Joachim Wenning, Munich Re
Joachim Wenning, Munich ReQuelle: Munich Re
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"Einen Notch konservativer": Munich-Re-Chef Wenning schraubt Erwartungen herunter

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Zwischen 2,1 bis 2,5 Milliarden Euro: In diesem Ergebniskorridor wird sich die Munich Re dieses Jahr bewegen. Durch die kalifornischen Brände wird allerdings eher der untere Teil der Spanne erreicht. Man sei „einen Notch konservativer", erklärte Konzernchef Joachim Wenning bei einem Journalistentreffen in München. Aus dem Iran-Geschäft indes steigt das Unternehmen auf Druck der USA aus.

Die Ankündigung Wennings mit Blick auf das Jahresergebnis kommt überraschend. Zuletzt machte sich Hoffnung auf einen höheren Gewinn breit. Immerhin hatte der Rückversicherer nach sechs Monaten bereits einen Gewinn von 1,6 Mrd. Euro erreicht, im Zeitraum von Januar bis September waren es sogar schon 2,038 Milliarden.

 

„Im Lichte der Schadenentwicklung im vierten Quartal wollen wir den Mund nicht zu voll nehmen", zitiert der Nachrichtensender NTV Vorstandschef Wenning. Er bekräftigte zwar das Ziel, in diesem Jahr auf einen Nettogewinn von 2,1 bis 2,5 Milliarden Euro zu kommen. Doch belasten Schadenereignisse wie die Brände in Kalifornien, schwere Stürme in den USA und in Japan das Geschäft im Jahresendspurt.

 

Die Brände in Kalifornien kosteten Versicherer und Rückversicherer nach Schätzungen von Experten mehr als zehn Milliarden US-Dollar, einige gingen sogar von 15 Milliarden Dollar und mehr aus.

 

Bei der Munich Re werde laut NTV wohl ein niedriger, vielleicht auch ein mittlerer dreistelliger Millionenschaden hängenbleiben, sagte der Vorstandschef. Eine genauere Schätzung sei nicht möglich. Die Versicherungsdichte gegen Feuer sei in Kalifornien aber sehr hoch.

 

Auch die in den vergangenen Wochen abbröckelnden Aktienkurse belasteten die Gewinne. Noch allerdings habe der Dax-Konzern Gestaltungsspielräume.

 

Für die Jahre 2019 und 2020 bleibt die Munich Re zuversichtlich. Mit dem erwarteten Gewinn habe der Versicherer den seit vier Jahren andauernden Abwärtstrend gebrochen, sagte Wenning. Er habe die Geschäftschancen, auch in neuen Feldern wie der Cyber-Versicherung, genutzt. Bis zum übernächsten Jahr soll der Gewinn auf rund 2,8 Milliarden steigen.

 

Insgesamt kommt der Konzern mit dem Umbau planmäßig voran. Schon heute beschäftigt man etwa mehr als 200 Datenspezialisten, über 300 Mitarbeiter arbeiten im Bereich Innovation. „Wir schulen unsere Mitarbeiter in Data Analytics. Wir integrieren digitale Bausteine in unser traditionelles Geschäft. Gleichzeitig entwickeln wir völlig neue, digitale Geschäftsmodelle, etwa im Bereich Internet der Dinge. Wir sind globaler Marktführer im dynamisch wachsenden Markt für Cyberversicherungen“, erklärte der Manager noch im Sommer gegenüber der Versicherungswirtschaft.

 

„Wir investieren massiv in die Digitalisierung von Ergo und arbeiten daran, Kunden, die je nach Situation online, telefonisch oder persönlich in einer Filiale betreut werden wollen, ein schnittstellenfreies, modernes Kundenerlebnis zu bieten.“

 

Das scheint sich auszuzahlen. Tochter Ergo soll gegenwärtig leicht über den Erwartungen liegen. Erst vor wenigen Wochen wurde die Ergebnisprognose der Düsseldorfer Tochter auf 350 Millionen Euro für dieses Jahr angehoben

 

Aus Geschäften mit Russland und dem Iran indes will der Rückversicherer wegen der US-Sanktionen aussteigen. „Wir haben in den USA mehr zu verlieren als im Iran zu gewinnen", glaubt Wenning. In den beiden Ländern lägen die jährlichen Prämieneinnahmen jeweils bei Beträgen von maximal 30 Millionen Euro. Die USA sind für die Rückversicherung der weltweit größte Markt.

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