Giovanni Liverani, Deutschlandchef der Generali
Giovanni Liverani, Deutschlandchef der GeneraliQuelle: Marin Winkel
Schlaglicht

Deutschlandchef Liverani verteidigt den Run-off der Generali Leben

Von Martin WinkelTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Giovanni Liverani, CEO der Generali Deutschland, ist sich sicher alles richtig gemacht zu haben. Der Verkauf von 90 Prozent seiner Lebensversicherungs-Tochter an Viridium sei eine verantwortungsvolle Reaktion auf die Herausforderung der ultraniedrigen Zinsen im Kapitalmarkt gewesen - denn der spezialisierte Runoff-Dienstleister könne damit besser umgehen. 

Auf dem gemeinsam vom Handelsblatt und Euroforum organisierten Strategiegipfel "Insurance Summit" in München wies Liverani früher geäußerte Vorwürfe zurück, Generali habe das Vertrauen seiner Kunden missbraucht. Kein Kunde sei durch den Transfer schlechter gestellt, alle garantierten Leistungen würden bis zum letzten Tag und zur letzten Police ausbezahlt, versichert Liverani. Mit dem im Juli 2018 unterzeichneten Vertrag hat Generali 90 Prozent seiner Leben-Tochter an die Viridium-Gruppe, ein Gemeinschaftsunternehmen der Hannover Rück und Finanzinvestor Cinven, veräußert. Generali hält noch zehn Prozent der Gesellschaft. Die Übertragung ist Teil der Neuorientierung der Generali-Gruppe in Deutschland und dient dem Ziel einer optimierten Kapitalrendite. Lebensversicherungs-Portfolien benötigen seit Einführung von Solvency II hohe Summen an Risikokapital für das Risiko weiter sinkender Zinsen.

Der Verkauf setze Liquidität, Kapital und Ressourcen frei, um neue zukunftsweisende Produkte für die "vergessene Generation" anzubieten, freut sich Liverani. Diese bräuchten Versicherungen, die unter ökonomisch veränderten Bedingungen nachhaltig seien. Deutliche Kritik am Verkauf von LV-Policen äußerte Gerhard Schick, Bundestagsabgeordneter und Vorstand der "Bürgerbewegung Finanzwende": "Man kann nicht einerseits mit lebenslangem Vertrauen werben, und gleichzeitig Policen verkaufen." Auch 52 Prozent der Teilnehmer auf dem Handelsblatt Insurance Summit waren bei einer spontanen Abstimmung der Ansicht, dass Runoff von Lebensversicherungs-Portfolien der Branche schade. Zur "Neuerfindung" der Generali in Deutschland gehöre außerdem ein neues Betriebsmodell, so Liverani. Die Gesellschaft solle in einer neuen Struktur mutiger werden und beispielsweise Datenbestände für Entwicklung noch weiter ausdifferenzierter Produkte nutzen. Ein weiterer Teil der "neuen" Generali sei eine andere Vertriebsstrategie. Mit der Beteiligung am Finanzvertrieb DVAG habe Generali einen starken zusätzlichen Partner, erklärt Liverani.

Tech-Unternehmen gefährden direkten Kundenbeziehung der Versicherer

Tech-Unternehmen sind nur an der Kundenbeziehung interessiert, nicht an einer Versichererlizenz
Mario Greco, Vorstandsvorsitzender der Zurich

Mario Greco, CEO der Zürich-Gruppe, meint, dass vor allem das sich ändernde Kundenverhalten eine Herausforderung für die Versicherer darstelle. Greco glaubt zwar nicht, dass Tech-Unternehmen Versicherer gründen würden. Denn "Tech-Unternehmen sind nur an der Kundenbeziehung interessiert, nicht an einer Versichererlizenz", vermutet Greco. Das Risiko für seine Branche liege vielmehr darin, dass Versicherer zu reinen Lieferanten verkämen, wenn Tech-Unternehmen die Kundenbeziehung und damit den Vertriebskanal dominierten, meinte Greco. Sieger im Wettbewerb werde der Versicherer mit der stärksten Marke, der die rationalen, emotionalen und erlebnisorientierten Erwartungen der Kunden am besten treffe. Als Vorbild nannte Greco Ping An und Zhong An aus China, schränkte aber ein, dass Konzepte der chinesischen Marktführer nicht ohne weiteres in andere Regionen übertragbar seien. Greco erwartet weitere Konsolidierung im Markt. Es gebe jeweils 4,000 Versicherer in Europa und in den USA und damit relativ viele. Zum deutschen Markt gefragt, sagte Greco, dass Zürich dort bisher unterinvestiert gewesen sei und sich zu sehr auf Produkte anstelle von Kunden fokussiert habe. Die Sanierung der Niederlassung werde noch einige Zeit in Anspruch nehmen.

Mario Greco
Mario GrecoQuelle: Martin Winkel

Diskussionen um den Sinn von Regulierung

Wir müssen wieder Vertrauen in den Finanzberater schaffen
Gerhard Schick, Bundestagsabgeordneter von Bündnis 90/Die Grünen

Thomas Bischof, Vorstandsvorsitzender der Württembergischen, äußerte sich kritisch zur Regulierung. Nachhaltigkeit in Form dokumentierter Informationspflichten für der Beratung festzuschreiben sei eine Fehlleistung und führe nur zu immer komplizierteren Beratungsgesprächen. Ganz anders sieht das Gerhard Schick noch Mitglied des Bundestags, und Vorstand der Bürgerbewegung Finanzwende, der noch mehr Transparenz fordert: "Kunden sollten informiert werden, wenn beispielsweise Versicherer die Mindestzuführungsregeln nicht einhalten können." Die Bewegung Finanzwende kritisiert unter anderem, dass seit der Krise 2008 viele Versprechen der Finanzbranche und der Politik nicht eingehalten worden seien. Banken seien nach wie vor zu groß, um Pleite gehen zu dürfen, Fonds mit riskanten Positionen überexponiert und Versicherer unterkapitalisiert. Die Organisation Finanzwende spricht sich gegen Provisionen für den Abschluss von Finanzprodukten aus. "Wir müssen wieder Vertrauen in den Finanzberater schaffen“, fordert Schick, der glaubt, dass gute Finanzberatung durch Vermittler nur ohne Interessenkonflikte in Form einer Vergütung vom Produktanbieter möglich sei. Erfreut reagierte Schick auf ein Abstimmungsergebnis auf der Konferenz, nach dem 61 Prozent der Teilnehmer - meist Vertreter der Versicherungsbranche - glaubten, dass zumindest eine Deckelung der Provisionen im Vertrieb überfällig sei. Anstelle von privaten Rentenversicherungen propagiert Schick ein staatlich organisiertes, kapitalgedecktes Altersvorsorgemodell wie in Schweden. Dieses sei zu großen Teilen in Aktien investiert. Denn Deutsche seien nicht an sich risikoavers, wie der hohe Anteil von Derivaten und Zertifikaten an privatem Vermögen zeige.

Generali Deutschland · Giovanni Liverani · Mario Greco · Zurich · Thomas Bischof
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