Konzernchef Dr. Paul-Otto Faßbender mit Finanzvorstand Werner Nicoll, der im April 2019 nach 20 Jahren altersbedingt ausscheidet.
Konzernchef Dr. Paul-Otto Faßbender mit Finanzvorstand Werner Nicoll, der im April 2019 nach 20 Jahren altersbedingt ausscheidet.Quelle: Monika Lier
Unternehmen & Management

Arag bringt 2019 Rechts-Services auf den deutschen Markt

Von Monika LierTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Nach guten Erfahrungen mit ihren Legal-Tech-Aktivitäten "Hello Law" in den Niederlanden plant die Arag SE ähnliche Services für den deutschen Markt. „Aufgrund der starken Regulierung gehen wir hier behutsam vor“, sagte Konzernchef Paul-Otto Faßbender am Mittwochabend vor der Presse. Unter der Marke "Hello Law" ist die Arag über ihren Kölner "Company-Builder" in den Niederlanden aktiv und zählt dort bereits 16.000 Kunden. Justix habe 2018 den deutschen Markt sondiert, so Faßbender. In Deutschland sind Rechtsdienste strikt reglementiert und mit wenigen Ausnahmen fest in der Hand der Rechtsanwälte. Die Arag sieht aber dennoch Möglichkeiten, 2019 erste Services anzubieten. Es werde an einem Modell im Bereich Ordnungswidrigkeiten gearbeitet.

Der Konzern ist in 17 Ländern aktiv, tritt dort aber nicht immer in der in Deutschland üblichen Form des Versicherers auf, sondern teils auch mit rechtsschutznahen Angeboten. Die Beiträge werden 2018 voraussichtlich um vier Prozent auf 1,64 Mrd. Euro wachsen. Bei den deutschen Aktivitäten erhöhen sich die Beiträge um vier Prozent auf 979,2 Mio. Euro und nehmen damit voraussichtlich stärker zu als im Branchendurchschnitt. Vor Steuern wird ein Ergebnis von 57 (81,2) Mio. Euro erwartet. Dies liegt nach Aussage von Faßbender aber immer noch „über den Planungen“: Die Versicherungstechnik fällt bei einer unveränderten Combined Ratio von 89,9 Prozent mit knapp 82 Mio. Euro Gewinn um zehn Prozent besser aus, während das Kapitalanlageergebnis durch zinsbedingte Kursrückgänge vor allem in einem Spezialfonds auf 85,5 (136) Mio. Euro zurückfällt.

Im Rechtsschutz habe man einen "wirklich guten Lauf", so Faßbender. Das Segment legt weltweit um sechs Prozent auf 992 Mio. Euro Prämie zu. Im heimischen Markt wächst die Arag ähnlich stark auf 370 Mio. Euro Prämie und kann damit ihren vielen Jahre rückläufigen Marktanteil wieder auf 9,25 (8,8) Prozent ausbauen. Ein Drittel des deutschen Wachstums sind Beitragsanpassungen, zwei Drittel resultieren aus der Verbreiterung der Kundenbasis um 2,9 Prozent. Dabei gewinnt die Arag immer mehr Kunden auch online. Die Zahl der Kunden, die ausschließlich online abgeschlossen haben, nahm um 2018 zehn Prozent auf 247.000 zu; das sind elf Prozent aller Kunden. "Die Digitalisierung ist für unser Haus ein Glücksfall", meint Faßbender. Hier könne man als mittelständischer Versicherer die eigenen Stärken ausspielen und erziele bereits messbare Ergebnisse. Im Februar wird ein voll digitaler Verkaufsprozess für den Stammvertrieb gestartet. Dann sollen die rund 1.000 Ausschließlichkeitsvertreter per I-Pad medienbruchfrei den gesamten Verkaufsprozess inklusive vollständige Abschluss online tätigen können. Dies wird möglich, weil die Batch-Dateien abgeschafft werden.

Seit Sommer läuft das Transformationsprogramm "Arag Smart Insurer", für das inzwischen 85 Kernmaßnahmen im Rahmen eines strukturierten Prozesses von den Mitarbeitern identifiziert wurden. In Deutschland wird 2019 die Ausstattung der Mitarbeiter verbessert. Unter dem Schlagwort "Upgrade your work" dürfen sich die Beschäftigten frei unter vier Rechner-Lösungen - vom stationären Desktop bis hin zu mobilen Lösungen - entscheiden. Produktseitig wurde angekündigt das Cyberschutzpaekt "Arag web@ktiv" 2019 "erheblich" zu erweitern. Zudem sollen die Rückwärtsdeckungen für Kraftfahrt- sowie Mietrechtsschutz nach "Überraschungen" überarbeitet werden.

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