Konzernsitz der Generali Deutschland in München
Konzernsitz der Generali Deutschland in MünchenQuelle: Generali
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Tausende Betroffene, mehr als 900 Klagen: Generali-Rentner erhöhen Druck auf Ex-Arbeitgeber

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Seit mehreren Jahren bereits schwelt der Streit zwischen der Generali Deutschland und ehemaligen Mitarbeitern der früheren Volksfürsorge um die Höhe der Betriebsrenten. Am vergangenen Freitag Abend trafen sich rund 300 Betroffene im Hamburger Hofbräu-Wirtshaus am Speersort. Mögliche Klagen können bis Jahresende noch auf den Versicherungskonzern zukommen. Das Ex-Personal fühlt sich betrogen und macht ihrem Unmut mit deutlichen Worten Luft. 
Die Schimpfworte fielen offensichtlich derbe aus, will man einem Bericht der Hamburger Morgenpost (Mopo) Glauben schenken. "Verarschung!", "Sauerei!", "Schweinerei!" soll dabei nur eine kleine Auswahl gewesen sein. Dabei verwies Rechtsanwalt Christoph Welscher darauf, dass bereits einige Betroffene ihre Prozesse gegen die Generali Deutschland gewonnen haben und wohl im Januar mit Nachzahlungen zwischen 3.500 und 6.000 Euro rechnen könnten. "Seit sich herumgesprochen hat, dass ein Teil der Ansprüche Ende 2018 verfällt, kommen wöchentlich zwei, drei neue Mandanten hinzu", wird der Jurist in der Hamburger Zeitung zitiert.
Hintergrund der juristischen Auseinandersetzung ist die Übernahme der Volksfürsorge durch die Generali Deutschland mitsamt deren Verpflichtungen der betrieblichen Altersversorgung. Laut einem Bericht der Mopo sei vertraglich festgelegt, dass die Betriebsrente in gleichem Umfang steigen soll wie die gesetzliche Rente. Allein für 2015 hätte dies ein Plus von 2,1 Prozent und 2016 von 4,25 Prozent betragen. Der Vorwurf lautet indes, dass die Generali entgegen dieser vermeintlichen Zusage in beiden Jahren die Betriebsrenten lediglich um jeweils 0,5 Prozent erhöht habe.
Ein Unternehmenssprecher der Generali Deutschland sieht die Sachlage naturgemäß anders: "Ein Unternehmenssprecher erklärte gegenüber VWheute: "Konkret geht es um ein Verfahren mit mehr als 900 Klagen bundesweit. Die Generali in Deutschland hatte aufgrund einer in der jeweiligen Versorgungsordnung enthaltenen Ausnahmeregelung in den Jahren 2015 und 2016 entschieden, die Betriebsrenten in geringerem Umfang als in den Jahren zuvor anzupassen." Dabei legt der Konzernsprecher Wert auf die Feststellung, "dass keine Rentenkürzungen vorgenommen wurden". Die geringere Anpassung der Betriebsrenten beruhten dabei auf dem notwenigen "Erneuerungs- und Restrukturierungsprozess der Generali in Deutschland, der maßgeblich von äußeren Faktoren, wie der anhaltenden Niedrigzinsphase und gesetzlichen Regulierungen (wie z. B. dem zwingenden Aufbau einer Zinszusatzreserve) bedingt ist".
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