Podiumsdiskussion auf dem 12. MCC-Fachforum Unfallversicherung
Podiumsdiskussion auf dem 12. MCC-Fachforum UnfallversicherungQuelle: Monika Lier
Märkte & Vertrieb

Ist die Seele bald unfallversichert?

Von Monika LierTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Ein posttraumatisches Belastungssyndrom ist in der privaten Unfallversicherung genauso ausgeschlossen wie Angststörungen in Folge eines Unfalls. Doch das könnte sich ändern. "Die Änderungen in der gesetzlichen Unfallversicherungen hinsichtlich psychischer Unfallfolgen könnten schon bald auf die private Unfall überschwappen“" sagte Sandra Blome, Director & Partner des Ifa Instituts für Finanz- und Aktuarwissenschaften Ulm, beim 12. MCC-Fachforum Unfallversicherung. "Jetzt haben wir noch eine Zeitspanne, in der wir dies aktiv gestalten können."

Zwar beschäftigt sich der Markt in Ansätzen mit (trauma-) psychologische Unfallfolgen. So leistet beispielsweise die Reha Assist Deutschland GmbH in Rahmen der Gruppenunfallversicherung sowie bei einigen Gesellschaften traumapsychologische Unterstützung, doch in den AUB 2014 (5.2.6.) sind die unfallbedingten seelischen Leiden ausgeschlossen.

Nicola-Alexander Sittaro, Geschäftsführer der VMS Hannover, erwartet indes für den Markt "massive Änderungen, weil psychische Folgen so dominieren, dass man sie aus der Unfallversicherung nicht herausnehmen kann". Seiner Berechnung nach sind zehn Prozent aller psychischen Störungen unfallbedingt. Auch er vertritt die Einschätzung, dass die wachsende Bedeutung seelischer Leider in der gesetzlichen Unfall-, aber auch in der erneuerten Pflegepflichtversicherung die privaten Anbieter unter Druck setzen wird, ihren Unfallbegriff entsprechend zu erweitern.

Bei den Konferenzteilnehmern stieß der Vorschlag auf viel Unmut, werden doch Schwierigkeiten bei der Leistungsprüfung sowie der entstehenden Kosten gesehen. Sittaro meinte dazu: "Der zusätzliche Schadenbedarf sollte bei entsprechenden Leistungsbedingungen zehn Prozent des bisherigen Schadenbedarfs nicht übersteigen." Die Leistungen sollten nur fest definierte Fälle betreffen, in denen dauerhaft die Lebensqualität eingeschränkt sei. 

Vor dem Hintergrund, dass die nach wie vor gut profitable Unfallversicherung nur noch durch das Segment der Kraftfahrtunfall wächst, rät. Reiner Will, Geschäftsführender Gesellschafter der Assekurata Assekuranz Rating-Agentur GmbH, sich ernsthaft mit der Gestaltung auseinanderzusetzen. "Psychische Störungen als Unfallfolgen sind sicherlich ein Thema, aber für die Breite im Vertrieb gibt es nahe liegendere Anlässe - etwa stärker auf das Segment der radfahrenden Älteren zu setzen."

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