Philippe Donnet
Philippe DonnetQuelle: Generali
Schlaglicht

Ein Herz und wenig Seele bei Generali? Was Donnet plant, wo Liverani zählt und warum viel auf dem Spiel steht

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Generali-Vorstandboss Philippe Donnet und Deutschlandchef Giovanni Liverani haben so manches gemeinsam. Beide stellen den italienischen Versicherungskonzern derzeit gründlich auf den Kopf. Das ambitionierte Ziel: "Führungsposition in Europa ausbauen" und "führende Stellung am Markt stärken". Die strategischen Maßnahmen der Konzernlenker vermitteln außen wie innen nicht selten den Eindruck einer kühl durchdachten "Hau-Ruck-Bewegung". Der Einsatz ist hoch, der Wettbewerb schwierig. Und trotzdem heißt die oberste Prämisse, noch schneller zu wachsen als bisher. 

"Heute gibt Generali eine ambitionierte Strategie bekannt: die Generali 2021, mit der wir das Wachstum unseres Konzerns beschleunigen und höhere Renditen für unsere Aktionäre erzielen werden. Unser primäres Ziel ist es, für unsere Kunden ein Geschäftspartner fürs Leben zu werden, der dank eines einzigartigen Vertriebsnetzwerks innovative und maßgeschneiderte Lösungen bietet. Mit dieser klaren und unverkennbaren strategischen Vision nutzen wir unsere Stärken, um unsere Führung in Europa bei Retail- und KMU-Kunden zu konsolidieren, die Geschäftstätigkeit auf Märkten mit großem Potenzial auszubauen und eine globale Asset-Management-Plattform zu entwickeln. Gleichzeitig wird sich Generali weiterhin auf Kapitalgenerierung und -management konzentrieren, um Wachstumsmöglichkeiten auf Schlüsselmärkten zu finanzieren sowie Innovationen und die digitale Transformation an unseren Geschäftsstandorten zu fördern. Dank dieses Maßnahmenkatalogs wird Generali eine durchschnittliche Steigerung des Gewinns je Aktie pro Jahr von sechs bis acht Prozent im Planungshorizont erreichen", kündigte Donnet schon beinahe vollmundig an.

Ein wesentlicher Fokus der ambitionerten Strategie liegt dabei für Donnet vor allem darin, die selbst definierte Führungsposition in den Kernmärkten Italien und Deutschland zu festigen, weiter auzusbauen und gleichzeitig in den Wachstumsregionen Asien und Lateinamerika bis 2021 ein jährliches Wachstum zwischen 15 und 25 Prozent zu generieren. Zudem sieht der neue Strategierplan einen kumulierten Kapitalaufbau von 10,5 Mrd. Euro von 2019 bis 2021 vor. Das Fremdkapital soll bis 2021 um 1,5 bis 2,0 Mrd. Euro reduziert werden. Die jährlichen Bruttozinskosten sollen im gleichen Zeitraum um 70 bis 140 Mio. Euro zurückgehen. Ganz zur Freude übrigens der eigenen Aktionäre, die natürlich von dem angestrebten Wachstum ebenfalls spürbar profitieren sollen. Demnach will die Generali bis 2021 etwa 55 bis 65 Prozent des erzielten Gewinnes an die Aktionäre ausschütten. Die Eigenkapitalrendite soll in den kommenden drei Jahren im Schnitt bei über 11,5 Prozent liegen.

Dass die Radikalkur Donnets innerhalb der Generali durchaus Früchte trägt, zeigen zumindest die jüngsten Geschäftszahlen für 2018: Dank niedriger Zinsen, guter Geschäfte und dem Verkauf der Konzerntochter in Panama erwirtschaftete der italienische Versicherer mit Sitz in Triest in den ersten neun Monaten des laufenden Jahres einen Gewinn von fast 1,9 Mrd. Euro. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum entspricht dies einem Plus von fast 27 Prozent. Gleichzeitig stiegen die Bruttoprämien in den ersten neun Monaten des Jahres um 6,1 Prozent auf insgesamt 49,727 Mrd. Euro (VJ: 47,415 Mio.). Besonders stark legte die Generali im Lebengeschäft zu: Hier stiegen die Beitragseinnahmen um 3,3 Prozent auf 2,241 Mrd. Euro (VJ: 2,170 Mrd.). In der Kompositsparte verzeichnete der italienische Versicherungskonzern ein Prämienplus von 2,1 Prozent auf 1,500 Mrd. Euro (VJ: 1,470 Mrd.).
Grund genug für den Generali-Chef, auch verbal entsprechend in die Offensive zu gehen. "Im Weltmaßstab gehören wir zu den führenden Konzernen. Wenn wir nur die Umsätze in Europa betrachten, sind wir die Nummer eins und liegen vor Allianz und Axa", betonte er jüngst in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung. Gerade Deutschland ist dem Unternehmen wichtig: Die Generali habe "große Pläne für unser künftiges Wachstum in Deutschland". Zudem habe man zuletzt viel Geld eingenommen, derzeit stehe man bei 1,5 Milliarden Euro, ohne den Verkauf der Generali Leben einzurechnen. Das habe zu einer starken Kapitalbasis und guten Ergebnissen geführt, zudem konnte in "vielen Ländern" die Marktposition "deutlich ausgebaut" werden.
Wenig verwunderlich, dass Donnet die Rosskur der Deutschland-Tochter im SZ-Interview verteidigt: "In Deutschland mussten wir vieles ändern. Wir mussten den Konzern vereinfachen, den Vertrieb stärken, die Kosten senken und unsere Marke deutlicher positionieren. Der Generali-Konzern leistete sich heftige interne Konkurrenz zwischen den Generali-Vertretern, die für die Generali-Versicherungen arbeiteten, und der erfolgreichen Vertriebsorganisation DVAG, die für unsere Versicherer mit den Marken Aachen-Münchener und Central Policen vermittelt. Wir leisteten uns viel Doppelarbeit, weil mehrere Versicherer intern an denselben Problemen arbeiteten"
Mit Deutschlandchef Liverani scheint Donnet zumindest vordergründig einen "willfährigen Erfüllungsgehilfen" gefunden zu haben. Die Kritik und der Unmut über die Entscheidung wurde im Nachgang der Entscheidung durchas lautstark kund getan - sei es seitens des Gesamtbetriebsrates oder durch manch Vermittler. Auch die Grundsatzdebatte über Sinn und Unsinn eines Run-off führte zu hitzigen Debatten. So gilt der Verkauf der Lebensparte bis heute als eine Art Dammbruch in der Versicherungsbranche. Während BdV-Vorstandssprecher Axel Kleinlein von einem "Sündenfall" sprach, sorgte der Run-off auch in der Branche für ein geteiltes Echo. Besonders drastische Worte fand dabei Maxpool-Chef Oliver Drewes: Für ihn kommt diese Entscheidung gar einer "Bankrott-Erklärung" gleich. "Es regt mich auf, wie die Versicherungsmanager von heute so ticken. Ohne Verantwortungsbewusstsein gegenüber Kunden oder Mitarbeitern, ohne Ehre und ohne jeden Anstand. Wirklich schlimm. Die Urgründer der Generali-Versicherer würden sich im Grabe umdrehen." Der Markt solle nun soviel Lärm machen wie möglich, damit die "Söldnermanager der Versicherungsindustrie" verstünden, dass so etwas nicht geht.

Unter dem Strich hat sich der Ausverkauf bei der Generali vor allem in den ersten sechs Monaten des Jahres durchaus bezahlt gemacht - allen voran der Run-off der Generali Leben. Was für Donnet "ein wichtiger Schritt zur Stärkung der Generali" war, interpretierte Liverani als finalen "Schritt im strategischen Turnaround der Generali in Deutschland". Auch der Ausverkauf in anderen Ländern sowie die Übernahmen in Polen oder Slowenien scheinen sich bislang zumindest bezahlt zu machen. Die Generali scheint damit der Turnaround zu gelingen, obwohl der Löwe aus Triest, wie der 1831 gegründete Versicherungskonzern nach seinem Logo genannt wird, vor einem Jahr noch als Übernahmekandidat galt.

Generali Group · Philippe Donnet
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