Alexander Vollert auf der Insurance Summit in München. (Quelle: Alexander Kaspar)
Alexander Vollert auf der Insurance Summit in München. (Quelle: Alexander Kaspar)
Märkte & Vertrieb

Wo steht die Versicherungswirtschaft 2030 - Grund, Arnold und Vollert wissen es

Von Alexander KasparTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Wie sieht die Versicherungswirtschaft im Jahr 2030 aus? Die Antwort auf diese Frage beschäftigt nicht nur die rund 200.000 Beschäftigten, sondern die gesamte Finanzwirtschaft. Antworten gaben auf der Insurance Summit Alexander Vollert, CEO von Axa Deutschland, Frank Grund, Bafin Exekutivdirektor, Jörg Arnold, CEO der Swiss Life Deutschland, Michael H. Heinz, Präsident des BVK, und Allianz-Chef Oliver Bäte.

Den Auftakt machte Alexander Vollert, der sich vorgenommen hat, die Axa zu einem "empathischen Technologie-Konzern" umzubauen. Gelingen soll dies unter der Prämisse, die Produkte so einfach wie möglich zu gestalten und grundsätzlich handy-tauglich zu organisieren. Das Ziel ist der volldigitalisierte Wertschöpfungsprozess, dem auch die interne Struktur angepasst wird. Im Hause Axa werden Büros und feste Arbeitsplätze aufgegeben, die Teams sollen sich zukünftig in kleineren Einheiten selbst organisieren, auf Papier wird verzichtet und möglich ist auch die Arbeit von zu Hause aus. Angst vor den Internetgiganten hat Vollert nicht, er strebt aber bei Bedarf intelligente Partnerschaften mit einzelnen Playern an. Auch bei der Axa sieht man als Hauptherausforderung den Kampf um die Kundenschnittstelle, der zunehmend härter geführt werden wird.

Im anschließenden Interview mit Swiss Life-Chef Jörg Arnold zur Fragestellung "Quo vadis, Finanzberatung" forderte Arnold mit Blick auf die Regulatorik, dass für die bestehenden Unternehmen keine strengeren Regeln gelten dürfen als für Start-up-Firmen. Die Regulatorik sei wichtig, doch müsste auch die Stabilisierungsfunktion, die die Branche in der Vergangenheit immer wieder ausgezeichnet habe, bei den Plänen von Bafin und Gesetzgeber berücksichtig werden. Konzediert wurde, dass der Ruf der Finanzberater nicht der beste sei, aber mit mehr Qualität Vertrauen zurückgewonnen werden kann. Dann löst sich vielleicht auch das Nachwuchsproblem, den Verbände wie der BVK beklagen.

 

Qualitätsberatung als Differenzierungsmerkmal sei das Gebot der Stunde, bekannten in der anschließenden Podiumsdiskussion alle Teilnehmer unisono. Blutdrucktreibendes Thema war einmal mehr der Provisionsdeckel beziehungsweise ein Provisionsverbot. Angeblich sollen mit diesem Instrument Fehlanreize in der Finanzberatung vermieden werden, doch laut Untersuchungen ist die Auswirkung eines Provisionsdeckels auf die Kundenrendite kaum messbar. Zudem zeigt das Beispiel Großbritannien, dort gibt es ein Provisionsverbot, das nur noch 20 Prozent überhaupt eine Finanzberatung erhalten.

Diese koste dann noch dreimal mehr als früher und große Bevölkerungsgruppen, die mit dem Thema Altersvorsorge besonders angesprochen werden sollen, könnten sich eine fachgerechte Beratung gar nicht mehr leisten. "Wer will denn überhaupt einen Provisionsdeckel?", fragte Michael H. Heinz mit Blick auf Gerhard Schick, MdB von Bündnis90/Die Grünen. Mehr Qualität und weniger Ideologie sei das Gebot der Stunde, zeiget sich die Runde überzeugt.

 

Die Bafin spricht

Bafin-Direktor Frank Grund sagte zur Rolle der Aufsicht, die Bafin wolle Schiedsrichter auf einem "level playing field" sein, aber die Regeln nach denen gespielt werde, lege Berlin fest. Außerdem sei es nicht die Aufgabe der Bafin, den bestehenden Markt zu konservieren. Eine Bevorzugung kleinerer und neuerer Unternehmen über geringere Auflagen sah der Exekutivdirektor nicht, "Start-ups werden nicht in einer Sandbox gehätschelt", so Grund weiter. Auch bei der Bafin rechnet man nicht damit, dass eines Tages Tech-Giganten wie Amazon als Versicherer auftreten. Für das nächste Jahr kündigte Grund eine Digitalstrategie der Bafin an.

"Geschäftsmodelle neu denken", das hat sich der deutsche Marktführer Allianz mit CEO Oliver Bäte auf die Fahnen geschrieben. Eine direkte Gefahr, die von den Big Four Tech Companies (Google, Apple, Facebook und Amazon/GAFA) ausgeht, sieht man bei der Allianz zwar nicht, aber indirekt über die Besetzung der Kundenschnittstellen doch.

Vereinfachung ist auch bei der Allianz ein wichtiger Hebel zur Steigerung der Profitabilität wie der Effizienz. So werden zukünftig alle Produkte global entwickelt und Synergien, die sich aus der internen Produktstruktur ergeben zur Vereinheitlichung genutzt. Wie dies konkret aussehen wird entfaltete der CEO in seinem mit Spannung erwarteten Vortrag. Hier im Video.  
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