Quelle: Ergo
Schlaglicht

Ergo: "Unser Markt teilt sich neu auf"

Von Michael StanczykTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Achim Kassow geht mit einem guten Gefühl in das neue Jahr. Im Kern steht die Stärkung der Ertragskraft sowie die nachhaltige Modernisierung der technischen Infrastruktur. Der Vorstandsvorsitzende der Ergo Deutschland weiß, dass die Digitalisierung aller Lebensbereiche und ein verändertes Kundenverhalten bisherige Geschäftsmodelle grundlegend in Frage stellen. Ein Interview mit VWheute.

Wie ist die Stimmung bei den Versicherern für das Jahr 2019?

Wir sind insgesamt positiv gestimmt. Gestützt wird der stabile Wachstumspfad in Deutschland vor allem durch die gute wirtschaftliche Lage der privaten Haushalte. Die Herausforderung wird dennoch weiterhin sein, etablierte Geschäftsmodelle an die sich permanent verändernden wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen – vor allem vor dem Hintergrund einer ausgeprägten Niedrigzinsphase in der Eurozone – anzupassen. Aus der globalen Perspektive wächst die Versicherungswirtschaft 2018 und 2019 stärker als die Weltwirtschaft. Wir erwarten in diesem und im nächsten Jahr einen Anstieg der globalen Prämien um insgesamt mehr als 460 Mrd. Euro. Dies entspricht einem Prämienwachstum von durchschnittlich 5,3 Prozent pro Jahr, wohingegen das globale BIP voraussichtlich nur um 4,9 Prozent wachsen wird.

 

Welche Themen stehen 2019 im Fokus?

Im Kern stehen die Stärkung der Ertragskraft sowie die nachhaltige Modernisierung der technischen Infrastruktur. 2019 steht vor allem die konsequente Vernetzung von Onlineservices und Vertriebspartnern im Vordergrund.

 

Welche Formen wird die Zusammenarbeit mit Insurtechs annehmen?

Insurtechs sind und bleiben wichtige Kooperationspartner für uns. Wir prüfen stetig entlang unserer gesamten Wertschöpfungskette den Einsatz innovativer Lösungen und arbeiten bereits in verschiedensten Bereichen wie z.B. der Betrugserkennung eng mit Insurtechs zusammen. Darüber hinaus sind Start-ups oft Vorreiter beim Einsatz neuer Technologien wie beispielsweise Voice Skills. Dies unterstützt uns in Pilotprojekten, frühzeitig den Reifegrad neuer Technologien zu evaluieren und Einsatzmöglichkeiten bei uns zu prüfen.

 

Wie sicher ist das Geschäftsmodell Versicherung?

Wir sind sehr optimistisch was unsere Zukunft angeht. Unser Geschäftsmodell der Zukunft ist agil und innovativ, eng vernetzt auch über Unternehmensgrenzen hinweg, und ständig im Kontakt mit Kunden und Partnern entlang der Customer Journey. Diejenigen, die innovationsgetrieben gemeinsam mit Partnern neue Versicherungslösungen entwickeln, werden zu den Gewinnern gehören. Finanzielle Stärke, Zuverlässigkeit, Berechenbarkeit und vor allem konsequente Fokussierung auf den Kundennutzen sind elementare Erfolgsvoraussetzungen.

 

Wo sehen Sie die größten Risiken mit Rückkopplung auf das Versicherungsgeschäft?

Das kaum veränderte Niedrigzinsumfeld und die hohe Regulierungsdichte wird uns weiterhin beschäftigen. Zudem wird die Risikolandschaft zunehmend von neuen politischen Unsicherheiten und Anzeichen von wirtschaftspolitischem Protektionismus geprägt. Insgesamt ist eine Zunahme der Abwärtsrisiken für die Weltkonjunktur zu konstatieren. Die ungebremste Digitalisierung von Geschäftsmodellen und eine alternde Gesellschaft sind weitere Treiber eines spürbaren Wandels.

 

Was müssen Versicherer 2019 besser machen?

Wenn wir in unseren Märkten weiter erfolgreich sein wollen, müssen wir unsere Kunden von unseren Leistungen und Services überzeugen. Das wird nur funktionieren, wenn wir uns permanent fragen, wie sich eine Technologie in echten Kundennutzen übersetzen lässt. Kunden erwarten heute freie Wahl der Zugangswege – egal ob persönlich, telefonisch oder online, schnelle Erreichbarkeit rund um die Uhr, einfache und einheitliche Produkt- und Preisgestaltung sowie Transparenz und Nähe zu ihrem Lebensalltag. Gleichzeitig müssen Prozesse für ein überzeugendes und zeitgemäßes Kundenerlebnis schneller und ganzheitlich betrachtet werden.

 

Was sind Ihre Kernforderungen an die Politik, was Ihre größten Kritikpunkte?

Wir hoffen auf durch Fach- und Sachkenntnis fundiertes Augenmaß in Regulierungsfragen – das gilt für die von der Bundesregierung angekündigten Neuregelungen in der Lebensversicherung ebenso wie für den Aktionsplan der EU-Kommission zu nachhaltigen Finanzierungen wie auch deren „New Deal for Consumers“. Kritisch sehen wir die Pläne der deutschen Politik, die Sozialversicherungssysteme stärker zu belasten – ob in der Rente oder in der Pflege. Eine nachhaltige Richtung wäre aus unserer Sicht, die private und betriebliche Säule zu stärken. Beide Säulen der Altersvorsorge sollten auch von einer Finanztransaktionssteuer befreit sein.

 

Welches Fazit ziehen Sie aus diesem Jahr?

Die Digitalisierung aller Lebensbereiche und ein verändertes Kundenverhalten stellen bisherige Geschäftsmodelle grundlegend in Frage. Damit teilt sich unser Markt neu auf. Vielen Unternehmen macht das Sorge – es entstehen aber auch neue Chancen. Der Schlüssel ist, konsequent die Ansprüche unserer Kunden anzunehmen, ihre Erwartungen zu übertreffen. Dabei müssen wir die digitale Transformation als fortwährenden Prozess verstehen, der ohne ein konsequentes Weiterarbeiten nicht auskommt. Die Zukunft gehört den Versicherungsunternehmen, die es schaffen, die Digitalisierung in Kundennutzen zu übersetzen.
Ergo · Achim Kassow
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