Quelle: BMF
Politik & Regulierung

Kukies: "Es liegt im eigenen, vitalen Interesse der Versicherer, bei ihren Kunden für Vertrauen zu werben"

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Niedrige Zinsen, Run-off, innovative Produkte. Jörg Kukies, kennt die Herausforderungen der Lebensversicherer. Nach Meinung des Staatssekretärs im Bundesministerium der Finanzen müssen sich die Unternehmen heute vor allem mit Blick auf Kosten und Produktentwicklung vorbessern. Wie sie mit dem Run-off umgehen, überlässt er ihnen. Hauptsache der Kunde ist zufrieden.

"Wir haben zwar mit den entschlossenen regulatorischen Maßnahmen der letzten Jahre und der Disziplin der Branche viel erreicht", sagt Kukies in einem Interview mit Aktuar Aktuell. Zum Beispiel habe die Bundesregierung gerade eine Neuregelung der Zinszusatzreserve auf den Weg gebracht. "Aber es sind weitere Anstrengungen seitens der Versicherer notwendig, gerade mit Blick darauf, die Kosten weiter zu senken und die Entwicklung neuer Produkte voranzutreiben. Das ist wichtig, damit das System der Lebensversicherer auch langfristig stabil bleibt. Gerade im Niedrigzinsumfeld kommt es darauf an, das Vertrauen der Kunden in die private Altersvorsorge weiter zu stärken."

 

Beim Thema Run-off äußert sich der Politiker distanziert. Es liege im eigenen, vitalen Interesse der Versicherer, bei ihren Kunden für Vertrauen zu werben. Dafür brauche es klare, schlüssige Konzepte seitens der Versicherer, die die Kunden in den Mittelpunkt stellen. Zudem gebe es regulatorische Schutzmechanismen, denn Lebensversicherer im Run-off unterliegen weiterhin der Versicherungsaufsicht. So prüft die Aufsicht einen Unternehmensverkauf beziehungsweise die Übertragung auf eine Run-off-Plattform genau. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) verfügt zudem über weitreichende gesetzliche Befugnisse, um die Interessen der Versicherten zu wahren.

 

"Sie hat ihre Aufsicht auch im Bereich des Run-off sogar intensiviert. Aber diese Beobachtung findet nicht im Öffentlichen statt, daher ist es für das Vertrauen entscheidend, dass der Lebensversicherer aktiv auf die Kunden zugeht und diese ausreichend informiert", berichtet Kukies.

 

Angesichts der demografischen Herausforderungen benötige man auch eine starke kapitalgedeckte Altersvorsorge. "Und es ist wichtig, dass auch Menschen mit kleinen und mittleren Einkommen besser von einer betrieblichen Altersversorgung und staatlich gefördertenprivaten Altersvorsorge profitieren." Klar ist, dass nur bei einer breiten Abdeckung die Produkte als integraler Bestandteil der Altersvorsorge wahrgenommen werden.

 

Welche Vorschläge von der Rentenkommission Ende März 2020 vorgelegt werden, bleibt abzuwarten.

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