Quelle: Albrecht E. Arnold / PIXELIO (www.pixelio.de)
Köpfe & Positionen

Pflegekrise: Neues Düsseldorfer Modell beschleunigt Personalgewinnung aus Drittstaaten

Von Uwe PetersTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Der "Notstand" in der Pflege ist längst Realität. Aktuell sind laut Bundesregierung in den Bereichen Pflege- und Klinikpersonal 35.000 Stellen unbesetzt, 25.000 davon für Pflegefachkräfte. Die Personalgewinnung von Pflegefachkräften aus dem Ausland ist dabei ein vielversprechender Ansatz, hier Abhilfe zu schaffen. Da setzt das neue Konzept der DKV Pflegedienste & Residenzen (DKV P&R) an. In Zusammenarbeit mit der Bezirksregierung Düsseldorf wurden Rahmenbedingungen geschaffen, die ein Modell zur beschleunigten Anerkennung von Pflegefachkräften aus dem Nicht-EU-Ausland in die Praxis überführen.

Neuer Ansatz gesucht

Die Initiative zur strukturierten Personalgewinnung aus dem Kosovo startete bei der DKV P&R bereits 2017. Der konzeptionelle Ansatz: Mit qualifizierten Kooperationspartnern vor Ort eine konzertierte Gewinnung von Fachpersonal für den Einsatz in Deutschland anzustoßen, statt aufwendig Einzelpersonen anzuwerben. Die Voraussetzungen für diese Strategie erfüllte das AAB College - eine private Universität in Pristina. Am AAB College erwerben die kosovarischen Pflegekräfte mit dem Studiengang Krankenpflege den Abschluss "Bachelor of Science" - eine vergleichbar hohe Qualifikation.

Parallel dazu erfolgte die Kontaktaufnahme zur Bezirksregierung Düsseldorf, der das Projekt zur Bewertung vorgelegt wurde. Zielsetzung war es, ein bürokratisch vereinfachtes und beschleunigtes Anerkennungsverfahren auf den Weg zu bringen, dass die berufliche Gleichstellung des deutschen Berufsabschlusses für Gesundheits- und Krankenpflege mit dem Abschluss der kosovarischen Absolventen des AAB sicherstellt.

Deutlich reduzierte Nachqualifizierung

Nach eingehender Prüfung beurteilte die Bezirksregierung das Projekt positiv und als zukunftsweisend. Im August 2018 sicherte sie der DKV P&R ihre Unterstützung zu und definierte die Leitplanken des Anerkennungsverfahrens: Anstelle der sonst üblichen 800 bis 1.100 Stunden zur Nachqualifizierung in Theorie und Praxis in Deutschland benötigen die AAB-Absolventen jetzt nur noch 360 Stunden. Diese Vereinbarung schafft die Grundlage für eine schnelle berufliche Gleichstellung von Pflegefachkräften aus Drittstaaten bei deutlich reduzierten fachlichen und bürokratischen Hürden.

Das Volumen der Ausgleichsmaßnahmen liegt damit deutlich unter dem, was in vergleichbaren Ländern und absolvierten Pflegeausbildungen gefordert wird. Die Absolventen können damit bereits nach drei bis vier Monaten als Fachkraft vor Ort anerkannt und eingesetzt werden, statt der bislang üblichen 12 bis 15 Monate. Die Bezirksregierung Düsseldorf übernimmt dabei die Gleichwertigkeitsprüfungen für den gesamten Raum Nordrhein-Westfalen.

Föderalismus als Hemmschuh

Die unterschiedlichen Verwaltungsvorgänge in den Bundesländern wirken jedoch nach wie vor wie ein regulatorisches Korsett. Zögerliche Prozesse und kommunikative Herausforderungen der beteiligten Behörden führen zu langen Antrags- und Entscheidungsverfahren und erschweren effiziente Lösungen. Nichtsdestotrotz werden bereits mit weiteren Bundesländern Gespräche geführt, um das Düsseldorfer Modell weiter auszurollen.

Auch die bekannten Eckpunkte zum Fachkräfteeinwanderungsgesetz lassen einen optimistischen Blick zu. Schwerpunkt hier sollen unter anderem der schnellere Zutritt zum deutschen Arbeitsmarkt via beschleunigten Visaerteilungsprozess und die Straffung der Verwaltungsprozesse sein. Zwingend erforderlich für letztgenanntes ist die Ablösung der bestehenden föderalistischen Regelungen in den Anerkennungsverfahren durch bundesweit einheitliche Vorgaben. Es bleibt abzuwarten, ob sich hier zeitnah der politische Wille durchsetzen kann.

Das Projekt wurde von der DKV P&R und Partnern konzipiert, vertraglich ausgearbeitet und im Juni 2018 unterzeichnet. Ein gemeinsam erarbeitetes Qualifizierungsprogramm bereitet interessierte Studenten auf das "Leben und Arbeiten" in Deutschland vor. Die fachliche Ausbildung in Theorie und Praxis erfolgt mit Hilfe deutscher und kosovarischer Dozenten bis zur Erfüllung der Vorgaben des deutschen Berufsrechts in der Gesundheits- und Krankenpflege. Die Sprachausbildung mit Abschluss B2 erfolgt studienbegleitend im Heimatland zusammen mit einer lokalen Sprachschule. Die Ausbildungsnachweise werden in deutscher Fassung, nach deutscher Terminologie und deutschem Rahmenlehrplan zur Verfügung gestellt, was für die Bezirksregierung zu einer deutlichen Vereinfachung der Gleichwertigkeitsprüfung führt.
DKV · Pflege
Auch interessant
Zurück
12.03.2019VWheute
DKV-Chef: "Kunden möchten nicht über­wacht werden" "Unsere Tarife sind risikogerecht und nachhaltig. Jeder PKV-Kunde entlastet mit seiner …
DKV-Chef: "Kunden möchten nicht über­wacht werden"
"Unsere Tarife sind risikogerecht und nachhaltig. Jeder PKV-Kunde entlastet mit seiner Altersrückstellung unsere Kinder und Enkel", glaubt Clemens Muth, Vorstandsvorsitzender DKV. Im Interview mit VWheute spricht er übe…
21.11.2018VWheute
DKV Pfle­ge­dienst: Pfle­ge­fach­kräfte schneller gewinnen Der Mangel an Pflegefachkräften in Deutschland könnte viel schneller behoben werden, wenn …
DKV Pfle­ge­dienst: Pfle­ge­fach­kräfte schneller gewinnen
Der Mangel an Pflegefachkräften in Deutschland könnte viel schneller behoben werden, wenn das Modellprojekt einer Tochter des privaten Krankenversicherers DKV Schule machen würde.
31.07.2018VWheute
DKV-Report: Deut­sche haben Bewe­gungs­de­fizit Bewegungsmangel wird in Deutschland zu einem immer größeren Problem. Waren es laut DKV-Report 2010 60 …
DKV-Report: Deut­sche haben Bewe­gungs­de­fizit
Bewegungsmangel wird in Deutschland zu einem immer größeren Problem. Waren es laut DKV-Report 2010 60 Prozent, die den Richtwert für körperliche Aktivität erreichten, können sich mit aktuell 43 Prozent nicht einmal mehr die Hälfte …
11.07.2018VWheute
DKV: Kommt der Pfle­ge­ro­boter auch in Deutsch­land? Pflegeroboter sind vor allem in Japan derzeit groß in Mode. In Deutschland hatten jüngst …
DKV: Kommt der Pfle­ge­ro­boter auch in Deutsch­land?
Pflegeroboter sind vor allem in Japan derzeit groß in Mode. In Deutschland hatten jüngst Forscher der Uni Ilmenau und Siegen die Alltagstauglichkeit entsprechend getestet. Angesichts des aktuellen Pflegenotstandes könnten …
Weiter