Sizilien - Hochburg der Mafia
Sizilien - Hochburg der MafiaQuelle: Bernd Christian Gassner / www.pixelio.de / PIXELIO
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Staat geht gegen Mafia vor und hilft damit auch dem GDV

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Es war eine koordinierte Aktion der Polizei gegen die Mafia. Das Bundeskriminalamts (BKA) koordinierte die Maßnahme, bei der Restaurants, Büros und Wohnungen in Deutschland und weiteren europäischen Ländern durchsucht wurden. Es soll ein Schlag gegen die Geschäfte der Mafia sein, zu der auch Versicherungsbetrug gehört.

Als globale Kriminellen-Organisation ist die Mafia in alle möglichen Verbrechen verstrickt, darunter Klassiker wie Mord, Erpressung, Geldwäsche und Drogen. Aber auch weniger bekannte Aktionen wie das illegale Verschieben von Müll oder das Betrügen im Bereich finanzieller Dienstleistungen gehört zum Repertoire.

 

Wie es funktioniert

 

"Versicherungsbetrug gehört mittlerweile zum Instrumentenkasten des organisierten Verbrechens“, erklärt Kurt Werling, Fachanwalt für Versicherungsrecht aus Ludwigshafen.

 

Der GDV hat ein Beispiel zur Hand, wie das in der Praxis aussehen kann. Einem Mann brannte die Pizzeria ab, eine Woche später wird dort auch noch eingebrochen. Vier Jahre zuvor gab es den Fall bei ihm bereits schon einmal zu bewundern. Brand und Einbruch waren fingiert oder vorsätzlich herbeigeführt, die Versicherung sollte für den Schaden aufkommen, während vor den Auftragstaten die Wertsachen in Sicherheit gebracht wurden.

 

Der vermeintliche Unglücksrabe war seit 1992 bereits an mindestens 14 gestellten Verkehrsunfällen beteiligt, im Jahr 2000 wurde er deshalb zu einem Jahr und sechs Monaten Gefängnis verurteilt – "auf Bewährung wegen einer günstigen Sozialprognose". Anwalt Werling kennt ihn aus seiner Tätigkeit für Versicherer gut, wie der GDV schreibt.

 

Versicherungsbetrug als Mrd.- Einnahmequelle

 

Der oben genannte Fall ist nur ein Beispiel, die Mafia ist bereits seit Jahrzehnten in Deutschland aktiv. "Bereits in den 80er-Jahren haben sich Kriminelle aus den Mafia-Hochburgen in Kalabrien und Sizilien auch bei Versicherungsgesellschaften eine Geldeinnahmequelle von erheblicher Bedeutung verschafft“, erklärt Wolfgang Rahm, Mafia-Experte beim Landeskriminalamt (LKA) in Stuttgart.

 

Meist gehe es um vorgetäuschte Autodiebstähle, fingierte Verkehrsunfälle oder selbst verursachte Brandschäden, die vom Versicherer reguliert werden sollen.

 

In einem Bericht des Landeskriminalamts Baden-Württemberg heißt es bereits im Jahr 2000: "Die Auswertungsergebnisse lassen den Schluss zu, dass sich mutmaßliche Mitglieder italienischer krimineller Vereinigungen enorme Einnahmequellen erschlossen haben, indem sie vorsätzlich Brandversicherungsfälle herbeiführen."

 

Die Aufklärung ist oft schwierig: "Die Täter sind absolute Profis", erklärt Peter Holmstoel vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Der LKA-Beamte Rahm ergänzt: "Die spielen Champions League."

 

Durch Versicherungsbetrug entsteht den deutschen Versicherern jedes Jahr ein Schaden von schätzungsweise bis zu 5 Mrd. Euro. Die Masse entfällt auf alltägliche, unscheinbare Betrügereien im privaten Bereich. Der Schlag des Staates soll diesen und weiteren dunklen Geschäften Einhalt gebieten.

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