v.l.n.r. Michael Diekman, Oliver Bäte, Henning Schulte-Noelle
v.l.n.r. Michael Diekman, Oliver Bäte, Henning Schulte-NoelleQuelle: Allianz
Schlaglicht

Oliver der Outperformer: Warum Bäte bei der Allianz unantastbar ist

Von Michael StanczykTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Kommentar. Der Aufsichtsrat der Allianz SE hat die erneute Bestellung von Oliver Bäte zum Vorsitzenden des Vorstands vorzeitig beschlossen und seinen Vertrag bis Ende September 2024 verlängert.“ So unaufgeregt sachlich lief diese Personalie Freitagmorgen über die Ticker der Redaktionen. Keine Emotionen, nur Fakten. Dabei ist die strategische Wucht der Information doch immens. Es ist ein klares Bekenntnis für einen Top-Manager, der den Tanker Allianz in den vergangenen Jahren mächtig durcheinandergewirbelt hat. Es ist aber auch ein Machtwort gegen kritische Stimmen von innen. Bäte hat es allen gezeigt. Sein Deal mit dem Chinesen, als erster ausländischer Versicherer im Land eigenständig aktiv zu sein, ist ein "Meilenstein".

"Unter der Führung von Herrn Bäte hat sich die Allianz in den vergangenen drei Jahren sehr gut entwickelt. Der Aufsichtsrat ist überzeugt, in ihm den richtigen Vorstandsvorsitzenden auch für die vor uns liegenden Herausforderungen zu haben", lobt Michael Diekmann, Vorsitzender des Aufsichtsrats und ehemaliger Boss, seinen Nachfolger.

 

Oliver Bäte seinerseits bedankt sich für die Blumen im klassischen McKinsey-Stil, also in Form von Ergebnissen. Das nämlich ist die große Stärke des Managers, der polarisiert, aneckt, manchmal über die Strenge schlägt, aber immer der Linie treu bleibt, das große Ganze dem Einzelinteresse vorzuziehen.

 

Wenn also wieder Kritik an der Renewal Agenda , der digitalen Strategieumsetzung oder den roten Turnschuhen aufkommt, wischt sie Bäte unaufgeregt zur Seite – und  performt weiter. Die McKinsey-Zeiten haben ihn geprägt.

 

Die finanziellen Ziele, die der Top-Manager dem Konzern bei seinem Amtsantritt vor drei Jahren präsentiert hatte, sind fast alle erreicht. Die Eigenkapitalrendite liegt mit 13,8 Prozent nach neun Monaten sogar über dem Ziel von 13 Prozent. Einhalten wird Bäte wohl auch sein Versprechen, den Gewinn pro Aktie um jährlich durchschnittlich fünf Prozent zu steigern. Grund sind strategische Kniffe wie Aktienrückkäufe, aber auch die Steuerreform in den USA. Der Kurs zum operativen Jahresgewinn von rund 11,1 Mrd. Euro stimmt.

 

Und nun der Durchbruch in China: Als erster ausländischer Versicherer darf der Münchner Branchenriese in China eine Holding gründen, an der kein einheimisches Unternehmen beteiligt ist. Die chinesische Banken- und Versicherungsaufsicht gab der Allianz am Sonntag dafür grünes Licht. Gegründet werden soll die China-Holding, die mit eigenem Kapital ausgestattet werden muss, im kommenden Jahr. Der Schritt folgt dem Versprechen der chinesischen Regierung, ausländischen Firmen den Zugang zur Wirtschaft des Landes nach und nach zu öffnen. Durch den Deal ist die Allianz erst das zwölfte ausländische Finanzinstitut in dem riesigen Land.

 

"Gemeinsam mit meinen Kolleginnen und Kollegen werde ich alles daransetzen, dass die Allianz auch in Zukunft erfolgreich ist", verspricht Bäte. Das muss man ihm abnehmen. Denn der gebürtige Bensberger hat bewiesen, dass er den Abreibungskampf im historischen Münchener Konzern gut handeln und immer wieder Überraschungsmomente erzeugen kann. Kommenden Freitag wird er ein Strategie-Update vorstellen, vielleicht im roten Poloshirt.

 

Vor knapp zwei Monaten berichtete ich über den Erfolgsmenschen Bäte und die große strategische Schattenseite seiner bisherigen Führungszeit. Das Kernthema Digitalisierung kommt  schwer in die Gänge, die Belegschaft zieht nur schleppend mit, Stimmen über Ängste vor dem Jobverlust kommen immer wieder auf.

 

Dass am 30. November eine Abkehr vom bisherigen Weg angekündigt wird, ist dennoch nicht zu erwarten. Nicht nur, weil ein Update, eine Aktualisierung, angekündigt wurde, sondern weil es Aufsichtsrat, Management und Führungsgremien gefällt, die Allianz strahlen zu sehen - und das soll auch so bleiben.

 

"Wir brauchen keine Akquisition und müssen nicht alles wegschmeißen, weil der Konzern aus sich selbst heraus enormes Potenzial hat", sagte Bäte auf dem Handelsblatt Insurance Summit.

 

Vielleicht ist es ja das, das man in München so an ihm schätzt. Er hat dem Konzern ein neues, im Vergleich zu früher vielleicht etwas lauteres, aber durchaus gesundes Markt- und Selbstbewusstsein gegeben.

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