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Verbraucherschützer bemängeln hohe Stornoquoten bei Restschuldversicherungen

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Die Restschuldversicherung gehört nicht gerade zu den Lieblingsprodukten der selbsternannten Marktwächter. Die Verbraucherzentrale Hamburg bemängelt nun die hohe Stornoquote entsprechender Policen - und dies oftmals zum Nachteil der Kunden. Dabei beruft sich die VZHH auf eine nicht repräsentativen Befragung von 23 Restschuldversicherern zu Leis-tungs- und Stornoquoten. Der GDV sieht dies naturgemäß anders.
So kommt dieVerbraucherzentrale laut Umfrage zu dem Ergebnis, dass die Stornoquote für die Versicherungsrisiken Tod und Arbeitsunfähigkeit bei über der Hälfte der befragten Anbieter deutlich über dem Branchendurchschnitt liege. Allein für die Jahre 2014 bis 2017 liegen diese nach Angaben der Marktwächter zwischen 2,65 und 3,14 Prozent. Zudem berge eine vorzeitige Beendigung auch besondere Nachteile für die Verbraucher. So werde die Einmalprämie oftmals über den Verbraucherkredit finanziert und muss mit den Monatsraten abbezahlt werden. Im Falle einer vorzeitigen Vertragsbeendigung erhalten Verbraucher eine Rückerstattung, die mit pauschalen Rückrechnungsformeln ermittelt werden so die VZHH. Im Regelfall liegt der Erstattungsbetrag für die Versicherung unter der verbleibenden, anteiligen Restschuld des Kredites, die der Verbraucher für die Einmalprämie noch zu zahlen hat, kritisieren die Verbraucherschützer weiter.
"Die ohnehin sehr hohen Kosten von Restschuldversicherungen werden durch diese Praxis noch weiter in die Höhe getrieben. Dem Verbraucher werden bei Beendigung einfach verdeckte Mehrkosten auferlegt - unabhängig davon ob er seinen Kredit vorzeitig ablösen will oder zusätzlichen Kredit benötigt und diesen nur durch die von der Bank diktierte Kündigung und sofortigen Neuabschluss bekommt", kritisiert Sandra Klug, Teamleitung Marktwächter Finanzen bei der Verbraucherzentrale Hamburg. Ebenfalls im Fokus der Kritik stehen bei den Verbraucherschützern auch die Antragsleistungsquote und natürlich die Provisionen. Demnach unterscheide sich diese Quote je nach versichertem Risiko erheblich, heißt es weiterer. Bei den untersuchten Anbietern von Restschuldversicherungen mit dem Versicherungsrisiko Todesfall liege die Spannweite zwischen der höchsten und niedrigsten Quote bei über 19 Prozentpunkten. Bei Anbietern mit dem Versicherungsrisiko Arbeitsunfähigkeit und Arbeitslosigkeit beträgt die Spannweite sogar über 40 Prozentpunkte, so die VZHH.

Konter des GDV

Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) kann die Standpunkte der Verbraucherschützer indes nur wenig nachvollziehen. "Aus Sicht des GDV tritt der Versicherungsfall keineswegs 'eher selten' ein. Die vom Marktwächter genannte Leistungsquote von 0,3 Prozent bezieht sich auf eine BaFin-Statistik, die jedoch weit überwiegend nur Leistungen der Restschuldversicherung im Todesfall erfasst. Es fehlen sämtliche andere Leistungsursachen wie Arbeitsunfähigkeit, Arbeitslosigkeit oder auch Scheidung.

Um eine 'Leistungswahrscheinlichkeit' zu ermitteln, müsste die vom Marktwächter angeführte jährliche Leistungsquote von 0,3 Prozent mit der durchschnittlichen Vertragslaufzeit multipliziert werden. Dann ergäbe sich beispielsweise bei einer Zehnjahresbetrachtung, dass 3 Prozent aller Restschuldversicherungen für den Todesfall von den Kunden in Anspruch genommen werden. Die Restschuldversicherung (RSV) schützt Kreditnehmer und ihre Familien vor existenziellen wirtschaftlichen Risiken, indem sie die Rückzahlung eines Kredites meist nicht nur im Todesfall des Kreditnehmers, sondern auch bei Eintritt von Arbeitslosigkeit oder Arbeitsunfähigkeit sicherstellt. Der Eintritt dieser Leistungsursachen ist deutlich wahrscheinlicher, die wirtschaftlichen Folgen für die im konkreten Fall Betroffenen können so gravierend sein, dass eine Absicherung über die Restschuldversicherung geraten sein kann", kommentiert ein GDV-Sprecher die Aussagen der Verbraucherschützer zur Leistungsquote.

"Das deutet auf große Unterschiede in der Bewilligungspraxis, im Antragsverfahren oder der Verständlichkeit der Produkte und Versicherungsbedingungen hin. Bei Anbietern mit eher geringen Leistungsquoten stellen Verbraucher anteilig mehr Anträge für nicht versicherte Ereignisse. Warum die Versicherten je nach Versicherer unterschiedlich häufig erfolglose Anträge stellen, müsste weiter untersucht werden", so Klug. Zudem würden nur in den seltensten Fällen entsprechende Leistungsanträge für das Risiko Arbeitslosigkeit bewilligt. "Restschuldversicherungen in der heutigen Prägung sind ein Geschäft zwischen Versicherungen und Kreditwirtschaft zu Lasten von Verbrauchern. Der Gesetzgeber muss die erlaubte Provisionshöhe deutlich begrenzen und regeln, dass die Versicherungsprämie nicht länger über den Kredit finanziert werden darf", ergänzt Dorothea Mohn, Leiterin des Teams Finanzmarkt bei der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv). 

"Die Aussage des Marktwächters, dass 'die Stornoquote bei über der Hälfte der befragten Anbieter" über dem Branchendurchschnitt liege, trifft fast zwangsläufig zu", ergänzt der GDB auf Anfrage von VWheute weiter. "Es liegt in einer statistischen Normalverteilung immer die Hälfte über und die andere Hälfte unter dem Schnitt. Zudem ist der genannte Mittelwert gemessen an einem Versicherungszweig mit deutlich länger laufenden Verträgen nicht auffallend hoch, zumal eine Stornierung der Restschuldversicherung auch darauf zurückzuführen sein kann, dass der abgesicherte Kredit vorzeitig getilgt wurde", heißt es in eine Stellungnahme. Zum Thema Provisionen heißt es beim Branchenverband weiter: "Mit der der Restschuldversicherung und auch der Höhe der Provisionen hat sich vor gut einem Jahr die BaFin ausführlich beschäftigt. Der Marktwächter hingegen hat in der aktuellen Untersuchung gar keine Daten zu dem Thema erhoben. Erst 2018 ist die Position der Verbraucher beim Abschluss einer Restschuldversicherung weiter verbessert worden. Mit Umsetzung der Vermittlerrichtlinie IDD erhalten Kunden eine Woche nach Abschluss der Restschuldversicherung einen sogenannten Welcome-Letter, der das Produkt erneut erläutert und auf die Widerrufsmöglichkeiten und -fristen hinweist. Zudem wurden die Rechte von Kunden gestärkt, die ihren Vertrag im Gruppenversicherungsmodell abgeschlossen haben. Die neuen Instrumente müssen jedoch auch erst einmal ihre Wirkung in der Anwendung entfalten können.  Die Erörterung weiterer Maßnahmen vor Auswertung der Ergebnisse dieser Veränderungen hält der GDV für vorschnell, die Einführung eines Provisionsdeckels zur Vermeidung von Fehlanreizen dementsprechend für unnötig."

GDV · Verbraucherschutzzentrale Hamburg · Restschuldversicherung
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