Rücklagen der Lebensversicherer
Rücklagen der LebensversichererQuelle: Karl-Heinz Laube / PIXELIO (www.pixelio.de)
Unternehmen & Management

Acht Lebensversicherer reduzieren Mindestzuführung zu den Rückstellungen

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Dass die Lebensversicherer schon mal bessere Zeiten gesehen haben, ist nicht neu. Allerdings scheinen die finanziellen Probleme der betroffenen Lebensversicherer größer zu sein als bislang angenommen. Demnach hat die Finanzaufsicht Bafin in den vergangenen zehn Jahren insgesamt acht Unternehmen erlaubt, die Mindestzuführung zur RfB für den Altbestand zu senken. Zwei Lebensversicherern sei dies sogar mehrfach gestattet worden, wie aus einer kleinen Anfrage der Grünen im Bundestag hervorgeht.
Wie aus der Anfrage hervoreht, hatten allein im Jahr 2008 mit der Bayerischen Beamten Lebensversicherung, der Hanse Merkur Lebensvessicherung, sowie der Provinzial Rheinland Lebensversicherung und der Provinzial Nordwest gleich vier Versicherer die Überschussbeteiligungen gekürzt. Der Grund: "unvorhersehbare Verluste aus dem Kapitalanlageergebnis". Gleich zweimal musste die Landeslebenshilfe in den Jahren 2015 und 2017 wegen der niedrigen Zinsen entsprechende Kürzungen vornehmen. Gleich viermal musste indes Protektor zwischen 2010 und 2013 um eine Sondererlaubnis der Finanzaufseher bitten - unter anderem wegen "Aufbau einer Verwaltungskostenrückstellung". Im Jahr 2017 strich die Süddeutsche Lebensversicherung die Überschussbeteiligung sogar ganz.
Auch die Debeka hatte im vergangenen Jahr ihre Mindestzuführung von 144,335 Mio. Euro auf 886.000 gekürzt. Offizieller Grund laut Anfrage waren ebenfalls die niedrigen Zinsen. VWheute hat beim Koblenzer Versicherer einmal genauer nachgefragt: "Im Jahr 2017 ist im Altbestand (Verträge bis einschließlich 1994) ein Rohüberschuss angefallen, während im Neubestand (Verträge ab 1995) ein Rohfehlbetrag entstanden ist. Im Gesamtunternehmen ergab sich - inklusive der Erträge, die auf das Eigenkapital entfallen - ein kleiner Rohüberschuss. Der Rohfehlbetrag im Neubestand war bedingt durch den starken Aufbau der Zinszusatzreserve aufgrund der bis für das Geschäftsjahr 2017 geltenden Deckungsrückstellungsverordnung. Das positive Rohergebnis des Altbestandes und die hohe Mindestzuführung für den Altbestand in 2017 sind wesentlich beeinflusst durch die vorzeitige Realisierung von Bewertungsreserven auf festverzinsliche Wertpapiere, die zur Finanzierung der Zuführung zur Zinszusatzreserve im Neubestand vorgenommen worden ist", heißt es in einer Stellungnahme.
"Die Debeka Lebensversicherung ist dazu verpflichtet, die Minderzuführung nach Maßgabe eines von der BaFin genehmigten Zuführungsplans nachzuholen. Die Modalitäten hängen vor allem von der zukünftigen Kapitalanlageentwicklung der Debeka Leben ab. Einzelheiten hierzu stehen noch nicht fest. Durch die Überarbeitung der Deckungsrückstellungsverordnung wird ein deutlich gleichmäßigerer Aufbau der Zinszusatzreserve im Neubestand erreicht, weshalb wir für das Geschäftsjahr 2018 aus heutiger Sicht keine Herabsetzung der Mindestzuführung erwarten. Zudem ist es 2018 für die Bildung der Zinszusatzreserve nicht erforderlich, Bewertungsreserven von festverzinslichen Wertpapieren zu realisieren", betont der Versicherer weiter.

"Wären die Bewertungsreserven nicht vorzeitig, sondern durch die laufenden Erträge - verteilt über die Restlaufzeit - realisiert worden, wäre ein wesentlich kleinerer Teil auf den Altbestand entfallen, da der Anteil des Altbestandes am gesamten überschussberechtigten Versicherungsbestand rasch abnimmt. Der Altbestand partizipiert aber stark an den außerordentlichen Erträgen, während die niedrigere laufende Verzinsung in späteren Jahren primär vom Neubestand zu tragen sein wird. Eine höhere Realisierung von Bewertungsreserven auf festverzinsliche Wertpapiere zum vollständigen Ausgleich des Rohfehlbetrages des Neubestandes wäre zwar möglich gewesen, ist aber aus unserer Sicht nicht im langfristigen Interesse aller Versicherungsnehmer, da im Falle einer hohen Realisierung von Bewertungsreserven die Nettoverzinsung der Kapitalanlagen in der Zukunft umso schneller sinkt. Durch die Zustimmung der BaFin zur Herabsetzung der Mindestzuführung zur RfB des Altbestandes wird der Rohfehlbetrag des Neubestandes teilweise ausgeglichen. Die Minderzuführung zur Rückstellung für Beitragsrückerstattung des Altbestandes um ca. 144 Mio. Euro muss auch im Zusammenhang mit früheren Zuführungen gesehen werden: Von 1999 bis 2016 wurden ca. 2,5 Mrd. Euro mehr der Rückstellung für Beitragsrückerstattung des Altbestandes zugeführt, als aufsichtsrechtlich mindestens gefordert gewesen wäre", betont die Debeka weiter.

Für Grünen-Politiker Gerhard Schick scheint jedenfalls klar, dass "das vorgesehene Mindestmaß verfehlt wurde und zumindest zwischenzeitlich auf Geld, das den Versicherten zusteht, zurückgegriffen werden muss, zeigt die schwierige Lage bei einigen Versicherern". Zudem hätten die Kunden über eine solche Kürzung informiert werden müssen, selbst wenn ihnen daraus kein unmittelbarer Nachteil entstehen würde. Ein Bafin-Sprecher betonte indes gegenüber der Süddeutschen Zeitung,  dass die Lebensversicherer über eine solche Kürzung der Mindestzuführung nicht gesondert informieren müssten: "In der Regel werden daher Minderzuführungen in den Folgejahren ausgeglichen".
VWheute wird das Thema jedenfalls weiter verfolgen.
Lebensversicherer · BaFin · Debeka
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