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Schlaglicht

Ohne Tempolimit: Versicherer haben gelernt, die richtigen Schlüsse aus ihren Fehlern zu ziehen

Von Michael StanczykTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Die großen Strategie-Wochen der Versicherer neigen sich heute mit dem „Update“ der Allianz dem Ende zu. Zuvor haben Big-Player wie Generali, Axa oder die Munich Re offen dargelegt, wie die Geschäfte laufen und wo Luft nach oben herrscht. Dass es den Unternehmen insgesamt gut geht, hat man vor allem sich selbst zu verdanken. Mitten im Umbruch gelingt es der Branche immer besser, neuralgische Punkte offen zu benennen sowie beherzte Antworten in Strategie und Inhalt darauf zu finden. Das Verpasste ist aber noch nicht aufgeholt.

Die interne Stimmung 2018 war gut, 2019 wird sie gut werden, heißt es aus Expertenkreisen. „Wenn ich mir beispielsweise die Solvenzquoten der Versicherer anschaue, dann würde ich sagen, dass die Branche unter dem Strich ziemlich gut dasteht“, stellt Frank Grund, Exekutivdirektor der Versicherungsaufsicht bei der Bafin, fest.

 

Es ist viel in Bewegung. Dennoch scheinen die Versicherer den Balanceakt zwischen Erneuerung und Gewinneffizienz gut zu meistern.

 

Da wäre etwa die Munich Re, die ihre Mitarbeiter verstärkt in Data Analytics schult und sichtlich bemüht ist, digitale Bausteine in das traditionelle Geschäft zu integrieren. Schon heute beschäftigt man etwa mehr als 200 Datenspezialisten, über 300 Mitarbeiter arbeiten im Bereich Innovation.

 

Bei einem Journalistentreffen für die Jahre 2019 und 2020 zeigte sich der Rückversicherer zuversichtlich. Mit dem erwarteten Gewinn habe der Versicherer einen seit vier Jahren andauernden Abwärtstrend gebrochen, sagte Munich-Re-Chef Joachim Wenning. Man habe die Geschäftschancen, auch in neuen Feldern wie der Cyber-Versicherung, genutzt. Bis zum übernächsten Jahr soll der Gewinn auf rund 2,8 Milliarden steigen. Der Plan könnte aufgehen.

 

„Die Branche wird schrumpfen“

 

Obwohl das Vorgehen der Versicherer von außen kritisch bewertet wird, urteilen die Unternehmen positiv über ihre bislang erzielten Fortschritte, mit Blick auf künftige Entwicklungen sei man guter Hoffnung, heißt es aus konzerninternen Kreisen. Auch die Start-up- und Insurtech-Szene hätte ihren Anteil daran, sie halte traditionelle Versicherer auf Trab und treibe Innovation voran.

 

„Es hat etwas gedauert, bis Versicherungsunternehmen und Insurtechs, Fintechs und Start-ups erkannt haben, dass sie keine Konkurrenten sind. Wir können sehr gut voneinander profitieren, wenn wir die jeweiligen Stärken des anderen kennen und gegenseitig nutzen“, erklärt VKB-Vorstandsvorsitzender Frank Walthes.

 

Dass die Digitalisierung von den Versicherern mittlerweile ernst genommen wird, steht außer Frage. Selbst kleine Mittelständler starten ihre eigenen Digitalprojekte, sagt Viktor Becher von Getsurance. Nun müssten die Versicherer den Anforderungen der Generation Y entsprechen. Anbieter wie Dropbox oder Youtube haben junge Kunden daran gewöhnt, dass sie hochwertige Produkte gratis nutzen können und nur bei Bedarf für Extraleistungen zahlen.

 

Konzernlenker wie Allianz-Boss Oliver Bäte oder Axa-CEO Thomas Buberl indes machen sich stark für ein besseres digitales Image der Versicherungswirtschaft. Ersterer wurde wohl auch deshalb langfristig im Unternehmen gehalten.

 

Die finanziellen Ziele, die Bäte dem Konzern bei seinem Amtsantritt vor drei Jahren präsentiert hatte, sind fast alle erreicht. Die Eigenkapitalrendite liegt mit 13,8 Prozent nach neun Monaten sogar über dem Ziel von 13 Prozent. Einhalten wird Bäte wohl auch sein Versprechen, den Gewinn pro Aktie um jährlich durchschnittlich fünf Prozent zu steigern. Grund sind strategische Kniffe wie Aktienrückkäufe, aber auch die Steuerreform in den USA. Der Kurs zum operativen Jahresgewinn von rund 11,1 Mrd. Euro stimmt.

 

Der Einsatz der Versicherer ist hoch, der Wettbewerb schwierig. Und trotzdem heißt die oberste Prämisse, noch schneller zu wachsen als bisher. 

Strategien und Stoßrichtung der Insurance-Industrie stimmen – auch wenn die damit verbundenen Schwierigkeiten manchmal stärker in den Vordergrund rücken als daraus resultierende Geschäftsperspektiven.

 

Es lässt sich nicht verbergen, dass sich der Zeitgeist verändert und den Versicherern zusetzt. Die Generation Y etwa legt weniger Wert auf Vorsorge, Tech-Giganten wie Amazon und Google planen den Angriff, Künstliche Intelligenz nimmt Versicherern Arbeit ab. „Die Branche wird schrumpfen. Versicherer müssen sich in agile Softwareunternehmen wandeln. Den meisten wird das nicht gelingen“, sagt Becher.

 

Was also bleibt von Gesellschaften übrig? Viel, vorausgesetzt der Wandel in einer ganzen Unternehmenskultur wird angenommen.

 

Mehr zu den strategischen Perspektiven der Versicherer lesen Sie ab Dezember in der neuen Versicherungswirtschaft.

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