Innovario in Köln
Innovario in KölnQuelle: Monika Lier
Märkte & Vertrieb

Smart Home ist kein Selbstläufer - hat aber mit Potenzial

Von Monika LierTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Smart Home dürfte nach Einschätzung von Felix Strohmaier eine der letzten freien Schnittstellen zum Kunden sein, die Versicherer besetzen können. "Entgegen aller Prognosen boomt Smart Home nicht. Wir glauben, dass ein nur vernetztes Haus - also Connectivity - dem Kunden nicht den erwünschten Mehrwert bringt, sondern zusätzliche Assistance. Und das leisten bisher nur einige Pioniere" sagte der Experte der Aachener Vernetzungsspezialisten Devolo.

Devolo kooperiert bereits mit der deutschen Generali-Gruppe und der die Bayerischen. Bis Ende des Ende des Jahres soll ein Projekt mit der Zurich starten. "Da laufen gerade die Tests und im Februar kommt ein kleiner Versicherer hinzu", so Strohmaier am Montag auf der "4. Innovario Ideen- und Innovationsmarktplatz für die Versicherungswirtschaft".

Dass Smart Home bislang noch nicht "Enabler für situative Versicherungs- und Assistanceleistungen" ist, liege an den Versicherungsunternehmen selbst. "Denn die haben noch einiges zu tun“, so Strohmaier. Als Schwachpunkte nannte er unter anderem fehlende zukunftssichere IT-Systeme, die Anforderungen an "Securty & Privacy" und Regulierungsfragen beim Nichtversicherungs-Geschäft. Ein Pluspunkt seien neben den Kunden die qualifizierten Dienstleistungsnetze der Versicherer. Am Mangel solch qualifizierter Dienstleister sei Amazon in den USA mit seinem "Key-Service" gescheitert. Der Internetriese schwenke jetzt um und qualifiziere Dienste. Zudem müssten Versicherer ihre Produkte "aufhübschen" und den Kunden in den Mittelpunkt stellen. Ein Hindernis seien aber auch die Vermittler, die ihren Kunden aus der "Angst heraus, dass diese sich jedem Funktionsproblem bei ihnen melden" nicht anbieten wollen. Dabei sei die Installation nicht das Problem, so Strohmaier. Das könne jeder, der ein Smartphone bedienen könne.

Dass sich Smart Home für Versicherer rechnen kann, zeigten Stefanie Kresse von der Armaturenfirma Grohe und Olaf Michels von der Albag, einer Tochter der Provinzial Rheinland. Nach verschiedenen Testphase wird der öffentliche Versicherer nun in einem "strukturierten Rollout" Leckage-Ventile und Leckage-Sensoren "flächendeckend in die Kundschaft" einbringen. Ersteres wird hinter den Wasserzähler in der Hauptleitung eingebaut und stellt das Wasser bei ungewöhnlichem Verbrauch auf Basis eines Algorithmus ab, zweiteres misst unter anderem die Raumluft. Beide Systeme alarmieren über eine Smartphone-App und setzen beim Versicherer eine Assistance-Kette in Gang.

Marktweit machen Schäden durch Leitungswasser etwa 60 bis 65 Prozent aller Wohngebäudeschäden aus. Auch wenn die Sparte in den letzten beiden Jahren wieder kleine Gewinne erwirtschaftete, war die Combined Ratio der letzten zehn Jahre mit durchschnittlich 114 Prozent. Nur ein Viertel der Kosten des Leitungswasserschadens sind Reparaturkosten; drei Viertel Folgeschäden. "Das sind die vermeidbaren Kosten für die Versicherungswirtschaft", so Kresse. Vorausgesetzt, der Schaden wird schnell genug bemerkt und der Wasserzufluss gestoppt. Zur Bedingung für den Abschluss einer Wohngebäudeversicherung werde man das Leckagesystem nicht machen, so Michels. Möglicherweise gebe es aber Rabatte - "das steht noch nicht fest, die Kollegen kalkulieren noch". Der Aufbau eine Handwerkernetzes, das die Sensoren installiert, sei wegen der Komponente "WLAN" eine Herausforderung, so Michels. "Da gibt es einiges, was der Handwerkbetrieb berücksichtigen muss." Nach dem Algorithmus für das Einfamilienhaus arbeitet Grohe nun auch an einer Lösung für größere Gebäude, insbesondere für kommunale und betriebliche Immobilien.

Die Haushalte in Deutschland werden in den kommenden Jahren immer smarter.
Die Haushalte in Deutschland werden in den kommenden Jahren immer smarter.Quelle: Statista
Immerhin haben Smart Home-Lösungen in Deutschland ein immenses Zukunftspotenzial. So ist aktuell in 6,1 Millionen Haushalten mindestens eine entsprechende Anwendung im Einsatz. Bis 2023 soll ihre Zahl auf 13,5 Millionen steigen, heißt es in der aktuellen Ausgabe des Statista Digital Market Outlooks . Am verbreitetsten sind Geräte aus der Kategorie "Vernetzung und Steuerung". Hierzu gehören smarte Lautsprecher (Amazon Echo, Google Home etc.), zentrale Steuerungs- und Kommunikationseinheiten (Gateways/Hubs), programmierbare Steuerknöpfe (z. B. Wandtaster, Drehknöpfe) sowie Steckdoseneinsätze zum Ein- beziehungsweise Ausschalten nicht-smarter Geräte.
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