Viktor Becher, Gründer von Getsurance
Viktor Becher, Gründer von GetsuranceQuelle: Getsurance
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Getsurance-Gründer Becher: "Das Geschäftsmodell Versicherung steht langfristig unter Druck"

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Insurtechs sind auf bestem Wege, sich als Partner der traditionellen Player zu etablieren. Entsprechende Investments sind an der Tagesordnung, wie das aktuelle Beispiel Finleap zeigt. Dabei können die "alten Hasen" durchaus noch einiges von den Neulingen am Markt lernen, wie Viktor Becher im Exklusiv-Interview mit VWheute erläutert. Für den Getsurance-Gründer heißt der aktuell größte Feind der Versicherer Zeitgeist. Zu lange wurde er unterschätzt.

Welche Formen wird die Zusammenarbeit von Versicherern mit Insurtechs annehmen?

Versicherer werden vermehrt in Insurtechs investieren. Trendsetter wie die Allianz und Axa haben sich ganze Startup-Portfolios aufgebaut. Davon ermutigt werden 2019 auch mittelständische Versicherer zunehmend Investitionen in Startups tätigen, die zu ihrer strategischen Vision passen.

Wie sicher ist das Geschäftsmodell Versicherung über 2019 hinaus? Was muss verändert werden?

Das Geschäftsmodell Versicherung steht langfristig unter Druck. Erstens hat sich der Zeitgeist geändert: Die Generation Y legt weniger Wert auf Vorsorge. Zweitens droht der Markteintritt von aggressiven Tech-Unternehmen wie Amazon und Google. Drittens werden die Blockchain und künstliche Intelligenz den Versicherern viel Arbeit abnehmen. Was bleibt für die Gesellschaften übrig? Die Branche wird schrumpfen. Versicherer müssen sich in agile Softwareunternehmen wandeln. Den meisten wird das nicht gelingen.

Wo sehen Sie die größten politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Risiken mit Rückkopplung auf das Versicherungsgeschäft?

Ein großes Risiko für die Lebensversicherung ist der Provisionsdeckel. Wenn er kommt, wird er den profitablen Offline-Vertrieb unmöglich machen. Obwohl ich staatliche Eingriffe in den Markt kritisch sehe, hat der Provisionsdeckel auch etwas Positives: Er würde die Versicherer dazu zwingen, ihren Vertrieb zu digitalisieren. Damit würde die Branche dem veränderten Kaufverhalten der Generation Y Rechnung tragen.

Was müssen Versicherer im nächsten Jahr besser machen?

Die Versicherer müssen lernen, den Anforderungen der Generation Y zu entsprechen. Anbieter wie Dropbox oder YouTube haben die jungen Leute daran gewöhnt, dass sie hochwertige Produkte gratis nutzen können und nur bei Bedarf für Extraleistungen zahlen. Auch die Versicherer müssen ihre Produkte flexibler gestalten. Dafür müssen sie zunächst ihren Digitalisierungsgrad erhöhen.

Was sind Ihre Kernforderungen an die Politik, was Ihre größten Kritikpunkte, vor allem mit Blick auf Regulierung und Niedrigzins?

Die Regulierung des Vertriebs hat ein erdrückendes Maß angenommen. Vermittler müssen dem Kunden teilweise über zehn verschiedene Dokumente aushändigen, die er sich unmöglich alle durchlesen kann. Was soll das bringen? Es wäre schön, wenn die Regulierer sich auf das Wesentliche beschränken würden. Alle Marktteilnehmer würden davon profitieren.

Getsurance · Insurtechs · Viktor Becher
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