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Cologne Fine Art 2018 zeigt Zukunft der Kunstversicherung

Von Philipp ThomasTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Retro Schick in Köln: Auf der Cologne Fine Arts Messe (CoFA) konnten sich Besucher eine Generation zurückversetzt fühlen. An wilder contemporay art war fast nichts zu sehen, dafür beherrschten längst verstorbene Künstler der klassischen Moderne die Szene. Anders sieht die Sache bei der Kunstversicherung aus, an dieser Stelle gibt es durchaus Neues.

Neben bekannten Künstlern wie Renoir, Braque und Picasso, konnten auch einstige pornographische Schocker von Tom Wesselmann das Interesse von Interessierten und Besuchern wecken. Ansonsten zeigten viele Stände Genageltes und Nagel-Grafiken von Günther Uecker und Grafik von Eduardo Chillida. Auch Collectibles gab es in großer Menge: afrikanische und ozeanische Stücke, japanische Netskes, Holzschnitte und Schwerter und vieles mehr.

 

Und die Kunstversicherung?

 

Im Bereich Kunstversicherung und -finanzierung gibt es einige interessante Neuigkeiten:

 

Seit Jahren schon laufen Versuche, einem breiteren Investorenpublikum via Kunst-Fonds sowie die Verbriefung einzelner Objekte die Möglichkeit einer Portefeuille-Diversifikation in Richtung Kunst und Collectibles zu ermöglichen. Vorgeprescht ist nun die chinesische and der Nasdaq börsennotierte Yulong Eco-Materials mit einem eigenen split-art Modell. Sie hatte bereits einen angebliche 50 Mio. US-Dollar werten Saphir über eine leere Gesellschaftshülle börsennotiert und wiederholt dies mit einer Crucificzione des Michelangelo aus dem 16. Jahrhundert, die 75 Mio. US-Dollar wert sein soll. Man fragt sich, woher in diesem Geschäftsmodell der Gewinn für den Initiator fließen mag. Möglicherweise aus Rückvergütungen des Verkäufers sowie des Auktionshauses, über das die Ware eingekauft wurde.

 

Nach wie vor herrscht insbesondere bei Kunstfinanzierern, oft unregulierte Häuser großes Interesse an Provenance-Deckungen, die den sich aus möglichen Restitutionen ergebenden Schaden kompensieren. Dieses Thema verschärft sich noch aufgrund der gerade von der französischen Regierung konzedierten Restitution aller afrikanischen Kunst, die französische Museen in der Periode 1880 bis 1960, also zum Ende des Kolonialismus erreichte. Das Quai Branly-Museum in Paris dürfte zigtausende Werke zurückgeben müssen. Insbesondere das belgische Kolonialmuseum wird sich alsbald ähnlichen Forderungen ausgesetzt sehen, private Sammler dürften später unter Druck geraten. Denkbar ist, dass mancher afrikanische Staat die zurückerhaltenen Werke nicht eigenen Museen zuordnen, sondern veräußern wird, was den Kunstmarkt unter Druck setzen könnte.

 

Unklar bleibt, in welcher Form der Londoner Markt post Brexit als Rückversicherer für die von ihm dominierten fine art risks zur Verfügung stehen wird. Eine Verknappung des dortigen Kapazitäts-Angebots könnte dem derzeit wenig kommerzielle Prämien verlangenden EU 27 Erstversicherungsmarkt zu drastischen Prämienerhöhungen verhelfen, andererseits aber den Ruf nach Staatsgarantien als Surrogat für die private Versicherung von Ausstellungsgut lauter werden lassen. Hiscox jedenfalls hat durch Gründung einer EU27 Gesellschaft in Luxembourg vorgesorgt. Diese zediert ihre Rückversicherung anders als Lloyd’s Bruxelles nicht nach London, wo die regulatorische Äquivalenz fraglich sein könnte, sondern in die Bermudas.

 

Derzeit beginnt die Integration der fine art Aktivitäten von Axa und XL. Kai Kuklinski, Axa Art’s CEO,wird zum Jahresende die Vertriebszuständigkeit bei Axa Deutschland übernehmen. Weiterhin mach sich bemerkbar, dass die Allianz im Kunstgeschäft um einiges dezidierter auftritt.

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