Mehr Unternehmenspleiten bei einem ungeregelten Brexit?
Mehr Unternehmenspleiten bei einem ungeregelten Brexit?Quelle: Petra Bork / PIXELIO (www.pixelio.de)
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Atradius fürchtet höheres Insolvenzrisiko bei hartem Brexit

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Kommt es nun zu einem harten Brexit oder doch zu einem "Deal" zwischen der EU und Großbritannien? Die Entscheidung darüber dürfte - voraussichtlich - wohl erst im neuen Jahr fallen. Ein ungeregelter EU-Austritt des Vereinigten Königreiches dürfte indes für manch Unternehmen üble Folgen haben, wie eine aktuelle Analyse von Atradius belegen soll.

Demnach würden es bei einem "harten" Brexit rund 2.300 mehr Firmenpleiten in Großbritannien im Jahr 2020 geben als bei einem geregelten Ausscheiden aus der Staatengemeinschaft, heißt es beim Kreditversicherer. Bereits in diesem Jahr rechnet Atradius mit insgesamt 15.800 Insolvenzen im Vereinigten Königreich, was einem Anstieg von vier Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Auch das Forderungsrisiko in anderen Ländern würde bei einem "harten Brexit"-Szenario steigen. Nach den Berechnungn der Risikoexperten von Atradius wären dabei besonders Irland, Belgien, Dänemark und die Niederlande betroffen.

Zudem rechnet der Kreditversicherer damit, dass die Inflation und die Arbeitslosigkeit in Großbritannien im Falle eines "Worts-Case-Szenarios" stark steigen und die Industrieproduktion gebremst werden. In der Folge erhöht sich das Insolvenzrisiko deutlich. Ein ungeregelter Austritt würde laut Atradius schon im Jahr 2020 14 Prozent mehr Firmenkonkurse gegenüber dem von der britischen Regierung vorgeschlagenen Ausstiegsabkommen nach sich ziehen. Umgerechnet müssten voraussichtlich rund 2.300 britische Unternehmen mehr Konkurs anmelden, so die Prognose.
Besonders zu spüren bekommen dürfte dies die Nachbarinsel Irland, die rund elf Prozent ihrer Exporte nach Großbritannien abführt. Insbesondere das verabreitende Gewerbe und die Lebensmittelindustrie würden die Folgen deutlich zu spüren bekommen, so Atradius. Auch für Belgien, die Niederlande und Dänemark rechnet der Kreditversicherer mit einem Anstieg der Insolvenzen von jeweils 1,5 Prozent, sollte der Ausstieg Großbritanniens aus der EU tatsächlich ohne Abkommen stattfinden.
"Bei einem harten Brexit sehen wir auch erhöhte Forderungsrisiken bei einigen europäischen Handelspartnern Großbritanniens. Diese sind im Vergleich zu den Unsicherheiten für Firmen des Vereinigten Königreichs aber moderat. Das Zahlungsrisiko von Großbritanniens Firmen hängt unmittelbar mit dem Ausgang der aktuellen Brexit-Verhandlungen zusammen. Ohne Abkommen wird der freie Waren-, Dienstleistungs-, Kapital- und Personenverkehr zwischen dem Vereinigten Königreich und der EU über Nacht zum Erliegen kommen. Die Handelskosten würden erheblich steigen, besonders aufgrund der dann geltenden Zölle. Da rund die Hälfte der Exporte Großbritanniens in die EU gehen, wären die Firmen im Vereinigten Königreich besonders betroffen. Für ihre Lieferanten und Dienstleister wäre das Forderungsrisiko erheblich größer", erläutert Thomas Langen, Senior Regional Director Deutschland, Mittel- und Osteuropa von Atradius.
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