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Politik & Regulierung

Versicherer erneut mit Fehlern bei SFCR-Berichterstattung

Von Florian RömerTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Versicherer mogeln bei den "Solvency and Financial Condition Reports" (SFCR). Die V.E.R.S. Leipzig GmbH hat eine Analyse des narrativen Berichtsteils der SCFR-Reports" vorgenommen: Nach wie vor gibt es trotz tendenziell umfangreicherer Berichterstattung große Qualitätsunterschiede, teilweise werden Pflichtangaben einfach weggelassen. Ein Gastbeitrag von Florian Römer, Analyst, V.E.R.S. Leipzig GmbH.

Nachdem im letzten Jahr bei der ersten Veröffentlichungsrunde den SFCR und deren Ausgestaltung eine stärkere mediale Aufmerksamkeit geschenkt wurde, stand in diesem Jahr vor allem die Entwicklung der SCR-Quoten im Fokus der Medien. Wie schon im Vorjahr hat die BaFin auch in diesem Jahr die Qualität der SFCR bewertet (Bafin Journal September 2018). Sie kommt zu dem Ergebnis, dass das gewünschte Qualitätsniveau noch nicht erreicht ist und erwartet, dass die Berichte weiterhin optimiert werden. Diese Einschätzung der Bafin zeigt, dass es durchaus interessant ist, die Entwicklung der qualitativen Berichterstattung näher zu betrachten und Optimierungspotenziale in der Berichterstattung aufzuzeigen.

 

Nachfolgend werden einige ausgewählte Aspekte aus der Analyse der V.E.R.S. Leipzig GmbH vorgestellt. In die Analyse sind die 90 größten Komposit-, die 60 größten Lebens- und die 30 größten Krankenversicherungsunternehmen Deutschlands eingeflossen.

 

Mehr Umfang aber auch mehr Inhalt?

 

Die Versicherungsunternehmen haben in diesem Jahr ausführlicher berichtet. So ist die Anzahl der durchschnittlich verwendeten Wörter von 18.036 auf 21.457 gestiegen (exklusive QRT). Trotzdem sind die Berichte noch sehr heterogen und unterscheiden sich stark voneinander. So reicht die die Anzahl der Wörter von 7.180 (Minimum, Vorjahr: 6.598) bis 39.497 (Maximum, Vorjahr: 37.950). Hintergrund dieser starken Heterogenität ist, dass die Unternehmen sich zwar an die Pflichtvorgaben der delegierten Verordnung zu Solvency II halten müssen, aber durch die Prinzipienorientierung Freiräume in der Ausgestaltung haben. Wie auch schon im Vorjahr, nimmt der Teil D "Bewertung für Solvabilitätszwecke" den größten Teil ein (27% der Seiten des qualitativen Teils), während weniger ausführlich im Teil E "Kapitalmanagement" berichtet wird (9%).

 

Positiv zu bewerten ist, dass sich in diesem Jahr häufiger an die Pflichtinhalte der Solvency II-Verordnung gehalten wurde. Im vergangenen Jahr gaben z.B. nur 84% im Teil D HGB-Werte zu den Vermögenswerten an. In diesem Jahr gibt es eine leichte Steigerung auf 89%. Auch den Wert des HGB-Eigenkapitals (Teil E) nennen mittlerweile 90% der Unternehmen (Vorjahr: 86%). Hier ist also eine kleine Verbesserung zu erkennen. Dennoch gibt es noch einige Unternehmen die keine quantitativen Angaben machen, obwohl es durch die Verordnung gefordert ist.

 

Eine verbesserte quantitative Berichterstattung ist auch im Teil C "Risikoprofil" zu erkennen. So berichtet ein Großteil der Versicherungsunternehmen in fast jedem Modul auch quantitativ. Nur bei den operationellen Risiken ist kaum eine Verbesserung zu erkennen. Neben einer qualitativen Berichterstattung berichten nur 71% auch quantitativ (Vorjahr: 70%). Einig sind sich die Unternehmen bei der Nennung weiterer wesentlicher Risiken. 90% nennen hier das Reputationsrisiko sowie das strategische Risiko. 5% der Unternehmen sehen neben den Risiken, die das Standardmodell bzw. das eigene interne Modell abbilden, keine weiteren wesentlichen Risiken.

Dieser kleine Einblick in die Ergebnisse des Benchmarkings der V.E.R.S. Leipzig GmbH zeigt, dass auch in diesem Jahr noch kein Branchenkonsens über die Ausgestaltung der narrativen Berichtsteile gefunden wurde. Die Versicherungsunternehmen berichten in unterschiedlicher Tiefe und Breite über die Solvabilität und Risikolage. Es werden verschiedene Aspekte genannt und unterschiedliche Schwerpunkte gesetzt.

 

Es wird sich zeigen, inwiefern, insbesondere mit den Hinweisen, die die BaFin und EIOPA gegeben haben, sich die Berichterstattung der Versicherungsunternehmen ändert. Es ist zwar anzunehmen, dass sich die Berichte mit der Zeit aufgrund der Anforderungen, die die Adressaten an die Versicherungsnehmer stellen, und Best-Practice-Beispielen, immer mehr angleichen werden. Dieser Prozess kann aber einige Jahre in Anspruch nehmen.

 

Eine kostenlose (Teil-)Auswertung der Analyseergebnisse ist für den Branchendurchschnitt abrufbar. Die Analyseinhalte mit unternehmensspezifischen Angaben sind in der Datenbank von solvencyDATA integriert, die in Kooperation mit der ISS Sopra Steria GmbH und der ASSEKURATA Assekuranz Rating-Agentur GmbH betrieben wird. Dort sind neben einer Auswertung des qualitativen Teils auch quantitative Analysen implementiert. Nähere Informationen finden Sie HIER.

Eiopa · Vers Leipzig · SCFR-Berichte
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