Christian Thimann
Christian ThimannQuelle: Atora
Schlaglicht

Athora-Chef Thimann: "Leben-Bestände passen oftmals nicht mehr zum zukünftigen Geschäftsmodell"

Von Monika LierTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Hat der Markt das Gros der externen Run-offs bereits gesehen – oder wartet der Markt nur die Entscheidung der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht zur Transaktion der Generali Leben auf die Abwicklerplattform Viridium ab? Im Exklusiv-Interview mit VWheute gibt sich Christian Thimann, Vorstandschef der Athora Deutschland Holding GmbH & Co. KG, optimistisch. Neben der Bestandsversicherung bietet die in Bermuda ansässige Versicherungs- und Rückversicherungsgruppe deutschen Gesellschaften auch eine Rückversicherungslösung für einen "Quasi-Run-off".

Wie ist die Geschäftspolitik der Athora ausgerichtet? Im Ausland wurden ja einige LV-Gesellschaften bzw. Bestände erworben, in Deutschland erst einer bzw. mit Aegon zwei.

Athora bietet Lebensversicherern und Pensionskassen sowohl Rückversicherungen als auch Bestandsübernahmen an. Wir werden von vielen Unternehmen angesprochen und setzen auch Transaktionen um. So hat Athora im April dieses Jahres den irischen Versicherer Aegon Ireland mit einem verwalteten Vermögen von 4,7 Mrd. Pfund übernommen. Außerdem werden wir den belgischen Versicherer Generali Belgien, wie im April 2018 angekündigt, übernehmen. Das Unternehmen hat rund 420.000 Kunden und verwaltet ein Vermögen in Höhe von 5,3 Mrd. Euro.

In Sachen Rückversicherung hat Bafin-Aufseher Frank Grund auf der Jahreskonferenz ja wohl in Ihre Richtung einige mahnende Worte gesprochen. ("Zuletzt ist als Variante des internen Run-Offs eine Rückversicherungslösung in den Fokus gerückt. ... Als Aufsicht erwarten wir eine adäquate Streuung der Rückversicherungspartner, die Einhaltung eines signifikanten Selbstbehalts und die Beibehaltung der Selbstverwaltung des Sicherungsvermögens.· Wir achten darauf, dass Lebensversicherer mit Hilfe dieser Rückversicherungsverträge keine Überschüsse verschieben – zum Beispiel vom Zins- oder Risikoergebnis in das übrige Ergebnis....) Oder waren Sie doch nicht gemeint?

Die Athora Gruppe hat ihre Lösung mit der BaFin eingehend besprochen, und sie trägt nach unserem Eindruck grundsätzlich den Anforderungen der BaFin Rechnung. Ich begrüße es sehr, dass sich die BaFin so eingehend mit Rückversicherungslösungen auseinandersetzt. Die aktuelle und absehbare Lage ist unbestritten schwierig für manche Versicherer und Pensionskassen – und damit letztlich auch für die Kunden. Die Rückversicherung erweitert hier das Spektrum an möglichen Lösungen. Ich kann jedes Unternehmen nur ermutigen, sich diesen Ansatz zumindest anzusehen.

Wie viele derartige Rückversicherungslösungen haben Sie bereits in Deutschland etabliert?

Über zwei ihrer Tochtergesellschaften bietet die Athora Holding Gruppe deutschen Lebensversicherern eine umfangreiche, maßangefertigte Rückversicherungslösung, die nicht nur die üblichen versicherungstechnischen Risiken sondern insbesondere das Finanzmarktrisiko den Unternehmen abnimmt. Das ist ein neues Angebot auf dem deutschen Markt. Damit können Unternehmen ihre Gesamtrisiken deutlich reduzieren und Kapital für andere Zwecke freisetzen.

Ist die Rückversicherung einem externen Run-Off über eine Plattform überlegen?

Wirtschaftlich gesehen kann die Rückversicherungslösung von Athora einen ähnlichen Effekt wie die Bestandsübertragung haben, was die Eigenkapitalentlastung angeht. Zugleich hat sie den großen Vorteil, dass der Versicherer seine Kundenbeziehungen behalten kann. Die Rückversicherung ist im Gegensatz zur Bestandsübertragung keine „alles oder nichts Lösung“. Die Unternehmen können die zu versichernde Quote in einem gewissen Rahmen frei wählen. Das hat für die Versicherer den Charme, dass sie klein anfangen können. Wenn sie gute Erfahrung gemacht haben, können sie die Rückversicherungsquote Schritt für Schritt erhöhen.

 

Beides – Rückversicherung und Bestandsverwaltung – sind betriebswirtschaftlich sinnvolle Angebote, die uns erlauben auf unterschiedliche Bedürfnisse der Versicherungsunternehmen einzugehen. Unsere Rückversicherungslösung stößt auf Interesse im Markt. Aber Gespräche und Entscheidungen brauchen einfach ihre Zeit. 

Wie ist eigentlich zurzeit Ihre Geschäftslage - hat es sich abgekühlt, nachdem die Berechnungsmethode für die Zinszusatzreserve geändert wurde?

Erstversicherer suchen aus wohlüberlegten, strategischen Gründen nach Lösungen für ihre Altbestände. Oftmals passen die Leben-Bestände nicht mehr zum zukünftigen Geschäftsmodell. Daran wird auch die ZZR-Erleichterung nichts grundlegend ändern. Die Nachfrage nach unseren Versicherungslösungen – sowohl für die externe Bestandsverwaltung als auch für die Rückversicherung – besteht nach wie vor. In Deutschland sind rund 80 Lebensversicherer aktiv. Ich schätze, dass momentan ungefähr jeder dritte Lebensversicherer darüber nachdenkt, Altbestände abzugeben oder rückzuversichern.

Im Markt ist auch zu hören, dass es nach einer positiven Generali-Entscheidung zu einem Run auf die Abwickler kommen könnte. Rechnen Sie mit ähnlichem?

Mit der Genehmigung der Generali Leben-Transaktion, würde zum ersten Mal ein sehr großer Lebensversicherungsbestand an einen Bestandsversicherer übertragen. In der Tat wäre das ein deutliches Signal im Markt und eine Zustimmung des Regulierers würde den Weg für weitere Transaktionen sicherlich ebnen.

Wie sieht es bei den Pensionskassen aus? Rechnen Sie da mit vielen Bestandsverkäufen?

Die Pensionskassen leiden genauso wie die Lebensversicherer unter den anhaltend niedrigen Zinsen und der steigenden Regulierung. Von ihnen gibt es über 130 auf dem deutschen Markt. Damit ist aus unserer Sicht durchaus Konsolidierungsbedarf vorhanden. Vor allem für kleinere und mittlere Pensionskassen ist es zunehmend schwierig, die Verpflichtungen gegenüber den Versicherten zu erfüllen. Gerade für sie kann der Verkauf oder die Rückversicherung ihres Portfolios eine sinnvolle Option sein, da sie häufig über keine ausreichende Kapitaldecke verfügen.

Bringen Pensionskassen für Ihr Geschäftsmodell Besonderheiten mit sich? Wie sieht es da mit der Arbeitgeberhaftung aus - oder würden Sie nur Bestände freier Kassen übernehmen?

Wir haben bereits eine Pensionskasse im Bestand und sind offen für die Übernahme weiterer Kassen. Die Arbeitgeberhaftung stellt für uns in der Regel keine Hürde dar.

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