Gothaer-Vorstand beim Jahresabschlussgespräch 2018
Gothaer-Vorstand beim Jahresabschlussgespräch 2018Quelle: Monika Lier
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Gothaer sieht sich auf Kurs

Von Monika LierTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Der Gothaer-Konzern wird 2018 voraussichtlich bei allen drei großen Risikoträgern wachsen und mit 4,38 Mrd. Euro etwa zwei Prozent mehr Bruttobeitrag buchen. "Für uns war 2018 ein richtig gutes Jahr - sowohl von den Zahlen als auch von den Projekten und der Umsetzung unserer Strategie", sagte Gothaer-Chef Karsten Eichmann am Dienstag vor der Presse. Darüber hinaus hätten die drei großen Risikoträger "erfolgreich" Neugeschäft gezeichnet, das sich 2018 aber teils noch nicht in den Beiträgen niederschlage. Dennoch gibt sich Eichmann für 2019 konservativ und prognostiziert nur ein marktkonformes Wachstum "von zwischen zwei und drei Prozent".

Der Konzern ist 2018 zur Bilanzierung nach HGB zurückgekehrt, weil der Standard nach IFRS "massive“ Investitionen erfordert hätte, so dass viele der im ersten Überblick für 2018 gegebenen Zahlen nicht mit dem Vorjahr vergleichbar sind. Eichmann sagte, dass der Konzernjahresüberschuss nach Steuern bei über 100 Mio. Euro liegen werde und das Konzerneigenkapital auf über 1,13 Mrd. steige. Damit soll eine Konzerneigenkapitalrendite von 12,4 Prozent erzielt werden. Die Zahl der Mitarbeiter sank weiter auf 5.421 (5.563). Das 2016 eingeführte Umbauprogramms "Gothaer 2020" liege auf Kurs. "Wir haben unsere Finanzkraft weiter gestärkt, die Solvency II-Quoten verbessert und das Kostenprogramm sichert die stabile Ertragslage. Im Rahmen der digitalen Integration wurden das Serviceangebot für Kunden und Vertriebspartner ausgebaut und die Analysemethoden deutlich weiter entwickelt", so Eichmann.

In Komposit hat man sich nach eigenen Angaben von unrentablem Geschäft getrennt, wächst aber dennoch um voraussichtlich 2,4 Prozent auf 2,24 Mrd. Euro Prämie. Mehr Sturmschäden, aber auch ein höheres Großschadenaufkommen in der industriellen Sachversicherung dürften bei der Gothaer Allgemeinen die Combined Ratio auf 95,7 (91,2) Prozent treiben. Der Verkauf der polnischen Tochter an die Wiener Städtische verschiebt sich ins nächste Jahr, hat für die Gothaer wahrscheinlich aber den schönen Nebeneffekt eines höheren Verkaufserlöses, weil der Umbau dieser Gesellschaft zunehmend Früchte trägt. Auch beim Maklerversicherer Janitos sei der "turnaround" gelungen. Dagegen steht eine Lösung für die rumänischen Aktivitäten, die trotz kräftigem Wachstum immer noch zu klein sind, noch aus.

Nach drei Jahren im Rückwärtsgang legt der Lebensversicherer 2018 um voraussichtlich 2,5 Prozent auf 1,17 Mrd. Euro Prämie Leben zu. Das Neugeschäft wächst um absehbar gut 24 Prozent; davon entfallen aber nur noch 20 Prozent auf klassische Garantieprodukte. Mit der Finanzierung der Zinszusatzreserve ist die Gothaer weitgehend durch: Nach der Korridormethode fallen 2018 wahrscheinlich nur 80 Mio. Euro statt 300 Mio. Euro an und ab 2020 könne das Polster bei einem Zinsanstieg von nur zehn Basispunkten voraussichtlich wieder aufgelöst werden. Für die drei Pensionskassen - zwei sind nur für eigene Mitarbeiter - berichtete Vorstand Michael Kurtenbach von allenfalls überschaubaren Nachfinanzierungen. Die Kassen litten unter den niedrigen Zinsen und könnten dies naturgemäß nicht durch gute Risikoergebnisse ausgleichen. Die Solvabilität betrage aber mehr als 100 Prozent.
Der Krankenversicherer wächst vor allem mit Zusatzversicherungen 2018 um 0,8 Prozent auf 840 Mio. Euro Beitrag. Die Zahl der Vollversicherten dürfte erneut um 2,6 Prozent auf etwa 138.000 Personen zurückgehen. "Mit der erfolgten Integration von Telemedizin und der Einführung der elektronischen Patientenakte vivy sowie einem deutlichen Ausbau der digitalen Leistungen für die betriebliche Krankenversicherung wird die Gothaer Krankenversicherung die Repositionierung zum digitalen Gesundheitsdienstleister in 2019 nochmals beschleunigen“, sagte Vorstand Oliver Schoeller.
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