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Schlaglicht

Stagnation ist keine Option: Amazon, Google und Co. setzen Versicherungsvertrieb mächtig unter Druck

Von Dr. Michael Seibold und Robert MeitzTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Ob Robotik, Voice Assistants, Künstliche Intelligenz oder Big Data: Digitale Technologien prallen mit voller Wucht auf das Geschäft der Versicherer. Etablierte Geschäftsmodelle werden auf den Prüfstand gehoben, traditionelle Vertriebswege neu gedacht. Der Balanceakt gelingt aber nur, wenn die eigenen Kräfte richtig genutzt werden. Und damit tun sich einige Versicherer schwer. Sie stagnieren im Mittelmaß.

Spannende Zeiten und lebhafte Diskussionen in der Versicherungsbranche. Ein Vertreter der Alteingesessenen postuliert: „Die Mitarbeiter im Vertriebsnetz sind noch nicht bereit sich auch digital mit dem Kunden auszutauschen. Der Vertrieb bleibt persönlich.“ Ein Vertreter der Insurtechs hält dagegen: „Jeder nutzt bereits WhatsApp. Auch ihre Mitarbeiter im Ausschließlichkeitsvertrieb.“ Wer liegt richtig?

 

Tatsächlich haben beide recht. Einerseits wächst die Nachfrage für digitale, innovative Services und Kommunikation. Andererseits wird der klassische persönliche Kontakt eine wichtige Stellung im Vertrieb und Service behaupten. Die Frage wird sein, wie sich die Versicherungsbranche erfolgreich auf diese Spreizung einstellt.

 

Festhalten am Status quo keine robuste Zukunftsstrategie

 

Ein Festhalten am Status quo stellt keine robuste Zukunftsstrategie für Versicherer dar. Doch wie sollten sich die Assekuranzen aufstellen? Der Versuch, gleichmäßig auf breiter Front vorzugehen, scheitert regelmäßig. Oder, um Friedrich den Großen zu bemühen: „Wer alles defendieren will, der defendieret gar nichts.“

 

Der Wechsel der Versicherung auf Knopfdruck wird mittelfristig Realität. Fallende Wechselhürden, etwa durch nutzerfreundliche Wechselservices von Online-Aggregatoren, drängen über kurz oder lang Mittelmäßigkeit aus dem Markt. Auf die Trägheit der Masse darf und sollte sich kein Unternehmen mehr verlassen. Eine erfolgreiche Strategie muss vor diesem Hintergrund klare Schwerpunkte setzen.

 

Google und Co. weit voraus

 

Im Vertrieb stehen die Versicherungsunternehmen mittlerweile nicht nur im gegenseitigen Wettstreit – immer stärker drängen Unternehmen aus anderen Bereichen in den Versicherungsmarkt. Mit einer enormen Kundenbasis und einer klaren Transparenz über Verhalten und Bedürfnisse ihrer Kunden sind die großen Tech-Unternehmen Google, Apple, Facebook und Amazon im digitalen Vertrieb den traditionellen Versicherern weit voraus.

 

Zu selten werden dort grundsätzlich bereits vorhandene Daten ausgewertet und sich um Anschlussgeschäft bemüht. Die traditionellen Versicherer punkten über Vertrauen in die Marke und oft den persönlichen Kontakt an der Kundenschnittstelle. Die Frage ist, wie lange dies noch ausreicht. Amazon hat in Großbritannien bereits Gespräche für einen Markteintritt über eine Vergleichsplattform begonnen.

 

Insurtechs zur richtigen Zeit am richtigen Ort

 

Der Bedarf an Digitalisierung in der Versicherungsbranche wächst. An der Kundenschnittstelle sind beispielsweise Innovationen zur Schadenvermeidung und digitale Versicherungsmanager gefragt. Auch eine einfache volldigitale Schadenbehebung, etwa über eine Schadenmeldung via Fotoupload kommt zunehmend auf. Daneben sind auch schlanke und digitale Prozesse notwendig, die weitestgehend für den Kunden verborgen ablaufen. Repetitive Tätigkeiten können etwa durch Robotic Process Automation ressourcenschonend bearbeitet werden.

 

Insurtechs erkennen dieses Potenzial und stellen etablierten Spielern White-Label-Lösungen zur Verfügung, bei denen technische Innovationen eines Start-ups in die eigenen Systeme unter eigener Marke integriert werden. Ein Beispiel dafür ist Friendsurance, das den eigens entwickelten digitalen Versicherungsmakler, eine Plattform zur Verwaltung von Sachversicherungsverträgen, der Deutschen Bank zur Erweiterung des Angebots der „digitalen Hausbank“ zur Verfügung stellt.

 

Ob Robotik, Voice Assistants, Künstliche Intelligenz, Big Data: Die Breite und Vielfalt digitaler Neuerungen, die die Bedürfnisse der Kunden, aber auch die Prozesse und das Geschäft der Versicherer beeinflussen, ist enorm. Ebenso wie die Geschwindigkeit, mit der immer neue Veränderungen auf Kunden, Unternehmen und Versicherer einprasseln. Etablierte Geschäftsmodelle müssen hinsichtlich ihrer Zukunftsfähigkeit auf den Prüfstand gestellt werden. Ein klarer Fokus hilft die eigenen Kräfte richtig zu kanalisieren.

 

Den vollständigen Beitrag lesen Sie in der Dezember-Ausgabe der Versicherungswirtschaft.

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