Florian Reuther, designierter Verbandsdirektor des PKV-Verbandes
Florian Reuther, designierter Verbandsdirektor des PKV-VerbandesQuelle: Monika Lier
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Reuther, PKV: "Wir haben die Kosten im Griff, es droht keine Kostenexplosion"

Von Monika LierTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Beim Ausbau der Pflegeversicherung zu einer "Vollkasko-Pflege" hat sich der designierte Direktor des PKV-Verbandes - wenig überraschend - für das Kapitalumlageverfahren ausgesprochen. "Die Umlage ist ein Irrweg", sagte Florian Reuther auf dem 23. Kölner Versicherungssymposium des Instituts für Versicherungswesen der Technischen Hochschule Köln. Der Leiter der Rechtsabteilung des Verbands der privaten Krankenversicherung (PKV) wird im Februar 2019 neuer Verbandsdirektor.

Zehn Jahre nach dem Zusammenbruch von Lehman Brothers sei die Skepsis gegen Kapitaldeckung zwar noch weit verbreitet. "Für die private Kranken- sowie die Pflegeversicherung funktioniert sie aber sehr gut", sagte Reuther und verwies auf Branchenzahlen: Danach haben die PKV-Unternehmen 2017 trotz Niedrigzinsphase eine Nettoverzinsung von durchschnittlich 3,46 Prozent erwirtschaftet. Rund 20 Prozent ihrer Einnahmen kamen aus den Kapitalerträgen. Die Alterungsrückstellung verdoppelten sich in den letzten zehn Jahren auf 245 Mrd. Euro und könnten damit neun Jahre die Leistungsausgaben der Privatversicherten finanzieren. Trotz dieser erheblichen Vorsorge entwickelten sich die Kosten aber parallel zur gesetzlichen Krankenversicherung, die im Zuge des Umlagesystems keine Rückstellungen bilde. "Wir haben die Kosten im Griff, und es droht keine Kostenexplosion", so Reuther.

Für die 1995 eingeführte Pflegepflichtversicherung zahlten die privat Versicherten seit 2008/9 weniger als die gesetzlich Versicherten. Dabei hätten die PKV-Unternehmen auch hier bereits 34,5 Mrd. Euro Alterungsrückstellungen aufgebaut. Darüber hinaus sei die private Pflichtlösung ein Treiber im Systemwettbewerb und sorge für mehr Qualität wie das Beispiel der aufsuchenden Pflegeberatung zeige. Bei der Finanzierung vollstationärer Pflege durch die Pflegeversicherung sowie die gesetzliche Rente klafft derzeit durchschnittlich eine Lücke von 1.780 Euro. Um diese zu finanzieren, wird eine Erweiterung der Pflegeversicherung im Sinne eines "Vollkasko"-Modells diskutiert.

Die PKV hält Reuther für ein "Wachstumsfeld, auch wenn das im Moment nicht so sichtbar ist." Die Zahl der Vollversicherten sei seit 2006 um 3,5  auf 8,75 Millionen Personen gewachsen. Bei den Zusatzversicherten betrug der Zuwachs in dieser Zeit sogar 40 Prozent auf 25,52 Millionen. "Niemals gab es so viele Zusatzversicherungen wie jetzt. Es gibt einen Bewusstseinswandel, aber die Zahl lässt auch einen Rückschluss auf den Zustand der GKV zu."

PKV · Umlageverfahren · Pflegeversicherung
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