Verliert der Sozialstaat den Anschluss an die Arbeitswelt?
Verliert der Sozialstaat den Anschluss an die Arbeitswelt?Quelle: Bernd Kasper / PIXELIO (www.pixelio.de)
Politik & Regulierung

Deutsches Sozialsystem kommt mit der Arbeitswelt nicht mit

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Neue digitale Geschäftsmodelle, Brüche in den Erwerbsbiografien oder flexiblere Arbeitszeitmodelle - die moderne Arbeitswelt befindet sich längst im Umbruch. Das Deutsche Institut füür Altersvorsorge (DIA) hat indes die Auswirkungen der neuen Erwerbsformen auf die Sozialsysteme untersucht. Das Egebnis: Sozialpolitik werde sich künftig wesentlich um die Verteilung der "Digitalisierungsdividende" drehen, also um die durch den Einsatz digitaler Technik generierten Wohlstandsgewinne.
So sprach sich laut Studie ein Großteil der befragten Experten dafür aus, dass die soziale Sicherung nicht weiter vom Normalarbeitsverhältnis abhängen darf, da es zunehmend an Bedeutung verlieren wird. Dieses abhängige, in Vollzeit und unbefristet ausgeübte Beschäftigungsverhältnis gilt heute als typische, als vorherrschende Form von Erwerbsarbeit. "Seit geraumer Zeit sind jedoch Anzeichen zu erkennen, dass die Vorstellung einer dauerhaften Vollzeitbeschäftigung als Maß aller Dinge nicht mehr im gleichen Grad wie in der Vergangenheit geteilt wird. So werden aufseiten der Arbeitenden zeitweise Unterbrechungen der Arbeitsbiografie freiwillig gewählt und als wünschenswert betrachtet", konstatiert Studienautorin Nora Stampfl. Zudem äußerten vie Unternehmen vor allem den Wunsch nach mehr Flexibilität in der Personalpolitik. 
Quelle: DIA
Zwar sei ein erheblicher Teil der Arbeitskräfte weiterhin im Normalarbeitsverhältnis gut versichert sein, jedoch müssen für einen wachsenden Anteil atypisch Beschäftigter neue Lösungsansätze für eine soziale Absicherung geschaffen werden. Allerdings gebe das bestehende System zum Beispiel derzeit noch keine Antwort auf die Frage, wie die in der sich ausbreitenden Plattformökonomie Beschäftigten verlässlich abgesichert werden können. Viele befragten Experten rechnen daher mit einem Umbau der bisherigen Arbeitnehmerversicherung zu einer Erwerbstätigenversicherung, die auch sozialversicherungsfreie Beschäftigte, Selbstständige und Beamte einbezieht, sowie eine systemische Stärkung der Rentenversicherung. "Die soziale Absicherung wird sich in Zukunft auch darauf erstrecken müssen, Menschen durch entsprechende Maßnahmen und Leistungen bei der Bewältigung von Zeitkonflikten in kritischen Phasen ihrer Erwerbsbiografie zu unterstützen", heißt es in der Studie.
Deutsches Institut für Altersvorsorge · Sozialsystem
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