwicklung der italienischen Staatsverschuldung, die galoppierende Inflation in der Türkei, den künftigen zinspolitischen Kurs der EZB und last but not least – die Stabilität der deutschen Regierungskoalition.

Welche Aufgaben kommen auf die Versicherer zu?

Die deutsche Versicherungswirtschaft wird sich 2019 weiter intensiv mit der Steigerung der Ertragshaltigkeit ihres Geschäftes auseinandersetzen müssen, den begonnen Weg der Digitalisierung fortsetzen – möglicherweise noch schneller als bisher – und sich noch stärker den sich verändernden versicherungstechnischen Ökosystemen widmen müssen. Innovative und kreative Versicherungslösungen für zentrale Themen wie "Mobilität", "Vitalität in allen Lebensphasen", "Safe Homes" sind notwendig um dem modernen Konsumenten richtige Lösungen anbieten zu können.

Welche Rolle spielen neue Akteure wie  Insurtechs?

Insurtechs werden weiterhin eine Rolle im deutschen Versicherungsmarkt spielen, und es werden sicherlich noch eine Reihe hinzukommen. Kooperationen bis zu Joint Ventures von Insurtechs und klassischem Versicherungsnehmer werden das Gebot der Stunde sein. Anbieter von smarten Lösungen, von neuen und effizienten Technologien entlang der Wertschöpfungskette werden mehr Erfolg haben als Insurtechs, die als Risikoträger den Markt erobern wollen. Hier werden die traditionellen Versicherer, die sich als wandlungsfähig und aufgeschlossen gegenüber neuen (digitalen) Lösungen zeigen, ihr Terrain gut verteidigen können.

Was müssen Versicherer im nächsten Jahr besser machen?

Zunächst einmal: die deutschen Versicherer machen bereits heute sehr viel richtig, auch wenn etliche Insurtechs und Start-ups da naturgemäß eine andere Meinung haben. Allerdings ist der Fortschritt bei Themen wie Digitalisierung, besserer Kundenfokussierung, Entwicklung innovativer Versicherungslösungen rund um neue Technologien, Schnelligkeit und Transparenz nicht immer ganz so schnell, wie es der Konsument wünscht. Hier heißt es aus meiner Sicht, doch etwas mehr Gas zu geben um den Anschluss auch an die internationale Konkurrenz nicht zu verlieren. Insbesondere der Wandel in der Unternehmenskultur, der in den meisten Unternehmen mit den genannten Entwicklungen einhergehen muss, ist noch stärker und intensiver zu forcieren und zu begleiten.

Welches Fazit ziehen Sie aus diesem Jahr?

2018 war ein positives Jahr. Die deutschen Versicherer und Rückversicherer haben geliefert und in Schadenfällen geleistet, was sie ihren Kunden versprochen haben. Zukunftsthemen sind neu angepackt bzw. weiter voran gebracht worden. Dank der Start-ups und der Insurtechs ist die Versicherungsbranche vielfältiger, lebendiger und spannender geworden. Unsere Kunden haben eine größere Auswahl und beginnen zu spüren, dass Versicherer den "Kundenfokus" ernst nehmen und dies zu einem zentralen Anliegen machen.

Frank Reichelt · Swiss Re
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