Markus Hofer Chief Operating Officer und Geschäftsführer der Generali Deutschland Schadenmanagement
Markus Hofer Chief Operating Officer und Geschäftsführer der Generali Deutschland SchadenmanagementQuelle: Monika Lier
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Digitalisierung verleitet zum Versicherungsbetrug

Von Monika LierTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Mit digitalen Techniken wird nicht nur die Erkennung des Versicherungsbetrugs einfacher, sondern auch der Betrug an sich. "Durch die Digitalisierung sinkt die Hemmschwelle. Wir bemerken einen zunehmenden Anteil von Betrugsfällen, der über Internetkanäle zu uns kommt", berichtete Markus Hofer, Chief Operating Officer und Geschäftsführer der Generali Deutschland Schadenmanagement am Freitag auf einer Fachkonferenz in Köln. Es gebe einen hohen Anteil an "Wald- und Wiesenbetrüger", die mittels digitaler Techniken Unterlagen manipulierten – speziell Schadenfotos. Das Internet erleichtere zudem die Bildung krimineller Netzwerke.

In den Kompositsparten habe die Generali ihre Schadenbearbeitung so ausgerichtet, dass bereits zu Beginn im Hintergrund Software "realtime" auf Indizien für Betrug prüfe. Dazu setzte man gängige Tools wie HIS und die intelligente Schadenprüfung ISP ein. Entscheidungen, Fälle weiter zu verfolgen bzw. die Regulierung abzulehnen, oblägen aber weiterhin Menschen, so Hofer.

Betrug spielt branchenweit bei rund jedem zehnten gemeldeten Schaden eine Rolle. Schätzungen gehen davon aus, dass 16 Prozent der Haftpflicht, neun Prozent der Sach- und sieben Prozent der Kraftfahrtschäden betrügerisch sind. Mit digitalen Techniken lassen sich nach Aussage von Hofer bis zu zwei Prozent mehr Betrugsfälle erkennen. "Wirtschaftlich rechnet sich dies aber und rechtfertigt die zusätzliche Infrastruktur", so Hofer.

Effektiver wäre die Betrugsbekämpfung, wenn für den Algorithmen größere Datenmengen zugrunde gelegt werden könnten. "Wir täten uns sicherlich leichter in der Generali-Gruppe, wenn wir im Datenschutz das Konzernprivileg hätten", sagte Hofer. Noch besser wäre es natürlich, wenn man auf Branchenebene ein größeres Volumen etabliert bekomme. "Perspektivisch sollte man darüber nachdenken."

Konferenzteilnehmerin Michaele Völler vom Institut für Versicherungswesen (ivwKöln) riet, stärker Erkenntnisse der Verhaltswissenschaft einzubeziehen. Studien zeigten, dass weniger gelogen werde, wenn zu Anfang und nicht erst am Ende die Richtigkeit der eigenen Angaben bestätigt werden müsse. Ob der Einsatz eines Lügendetektors oder Schadenmeldungen per Video, wie sie das Insuretech Lemonade einfordert, zu richtigen Ergebnissen führt, war unter den Teilnehmern umstritten.