Gregor Eder (links) und Michael Heise (rechts)
Gregor Eder (links) und Michael Heise (rechts)Quelle: Mathias von Bredow
Märkte & Vertrieb

Turbulente Zeiten belasten die Konjunktur

Von Mathias von BredowTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Prognosen sind immer schwierig, besonders dann, wenn sie die Zukunft betreffen. Das witzig gemeinte bonmot hat in diesem Jahr ein Stück an Ernsthaftigkeit gewonnen. Selbst erfahrene Finanzexperten müssen ihre Konjunkturerwartungen derzeit vorsichtig abwägen – und können doch nur schwer die aktuelle Dynamik politischer und wirtschaftlicher Prozesse in Europa und weltweit einschätzen.

Die deutsche Wirtschaft hat im dritten Quartal 2018 einen spürbaren Dämpfer erhalten. Um minus zwei Prozent gegenüber dem Vorjahr ist die Konjunktur eingebrochen, die Automobilindustrie sogar um 7,5 Prozent. Die Allianz SE musste – wie viele andere -  ihre Prognosen für 2018 von 2,1 Prozent im Frühjahr auf jetzt nur noch 1,5 Prozent Wachstum beim Bruttoinlandsprodukt absenken. Für 2019 sagen die Experten einen Wert von 1,7 Prozent gegenüber ursprünglichen 1,9 Prozent voraus. Was die längerfristigen Tendenzen betrifft, so hat das Unternehmen vier Szenarien bis 2022 entwickelt. Die wahrscheinlichste Variante ist dabei mit 55 Prozent ein weiterhin verhaltenes Wachstum und eine "weiche Landung".

Nach Worten von Chefvolkswirt Michael Heise sind die Märkte weltweit von „Turbulenzen“ beeinflusst, die in ihrer Mehrheit politischer Natur sind. Gleich an mehreren Brennpunkten hat die Dramatik der Prozesse zugenommen. Als besonders evidente Beispiele nannte Heise den Brexit, die Entwicklungen in Italien und aktuell auch in Frankreich sowie die Unsicherheit über die künftigen politischen Verhältnisse in der EU nach den Europawahlen. Hinzu gekommen sei ferner eine Verschärfung im Handelsstreit mit den USA bzw. zwischen den USA und China. Mittlerweile schlügen die Krisenherde auch auf die Aktienmärkte zurück, die sich nach dem Boom-Jahr 2017 durchweg schwächer zeigten. Ob es dort im kommenden Jahr besser würde, ließe sich kaum vorhersagen. "Fest steht, dass 2019 ebenfalls ein Jahr mit politischen Unsicherheiten wird", so Heise.

Was den Brexit betrifft, so schätzt er die Chancen auf eine Zurücknahme im Moment auf etwa 25 Prozent; die Wahrscheinlichkeit sei wieder gestiegen. Da die Kapitalmärkte bisher nicht davon ausgehen, dass es zu einem Exit vom Brexit kommt, und den Austritt des Landes aus der EU bereits eingepreist haben, sieht der Chefvolkswirt hier im positiven Falle ein erhebliches Wachstumspotenzial. Eine völlige Rückkehr zum "status quo ante" hält er dennoch nicht für realistisch. Die Unternehmen hätten sich bereits zu weiten Teilen irreversibel auf den Brexit eingestellt. Ein harter Brexit würde die Konjunktur allerdings europaweit nach unten ziehen.

Bezogen auf Deutschland erwartet Gregor Eder, Senior Economist der Allianz, trotz des schwierigen Wachstumsumfelds im 4. Quartal 2018 und 1. Quartal 2019 eine "Gegenbewegung" zum Konjunktureinbruch des Herbstes. Insgesamt stehe das Land immer noch verhältnismäßig gut da. So erwartet die Allianz ein weiterhin kräftiges Wachstum des nominalen Einkommens und einen Anstieg bei der Binnenkonjunktur. Gegenwind erhält die Wirtschaft allerdings beim Export, wo sich die bereits erwähnten Unsicherheiten auswirken. Der EU-Außenhandel ist zwar ein stabilisierender Faktor. Dennoch liegt Deutschland beim Export unterhalb des Durchschnitts. "Dies bedeutet, dass wir derzeit Anteile am globalen Export verlieren", so Eder. Positiv sei, dass das Deutschland in diesem Jahr einen erneuten Haushaltsüberschuss von 1,6 Prozent des BIP und in 2019 voraussichtlich ein Prozent an Überschuss erzielen wird. Die Staatsverschuldungsquote würde damit erstmals unter 60 Prozent sinken.
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