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Köpfe & Positionen

Die Macht der Wolke: Was Cloud-Lösungen für Versicherer wirklich bringen

Von Michał TrochimczukTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Die Versicherer entdecken die Cloud für sich. Wegen der wachsenden Bedeutung der Services hat jetzt die Bafin Hinweise darauf gegeben, worauf die Unternehmen bei ihren Prüfungen achten sollten. Die Provinzial Rheinland hat ein Kundenportal auf Cloud-Basis geschaffen, Munich Re setzt bei der Berechnung von Risiken auf Cloud-basierte Datenanalyse. Ergo wird sogar sein Bestandssystem für das Run-off-Geschäft auf einer Cloud basierten Plattform laufen lassen. Von Zurückhaltung kaum noch eine Spur.
Die Bafin fokussiert sich in ihrem "Merkblatt – Orientierungshilfe zu Auslagerungen an CloudAnbieter" vor allem auf die eingeschränkten Kontrollmöglichkeiten und die Wahrung der Hoheitsrechte über Daten und Prozesse. Bei der Nutzung von Software as a Service (SaaS) übergibt ein Versicherer praktisch die ganze Kontrolle an den Cloud-Anbieter. „Je höher die Komplexität des Dienstleistungsmodells, desto geringer sind somit in der Regel die Kontrollmöglichkeiten des Nutzers in der Cloud. Ein Verlust von Kontrollmöglichkeiten ist jedoch nicht gleichzusetzen mit einem Verlust von Verantwortlichkeit im aufsichtsrechtlichen Sinn“, schreibt die Bafin. Tatsächlich besteht bei der Nutzung von Cloud Services ein beträchtliches Vendor-Lock-Risiko. Es ist deshalb begrüßenswert, dass die Bafin dies in ihren Hinweisen berücksichtigt. Sie geht in einem gesonderten Abschnitt auf die Kündigungsmodalitäten ein, um sicherzustellen, dass der Anbieterwechsel reibungslos abläuft und die historischen Daten restlos gelöscht werden. 

Cloud verzeichnet hohe Wachstumsraten

Tatsächlich haben die Versicherer ihre Zurückhaltung gegenüber Cloud-Lösungen inzwischen abgelegt. Die Provinzial Rheinland  hat ein Kundenportal geschaffen, das auf der Microsoft Cloud läuft. Die Munich Re setzt bei der Berechnung von Risiken auf Cloud-basierte Datenanalyse. Ergo wird sogar sein Bestandssystem für das Run-off-Geschäft auf einer Cloud basierten Plattform laufen lassen. Die Bayerische implementiert derzeit eine Kernversicherungssoftware für die Schadenversicherung in einer SaaS-Version. Das Insurtech Friday hat in Rekordzeit das Bestandssystem von Guidewire als Cloud-Lösung implementiert.

Die entscheidenden Vorteile von Cloud Lösungen bestehen in der Flexibilität und Geschwindigkeit. Mit einer cloud-basierten Kernlösung bekommt ein Versicherer schnell neue Kapazitäten und kann Alt-Lösungen damit ersetzen. Hinzu kommt die schnellere und einfachere Implementierung, ohne dass viel Know-how im eigenen Hause aufgebaut werden muss. Allerdings klaffen Erwartungshaltungen und Realität bei den einzelnen Anbietern oft auseinander. Genaues Hinsehen ist also angebracht. Die IT-Verantwortlichen der Versicherungsbranche sollten sich zudem im Klaren sein, dass Cloud-Lösungen kein Selbstläufer sind. Auch bei der Nutzung von cloud-basierter Kernsoftware bleibt ein gewisser Implementierungsaufwand bestehen. Oft unterschätzen Unternehmen das Ausmaß an benötigten individuellen Anpassungen. Dies gilt insbesondere für große Unternehmen und komplexe Produkte. 

Auf folgende Risiken sollten Versicherer bei der Implementierung von Cloud-Services achten, schreibt die Bafin:

  • Kontrahentenrisiko
  • Kumulkontrolle
  • Länderrisiko
  • Politisches Risiko
  • Datensicherheit und Spionage
  • Wahrung der Hoheitsrechte

Zusammen mit AWS ist Microsoft Azur der populärste Cloud-Dienstleister unter Finanzdienstleistern in Deutschland, gefolgt von Google und IBM. Das Cloud-Geschäft verzeichnet bei den großen Anbietern Wachstumsraten von 20 Prozent, häufig aber deutlich mehr. Die Software-Unternehmen bauen ihre Angebote aus und verfeinern sie. Es ist unwahrscheinlich, dass die neuen Anforderungen der Bafin diesen Trend aufhalten werden. Dass die Bafin den Unternehmen praxisnahe Erleichterungen bei der Prüfung der Cloud-Anbieter mit an die Hand gibt, ist deshalb begrüßenswert.

Kernsoftware in der Cloud

Etablierte Kernsystemanbieter wie Guidewire, TIA Technology und Fadata bieten Versicherern mittlerweile nahezu ihr gesamtes Produkt-Portfolio cloud-basiert an. Kostenvorteile, vereinfachte Implementierung (bei der Einhaltung von Standards), ressourcenschonende Updates und skalierbarer Aufwand gehören zu den Vorteilen dieser Lösungen. Jetzt ist eine Reihe von Start-ups hinzugekommen, die neue Kernversicherungs-Software auf Cloud-Basis anbieten. Dazu gehören beispielsweise Socotra (USA), Cloud Insurance (Norwegen) und Tech 11 (Deutschland). Allerdings müssen die neuen Lösungen in Sachen Funktionalitäts-Breite und Tiefe gegenüber den etablierten Anbietern noch stark aufholen.

Nach Einschätzung von Gartner implementieren deutsche Versicherer nur 18% ihrer neuen Kern-Versicherungs-Lösungen Off-Premise, 82 Prozent läuft ganz klassisch On-Premise. Versicherer aus den Niederlanden und aus Frankreich unterscheiden sich in dieser Hinsicht nur graduell von den deutschen. Nur jeder zweite deutsche Versicherer hat sich dem Thema Cloud bislang angenähert. Man könnte umgekehrt auch sagen: Bereits jeder zweite deutsche Versicherer hat sich mit dem Thema Cloud auseinandergesetzt. Im Bankenbereich setzt jedes vierte Unternehmen bereits auf Cloud-Lösungen, vor allem die kleineren und mittleren Institute. Das Interesse an der Cloud ist da, die Bereitschaft, zu implementieren wächst.

Über das Thema "Datenanalyse in der Cloud" geht es heute auch auf dem GDV-Jahreskongress 2018 in Köln.
Cloud · BaFin · Sollers Consulting
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