Welche Folgen hat der globale Klimawandel?
Welche Folgen hat der globale Klimawandel?Quelle: Rudolpho Duba/ pixelio.de / PIXELIO (www.pixelio.de)
Politik & Regulierung

UN-Gipfel in Kattowitz: Versicherer stoßen durch Klimawandel an ihre Grenzen

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Wie steht es um das zukünftige Klima der Welt? Geht es nach der allgemeinen EInschätzung der Klimaforscher, droht dem Erdball der Hitzekollaps. Um diesen indes noch zu verhindern, wollen die Politiker der Welt in den kommenden zwei Wochen im polnischen Katowice verbindliche UN-Regeln definieren. Doch wie geht die Versicherungswirtschaft künftig mit den entsprechenden Risiken um?
Immerhin: In der Politik scheinen sich die Stimmen nach raschen Maßnahmen zu mehren. "Wir können so tun, als bekämen wir von den katastrophalen Folgen des Klimawandels nichts mit. Aber nichts würde dadurch besser", betonte Entwicklungshilfeminister Gerd Müller jüngst in einem Interview mit der Passauer Neuen Presse. Den Worten ließ der CSU-Politiker zumindest Taten folgen: Ab 2019 will Deutschland seinen jährlichen Beitrag für den Grünen Klimafonds des Vereinten Nationen auf rund 1,5 Mrd. Euro verdoppeln. Und auch die Weltbank will ihr Engagement im Kampf gegen den Klimwandel deutlich ausbauen:  Von 2021 bis 2025 sollen demnach 200 Mrd. Dollar (umgerechnet etwa 177 Mrd. Euro) investiert werden, um vor allem den ärmsten Ländern der Welt zu helfen. 
Doch wie halten es die Versicherer mit dem Klimawandel? "Der Klimawandel findet eindeutig statt und zu einem Teil ist auch der Mensch dafür verantwortlich. Dafür sprechen die physikalischen Eigenschaften sogenannter Treibhausgase wie Kohlendioxid, also schlicht und einfach die Physik des Klimawandels. Der Weltklimarat IPCC sagt, die Erderwärmung, die wir in den über hundert Jahren seit Beginn der Industrialisierung sehen, ist zu über 50 Prozent vom Menschen verursacht", betont Klimaexperte Ernst Rauch gegenüber der Augsburger Allgemeinen. Eine pauschale Aussage darüber, inwieweit der Klimawandel "sich in unserer Schadensentwicklung" zeigen würde, vermochte der Geohphysiker indes nicht zu nennen. Aber: "Wir sehen in unseren Schadensstatistiken, dass die Häufigkeit beispielsweise von Sturm und Überschwemmungen in bestimmten Regionen zugenommen haben. Aber wir sehen auch, dass Haupttreiber der Schadensentwicklung meistens sogenannte sozioökonomische Faktoren sind: die Veränderung der Bevölkerung, von Baumaterialien oder auch, dass heute in den Industriestaaten mehr Menschen direkt am Wasser wohnen, weil dort die Lebensqualität besonders hoch ist", betont der Experte von der Munich Re.
Dennoch machen die Naturkatastrophen der letzten Jahre den Versicherern zunehmend zu schaffen. Allein für den Münchener Rückversicherer summierten sich die Belastungen aus den Naturkatastrophen seit Jahresbeginn auf 559 Mio. Euro (VJ: 3.186). Davon entfielen allein 505 Mio. Euro auf das dritte Quartal 2018 (VJ: 2.965 Mio.). Die größten Schäden verursachten die im September auftretenden Wirbelstürme "Jebi" und "Florence". Taifun "Jebi" brachte dabei laut Rückversicherer schwere Verwüstungen in Japan, Hurrikan "Florence" suchte vor allem die Ostküste der USA heim. Auch den Schweizer Konkurrenten Swiss Re machen die Folgen der Naturkatastrophen zunehmend zu schaffen: Rund 1,2 Mrd. Euro musste der Rückversicherer allein in den ersten neun Monaten für die Folgen von "Florence" & Co. berappen. Dabei dürfte Berechnungen der Munich Re zufolge auch das laufende Jahr 2018 als eines der wärmsten in die Geschichte eingehen. 
Auch in Deutschland machen die Naturgewalten den Versicherern zunehmend zu schaffen: Allein 2,9 Mrd. Euro haben diese im vergangenen Jahr an Schäden verursacht. Davon entfallen auf Schäden an Wohngebäuden, Hausrat, Gewerbe, Industrie und Landwirtschaft rund zwei Mrd. Euro. Für den Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft ist daher klar: "Klimaschutz und die Anpassung an den Klimawandel müssen Hand in Hand gehen. So gibt es etwa bei der Senkung des Energieverbrauchs noch großes Potenzial. Gleichzeitig müssen Gebäude und Infrastruktur vor Extremwetterereignissen besser geschützt werden. Nur der geringste Teil des Gebäudebestandes ist auf Extremwetterlagen wie Hagel, Starkregen und Hangrutsche hinreichend vorbereitet", heißt es in einem aktuellen Positionspapier zur Klimakonferenz in Kattowice.
Und wie reagieren die Versicherer selbst? Laut eines Rankings des Londoner Asset Owners Disclosure Project (AODP) vom Mai dieses Jahres schneiden die deutschen Versicherer bei der Risikomodellierung von Klimaschäden nicht sonderlich rosig ab. Mit Ausnahme der Allianz auf Platz drei (hinter der Aviva und Axa) mit der Note "AA" liegen die Munich Re ("C") und die Hannover Re ("D") lediglich auf Platz 24 und 25. Die Talanx ("D") landet im Ranking gar nur auf Platz 41. 
Lediglich beim Thema Kohleausstieg scheint es - zumindest vordergründig - manch Versicherer dann doch etwas ernster zu sein. So gilt die Kohleförderung als wesentliche Verursacherin von CO2-Emissionen, die wiederum Hauptverursacherin des Klimawandels sind. Immerhin 24 Assekuranzen haben bereits ihren Kohleausstieg angekündigt - allen voran bereits 2015 die französische Axa. Während die europäischen Versicherer indes zunehmend ihr eigenes Umweltbewusstsein entdecken, hinkt die Konkurrenz in den USA beim Thema Kohleausstieg weiterhin deutlich hinterher. So versichern die Konzerne jenseits des Atlantiks auch weiterhin uneingeschränkt Kohleunternehmen, -bergwerke sowie -kraftwerke und investieren ihre Gelder in alle Arten von Kohleprojekten, so ein aktueller Bericht von Unfriend Coal. Für die großen Versicherer ist es jedenfalls alleine durch ihre Marktmacht als Investoren relativ leicht ist, Flagge zu zeigen und Veränderungsprozesse anzustoßen. Sie müssen sich nur ihrer Verantwortung bewusst werden - und diese auch wahrnehmen.
Klimawandel · Klimakonferenz · Munich Re · GDV
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