Oliver Bäte, Vorstandsvorsitzender der Allianz SE
Oliver Bäte, Vorstandsvorsitzender der Allianz SEQuelle: Allianz
Köpfe & Positionen

Bäte: "Wenn man digital sein will, dann muss man die Altlasten wegräumen und vereinfachen"

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Seit mehr als drei Jahren schon führt Oliver Bäte als Steuermann auf der Brücke der Allianz. In dieser Zeit setzt der Vorstandschef auf einen digitalen Umbau des Münchener Versicherungskonzerns. Sein Ziel: "Wenn man digital sein will, dann muss man die Altlasten wegräumen und vereinfachen. Unser Traum ist, dass die Leute eines Tages genauso zufrieden mit der Allianz sind wie mit Zalando."
So wolle man "sowohl die Prozesse mit den Kundinnen und Kunden als auch die Plattform dahinter möglichst frei bauen. Das dient auch dazu, intern eine Benchmark zu setzen, um zu zeigen, wie effizient man eigentlich schon sein kann - und zwar ohne Altlasten", betont der Allianz-CEO im Interview mit der Welt am Sonntag. Dabei drückt Bäte entsprechend auf die Tube: "Wir haben für die Digitalisierung keine 30 Jahre. Es geht nicht nur um den Grad der Veränderung, sondern auch um die Geschwindigkeit. In Deutschland haben wir für die Rechtsschutzversicherungen 62 verschiedene Produktgruppen, einige davon kommen noch aus der DDR. Wie soll man da immer wissen, was genau gedeckt ist und wie man den Schaden regulieren soll? So etwas kostet Geschwindigkeit."
Offen ließ der Konzernchef indes die Frage, wie viele Stellen im Zuge der Digitalisierung wegfallen werden. "Das weiß ich nicht. Diese Frage ist für mich aber auch nicht relevant. Wichtiger ist dem Mitarbeiter doch: "Hat die Allianz einen klaren, langfristigen Plan, der es mir erlaubt eine Lebensplanung zu machen, von der ich weiß, wann und wie mein Job von technologischer Veränderung betroffen sein wird?' Wir unterstützen unsere Mitarbeiter dabei, in oder außerhalb der Allianz eine Beschäftigung zu finden. Unsere Aufgabe ist es aber nicht, einen bestimmten Job zu garantieren. Das kann selbst die öffentliche Verwaltung nicht." Dabei fürchtet sich der ALlianz-CEO auch nicht vor den Big-Tech-Giganten wie Google oder Amazon. "Angst habe ich grundsätzlich nur um meine Familie. Aber Gedanken mache ich mir schon. Die Frage ist: Wie definieren wir fairen Wettbewerb und den entsprechenden Rechtsrahmen? Wir haben heute Daten, die herumfliegen und von denen wir nicht wissen, in welchem Land sie gerade sind. Da wir unser Rechtssystem aber auf Ländergrenzen abgestellt haben, versagt es automatisch. Prinzipiell müssen wir uns aber jedem Wettbewerb stellen", konstatiert Bäte.
Ein weiteres Themenfeld ist für ihn auch der Aufbau des Versicherungsgeschäftes in China. Dabei sprach er sich im Interview mit der Wochenzeitung für eine stärkere Regulierung des deutschen Außenhandels aus. So wäre es naiv zu glauben, "davon auszugehen, dass die freien Kräfte des Marktes alle Probleme lösen. Deswegen haben wir in Deutschland auch etwas, was sich soziale Marktwirtschaft nennt." Seine Forderung: "Vielmehr müssen wir uns als Gesellschaft in Deutschland und auch in Europa überlegen: In welchen Bereichen möchten wir gerne kompletten Freihandel und Wettbewerb und in welchen Bereichen nicht? Freihandel birgt schließlich auch viele Risiken. Wir brauchen eine industriepolitische Strategie. Man sollte grundsätzlich darüber nachdenken, welche Sektoren für uns in Hinblick auf Technologie, Beschäftigung und andere Themen strategisch wichtig sind, und dies dann mit unseren Handelspartnern klar besprechen. Egal ob Chinesen oder amerikanische Partner, wichtig sind klare Regeln, die sich nicht ändern."
Allianz · Oliver Bäte
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