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MedikamenteQuelle: Tim Reckmann  / pixelio.de
Märkte & Vertrieb

Rückversicherer entdecken Pharmafirmen als neue Kunden

Von Philipp ThomasTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Die Pharmabranche scheint zu einem neuen lukratischen Geschäftsfeld für die Rückversicherer zu werden. So setzen immer mehr Arzneimittelhersteller auf sogenannte Ausschnittsrückversicherungen. Die Zugangsvorausetzungen für einen Markteintritt sind entsprechend niedrig. 
Die Vorausetzungen dafür sind lediglich ein ein Kapital von einer Mrd. Euro, die Recrutierung einiger Underwriting und die Anmietung eines entsprechenden Cat-Preisfindungssystem. Noch einfacher hat hingegen der Marktplayer, welcher sich einfach hinter einen etablierten Rückversicherer klemmt. Dabei spielen auch Private Public Partnerships eine durchaus wichtige Rolle. So bieten die Rückversichererden Staaten, die Cat-Exposures bei staatlicher Infrastruktur zu übernehmen, im privaten Markt rückzuversichernde Agro-Deckungen (meist auf parametrischer Basis) sollen es Staaten gestatten unregelmässig fällig werdende Hilfen an katastrophenetroffene Bauern durch jährliche Prämienzahlungen zu ersetzen. Dazu hat die Weltbank im Rahmen ihrer Pandemics Emergency Financing Facility einen Spezialbond platziert, eine Deckungssumme von rund 500 Mio. US-Dollar beinhaltet.
Dabei decken die Rückversicherer nicht mehr nur die immer teurer werdende Behandlungen unter Einsatz lebensrettender neuartiger Medikamente ab, die bis zu fünf Mio. Dollar kosten können. Der Grund für die Preisexplosion: die Medikamente werden im Hinblick auf den jewweiligen genetischen Einzelfall speziell präpariert. Zudem müssen die Entwicklungskosten in Milliardenhöhe auf relativ wenige konkrete Anwendungsfälle zu verteilt werden. Das Problem: Die Allgemeinheit sperrt sich oftmals gegen solch hohe Kosten. Auch private Krankenversicherer mit Deckungslimits oder nationale Gesundheitssysteme mit entsprechenden Leistungsdeckelung bzw. Rationierung scheuen die hohen Kosten.
Dies führt indes auch zu einem ethischen Dilemma. Dabei geht es vor allem um die Frage, bis zu welchem Betrag sollte ein Krankenversicherer für die fast sicherere Rettung eines Menschenlebens aufkommen soll, insbesondere bei einem Kind mit einer entsprechend hohen Lebenserwartung. Novartis etwa bietet zur Bekämpfung von Leukämie ein Präparat namens Kymriah an, welches in 90 Prozent der Behandlungsfälle zur Heilung führen soll, aber 475.000 Dollar kostet. So spricht der Pharmahersteller dazu unter anderem mit der Munich Re und Swiss Re über eine eine Art Dread Disease Ausschnittsrückversicherungt. Dabei sollen private und staatliche Krankenversicherungssysteme gegen feste Prämien im Falle besonders teurer Behandlungsfällen rückversichert werden.
Dabei könnte einen Rückversicherer auch eine Einzelschadenhöhe von fünf Mio. Dollar nicht schrecken. So erreichen beispielweise Kfz-Haftflichtschäden auch für einzelne Opfer immer häufiger diese Höhe. Problematischer wäre jedoch das Änderungsrisiko: Es kommen immer neue extrem teure Medikamente und Behandlungsmethoden auf den Markt. Zudem ändert sich durch Werbung der Pharmahersteller auch die Verschreibungspraxis der Ärzte, zumal auch die Patienten und ihre Angehörigen auf den Einsatz solcher Behandlungsmethoden drängen. Desweiteren würden auch die Kosten einer derartigen Ausschnittsrückversicherung auf den Preis der Krankenversicherungsdeckungen geschlagen werden müssen.
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