Handel vor einem Krieg?
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Euler Hermes sieht keinen Handelskrieg ausbrechen

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Der G20-Gipfel in Buenos Aires am Wochenende könnte zum Showdown zwischen den USA und China werden. Trotzdem erwartet der weltweit führende Kreditversicherer Euler Hermes in seiner aktuellen Studie zum Welthandel mit dem Titel "The show must go on" keine Eskalation beim Handelskrieg

Insgesamt sei das Ende des weltweiten Konjunkturzyklus‘ in Sicht. Das wirkt sich auch auf den Welthandel aus. Das Wachstum verlangsamt sich 2019 auf voraussichtlich 3,6 Prozent (2018: 3,8 Prozent). "Die ‚Protektionismus-Show‘ geht allerdings auch 2019 weiter, sagt Ludovic Subran, Chefvolkswirt von Euler Hermes und stellvertretender Chefvolkswirt der Allianz. "Bis einschließlich September haben wir 2018 bereits knapp 300 neue protektionistische Maßnahmen gezählt. Bis zum Jahresende dürfte die Zahl auf rund 400 neue Handelsbarrieren steigen. Das bedeutet aber auch, dass das Spektakel etwas an Dynamik verliert. 2017 waren es noch 560 neue Maßnahmen."

Bei einer Eskalation zum Handelsstreit würde die Weltwirtschaft voraussichtlich 0,5pp an Wachstum einbüßen. Ein Handelskrieg würde ganze 2pp Wachstum beim weltweiten Bruttoinlandsprodukt (BIP) kosten, schätzt Euler Hermes.

Handelskrieg: Amerikanischer Pragmatismus als Helfer?

"Die Kuh ist zwar noch lange nicht vom Eis, aber wir erwarten, dass es nicht zu einem Handelskrieg kommen wird", sagt Subran. "Die USA nutzen in der Vorrunde Drohungen traditionell als Verhandlungsbasis. Das Handelsabkommen ist dann das Endspiel – das haben das umgestaltete NAFTA und das Handelsabkommen mit Südkorea schon gezeigt. Die Einigung verkauft Trump dann geschickt als Sieg, auf dem Weg dorthin macht allerdings auch er Zugeständnisse, nur eben weniger lautstark. Mit den neuen Mehrheitsverhältnissen im Repräsentantenhaus dürften die USA beim Thema Handel eine insgesamt konstruktivere und pragmatischere Haltung einnehmen. Trotzdem darf man gespannt sein auf seine Twitter-Meldungen vom und nach dem G-20-Gipfel."

Risikopotenzial: Handelskonflikt, Brexit und Co.

Die Unsicherheit im Handel ist nicht zuletzt ein Problem für die Wirtschaft. "Die Unsicherheit für Exporteure ist weiterhin hoch", sagt Ron van het Hof, CEO von Euler Hermes in Deutschland, Österreich und der Schweiz. "Sie können sich diesen nicht entziehen, denn der drohende Handelskonflikt ist nicht allein auf den Exportfluren unterwegs – er hat Gesellschaft von zahlreichen weiteren politischen und wirtschaftlichen Schatten. Autozölle geistern wieder umher. Mit der grundsätzlichen Brexit-Einigung ist auch weiterhin unklar, wie die Handelsbeziehungen künftig im Detail aussehen werden. Hinzu kommen große Unsicherheiten in der Türkei und in Italien und Spannungen zwischen einzelnen Golfstaaten. Zu guter Letzt steigen auch noch die globalen Insolvenzen an. Es ist wie im Eagles Song ‚Hotel California‘: Unternehmen können zwar versuchen, angesichts der Risiken auszuchecken, aber eine Abreise ist unmöglich: Die Komplexität holt fast jeden irgendwo ein.“

Deutsche Exporteure und Wirtschaft auf Gewinnerseite beim Welthandel

Euler Hermes geht 2018 von einem Anstieg der weltweiten Insolvenzen um acht Prozent aus und für 2019 um weitere fünf Prozent. Nichtsdestotrotz stehen gerade deutsche Exporteure weiterhin auf der Gewinnerseite im globalen Handel. Hinter China mit zusätzlichen Exporten von bis zu 146 Milliarden, den USA und Indien liegen die Deutschen auf Rang 4 der erwarteten Profiteure: Bis zu 64 Mrd. US-Dollar an zusätzlichen Ausfuhren sind 2019 für sie zu holen.

"Deutsche Unternehmen profitieren von dem weiterhin stabilen Welthandel – sowohl bei Exporten als auch bei Importen“, sagt Van het Hof. Das ist auch eine gute Nachricht für die Transportbranche und die Umschlagplätze wie beispielsweise den Hamburger Hafen, über den ein Großteil der Warenströme aus und nach Übersee läuft. Sowohl Transportbranche als auch Schifffahrt können aktuell gute Nachrichten gebrauchen – Verschuldung, Margendruck und Kreditrisiken sind hier unverändert hoch."

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