Martin Micko, Founder und COO von omni:us
Martin Micko, Founder und COO von omni:usQuelle: omni:us
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Schadensregulierung: Schon bald nimmt Künstliche Intelligenz dem Menschen Entscheidungen ab 

Von Maximilian VolzTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
"KI ist die Schwelle eines neuen Zeitalters", betonte jüngst GDV-Präsident Wolfgang Weiler. "KI gefährlicher als Atomwaffen", entgegnete indes Auto- und Raketenhersteller Elon Musk auf einem Kongress in St. Austin. Doch welche Chancen bietet die künstliche Intelligenz den Versicherern tatsächlich? VWheute hat im Exklusiv-Interview mit Martin Micko, Founder und COO von omni:us, am Beispiel der Schadenregulierung einige Antworten dazu gefunden.

Was unterscheidet denn ihre KI von der aus anderen Häusern? Andere Häuser setzen bereits seit Jahren KI ein, die Dokumente erkennt, zuordnet und/ oder direkt die Auszahlung vornimmt

Prinzipiell kann KI heute in unterschiedlichen Anwendungsgebieten eingesetzt werden. Unsere KI-Module zeichnen sich dadurch aus, speziell für die Anforderungen der Versicherungswirtschaft trainiert zu sein. Dementsprechend können die trainierten Module sehr schnell in die Prozesse der Unternehmen integriert werden und hier spezifische Aufgaben bearbeiten. In der Praxis bedeutet das, dass wir mit unserem Algorithmus verschiedenste Dokumentenarten, mit denen Versicherungen umgehen, (also Fotos, Scans, Formulare, handschriftliche Notizen, usw.), nicht nur maschinell erkennen, sondern auch direkt weiterverarbeiten. Wir können entsprechend alle relevanten Daten automatisch auslesen und speichern. Dazu setzen wir auf eine Kombination von zwei unterschiedlichen deep learning Technologien: Computer Vision, also Mustererkennung, die z.B. auch im autonomen Fahren eingesetzt wird, und Natural Language Processing, das heißt automatisches Verständnis von Sprache. Durch diese Verbindung können wir die Menge an erfassten Daten maximieren.

Wie kann KI beim Schadenprozess helfen, bitte Beispiele, die nicht bereits am Markt sind

KI kann den Prozess auf allen Ebenen verbessern. Wir arbeiten hier mit einer vierstufigen Roadmap. Die erste Stufe ist der KI Einsatz im Inputmanagement, also bei der Klassifizierung von Schadensmeldungen und dem anschließenden Routing. Wesentlich größeres Potenzial hat sie aber in den darauffolgenden Stufen, also bei der Datenextraktion und Validierung, ebenso in der Entscheidungsunterstützung. Hier liegen enorme Potenziale, um durch Automatisierung Zeit und Ressourcen einzusparen. Wenn eine KI also nicht bloß erkennt, dass es sich bei einer Schadensmeldung um einen Verkehrsunfall handelt und sie an die entsprechende Abteilung weiterleitet, sondern bereits einen handgeschriebenen Unfallbericht versteht und mit einem Kostenvoranschlag abgleicht, erleichtert sie dem Sachbearbeiter die Arbeit enorm. Der gesamte Prozess wird effizienter und damit wesentlich kundenfreundlicher gestaltet. Gleichzeitig kann KI in diesem Prozess deutlich mehr Daten extrahieren, als das bei händischer Bearbeitung finanziell tragbar wäre. Und diese Daten sind der eigentliche Schatz für Versicherer, um sich auch in Zukunft nachhaltig mit passenden Produkten wettbewerbsfähig aufzustellen.

Wie helfen Sie Versicherern, "auf Basis ihrer gewonnenen Daten, passendere Produkte zu entwickeln"?

Der Schlüssel hierzu liegt in der Menge und der Qualität der Daten, die wir für die Unternehmen nutzbar machen. Die Schadensregulierung ist der Prozess, in dem ein Versicherungshaus am meisten über seine Kunden erfahren kann, denn in den zahlreichen Dokumenten, die hier eingereicht werden, sind unglaublich viele Informationen über den Menschen hinter dem Fall enthalten. Die allermeisten davon sind aber für die Bearbeitung des einzelnen Schadensfalles erst einmal nicht relevant und werden deshalb heute noch nicht betrachtet. Von Hand ist das aus Zeit- und Kostengründen schlicht nicht realisierbar. Mithilfe von KI ist es nun aber möglich, aus bestehenden Prozessen eine viel größerer Zahl qualitativ hochwertiger Daten zu extrahieren. Wir helfen den Versicherern also dabei, den Datenschatz, der heute in ihren Silos schlummert, zu heben. Nach dem Grundsatz “Daten sind das neue Gold” können damit unterschiedliche Prozesse in der Versicherung verbessert werden. Die Produktentwicklung ist eine davon. Mit Hilfe der gewonnenen Daten können die Unternehmen ein ganz neues Verständnis ihrer Kunden gewinnen, zum Beispiel in Bezug auf Schadensmuster, Schadensfrequenz, Risikogruppen und so weiter. Darauf aufbauend lassen sich neue Produkte oder auch Vorsorgeprogramme entwickeln. So können Versicherer ihr etabliertes Geschäftsmodell technisch auf die Höhe der Zeit bringen – denn “versichern” basiert seit jeher auf der Abwägung von Chancen und Risiken auf Grundlage bekannter Daten.

Was ist in der Versicherungswelt die Zukunft von KI?

Heute wird KI insbesondere in der Automatisierung von einfachen bis mittel-komplexen Prozessen eingesetzt. Aber schon bald werden Entscheidungen, die heute der Mensch in Hinblick auf administrative aber auch fachliche Prüfungen vornimmt, von KI übernommen werden können.KI ist damit eine Enabler-Technologie, die es möglich macht, datengetrieben zu arbeiten. Sie hilft Unternehmen dabei, ihre Kunden besser zu verstehen und ihnen gerecht zu werden. Gerade die jüngere Generation der digital natives ist extrem serviceorientiert. Wir sind daher überzeugt, dass am Markt nur derjenige dauerhaft erfolgreich sein wird, der die Bedürfnisse nach schnellem und unkompliziertem Service und passgenauen Produkten und Leistungen erfüllen kann. Die Technologiebranche macht es bereits vor. KI kommt auf diesem Weg eine Schlüsselrolle zu.

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