Energiegewinnung im Abendlicht. Die Technik von gestern?
Energiegewinnung im Abendlicht. Die Technik von gestern?Quelle: Kai Tholen  / www.pixelio.de / PIXELIO
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Deutschland verliert Spitzenplatz bei erneuerbaren Energien – Allianz ruft Versicherer zur Klimapolitik auf

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Frankreich verdrängt Deutschland von der Spitzenposition als attraktivster Markt für Investitionen in erneuerbare Energien auf den zweiten Rang. Das zeigt der Allianz Klima- und Energiemonitor 2018. Die Münchener verfolgen eine Umweltstrategie und wollen, das andere Versicherer mitmachen.

Der Bericht untersucht, wie gut das Investitionsklima der G20-Staaten für regenerative Energieprojekte ist und welcher Kapitalbedarf vorliegt, der Berichtszeitraum ist das Jahr 2017. Europa schlägt sich gut: Frankreich ist derzeit vor Deutschland führend, mit Großbritannien auf Rang drei und Italien auf Rang vier führen die europäischen Märkte die G20-Staaten an.

 

Wie wichtig Klimapolitik ist, weiß Katharina Latif, Leiterin Corporate Responsibility der Allianz Gruppe: "Der Infrastrukturausbau für Solar- und Windenergie gilt als wichtigster Erfolgsfaktor für die Einhaltung der Pariser Klimaziele. Die Risiken des Klimawandels können nur gemeinsam von engagierten Regierungen, Unternehmen und der Zivilgesellschaft abgefedert werden."

 

Wollen die Länder Klimaschutz?

 

Laut Monitor müssten alle G20-Länder wesentlich mehr in erneuerbare Energie investieren, um die Erderwärmung auf deutlich unter zwei und möglichst 1,5 Grad Celsius zu begrenzen. Dazu wären für alle 19 Staaten bis 2050 jährliche Investitionen in den Stromsektor in Höhe von rund 886 Milliarden US-Dollar notwendig. Zusätzlich müssten die Länder ambitionierte, beständige und transparente Langfriststrategien für eine vollständige Dekarbonisierung umsetzen. Bislang hat nur Großbritannien eine solche Klimastrategie verabschiedet. Deutschland, Frankreich und Brasilien haben als einzige G20-Staaten kurzfristige Ziele für erneuerbare Energien entwickelt.

 

In Brasilien stehen Umweltziele allerdings wohl nicht mehr ganz oben auf der Agenda. Innerhalb eines Jahres wurde auf einer Fläche von mehr als einer Million Fußballfelder Regenwälder abgeholzt. Der neu gewählte Präsident Jair Bolsonaro hat bereits angekündigt, weitere Flächen zur Abholzung freizugeben.

 

Saubere Energie ist möglich

 

In vielen bedeuteten Ländern Europa ist Umweltschutz und saubere Energie marktkonform erreichbar. "Die erneuerbaren Energien in Frankreich, Deutschland und Großbritannien profitieren von stabilen Markt- und Investitionsbedingungen sowie von einem größtenteils positiven Politik-umfeld", erläutert Co-Autor Professor Niklas Höhne von NewClimate Institute die Ergebnisse des Allianz Klima- und Energiemonitors. Allerdings gäbe es auch bei den Bestplatzierten noch ungenutztes Potenzial: Frankreichs Ausschreibungen für neue Anlagen sind zum Beispiel oft zu niedrig dotiert und der Solarenergiemarkt in Großbritannien sein nach politischen Reformen rückläufig.

Auch in den meisten anderen G20-Staaten haben sich die Investitionsbedingungen für erneuerbare Energien im vergangenen Jahr grundsätzlich verbessert. Schwellenländer wie China und Indien bieten stabilere Rahmenbedingungen für Kapitalgeber als im Vorjahr.

 

Mehr Investitionen in Deutschland nötig

 

Als Zweitplatzierter weist Deutschland mit 34 Prozent im Jahr 2017 einen im internationalen Vergleich hohen Anteil erneuerbarer Energien im nationalen Strommix auf. "Die Zubau-Raten bei Wind- und Solarenergie haben im Jahr 2017 zugenommen. Mit der Umstellung von festen Fördersätzen auf ein Auktionssystem ist aber auch das Volumen an zubaubaren Mengen reduziert worden. Daher erwarten wir für 2018 nahezu eine Halbierung der Investitionen bei der Windenergie", erläutert Jan Burck von Germanwatch, Co-Autor des Monitors.

 

Es hänge maßgeblich von Zeitpunkt und Umfang der angekündigten zusätzlichen Auktionen für neue Wind- und Solaranlagen ab, ob Deutschland seine Position in der Spitzengruppe halten kann. Die neu installierte Windkraft-Kapazität stieg von 5.000 Megawatt (MW) im Jahr 2016 auf knapp 6.300 MW im Folgejahr, die Kapazität der Solarenergie nahm um rund 200 MW auf knapp 1.700 MW zu. Insgesamt flossen in Deutschland rund 14,6 Milliarden US-Dollar in den Ausbau alternativer Energien. Zum Erreichen der Klimaziele im Stromsektor wird jedoch eine jährliche Summe in Höhe von rund 22,2 Milliarden US-Dollar benötigt.

 

Die USA sind in der Rangliste um zwei Plätze auf den neunten Rang gefallen. Die Autoren sehen hierfür die Schritte der Regierung im Bereich der erneuerbaren Energien wie zum Beispiel Importzölle auf Solarzellen als wesentliche Ursache. Im Jahr 2017 wurden in den USA rund ein Drittel weniger Wind- und Solaranlagen gegenüber dem Vorjahr installiert.

 

Versicherer können helfen

 

Auch Versicherungsunternehmen können laut dem Bericht dabei helfen, Investitionsbedingungen für erneuerbare Energien zu schaffen. Die Branche könnte mit ihren langfristigen Investitionsstrategien und ihrer Expertise im Risikomanagement bei der Transformation eine zentrale Rolle spielen.

 

Die Allianz hat sich als eines der ersten Versicherungsunternehmen langfristige Klimaziele gesetzt, die an das Zwei-Grad-Ziel des Pariser Klimaabkommens geknüpft sind. Auch andere Versicherer steigen aus der Kohle aus, mehr oder weniger vollumfänglich – VWheute hat die Gründe analysiert.

 

Zur Studie

 

Der Allianz Klima und Energie Monitor vergleicht die 19 Mitgliedsstaaten der G20, somit ohne die Europäische Union, hinsichtlich ihrer Attraktivität für Investitionen in eine emissionsfreie Energie-Infrastruktur. Zudem berechnet er den momentanen und künftigen Investitionsbedarf – davon ausgehend, dass das Temperaturlimit des Pariser Klimaabkommens von 1,5 Grad Celsius beziehungs-weise deutlich unter zwei Grad Celsius eingehalten werden soll. Die Analyse wird von der Allianz, NewClimate Institute und Germanwatch im dritten Jahr aufgelegt.

 

Mehr Informationen finden Sie HIER und HIER.

Allianz · Umweltpolitik · Klimapolitik
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