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Unternehmen & Management

Standard Life kontert Mogel-Vorwürfe von Blau Direkt

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Nutzt Standard Life den Brexit um sich LV-Verpflichtungen herumzumogeln? Das Unternehmen hat in Folge des Brexits die Lebensversicherungs-Verträge zu einer irischen Tochter verlagert, Kritiker wittern eine Benachteiligung der Kunden, das Unternehmen bestreitet die Sachlage entschieden.

Zu dem Vorgang des Verschiebens der Vertragsauslagerung hat Blau-Direkt-Chef Oliver Pradetto eine klare Meinung: "Die Risiken werden in eine finanziell schlecht ausgestattete Unternehmenstochter abgeschoben und damit gleichzeitig jeglicher Sicherheit beraubt, die normalerweise in Deutschland und Britannien gesetzlich verankert sind. Das Sicherungsprinzip der Lebensversicherung wird ad absurdum geführt."

 

Das Unternehmen widerspricht: "Unsere Kunden werden durch aufsichtsrechtliche Vorschriften zum Insolvenzschutz auch nach der Übertragung des Geschäfts auf die Standard Life International DAC geschützt. Diese Vorschriften beruhen auf einer EU-Richtlinie, die insoweit mit den in Deutschland geltenden Vorschriften vergleichbar ist. Danach werden die Ansprüche der Kunden aus Lebensversicherungen im Umfang eines sogenannten Sicherungsvermögens geschützt."

 

Selbst bei einem Worst-Case-Szenario wären die Kunden laut Unternehmen abgesichert: "Im Fall einer Insolvenz, des Für den Fall, dass Standard Life International DAC wider Erwarten insolvent gehen sollte, stehen diese Kapitalanlagen vorrangig für unsere Kunden zur Verfügung. Das bedeutet: Unsere Kunden werden bei Geschäftsausfall zuerst aus diesem Sicherungsvermögen bedient (abgesehen von den Kosten für das Insolvenzverfahren)."  Zudem wären Kundengelder auch nach irischem Recht geschützt.

 

Eine Bestandsübertragung wie die vorgenommene erfolge nur mit Zustimmung der jeweils maßgeblichen Aufsichtsbehörden. In Fall von Standard Life würden die Regeln des Part VII-Transfers gelten und es entscheide "ein unabhängiges Gericht in Großbritannien unter Einbeziehung aller Aufsichtsbehörden wie der Bafin in Deutschland".

Die beteiligten Institutionen würden "ausführlich prüfen", ob die Belange der Versicherungsnehmer "hinreichend gewahrt" und die Rechte der Versicherungsnehmer "ausreichend geschützt" sind. Im Übrigen werde die Übertragung der Bestände der zweitgrößte irische Lebensversicherer entstehen und die Central Bank of Ireland achtet als zuständige Aufsicht "sehr genau auf die Kapitalisierung des Unternehmens".

 

Größe als Sicherheit?

 

Für weitere Sicherheit sorge laut Unternehmen zudem die Tatsache, dass die Standard Life International künftig als Teil der Phoenix Gruppe, circa 10,4 Millionen Versicherungsnehmern und mit 240 Milliarden Pfund verwaltetem Vermögen, einer der größten Lebensversicherer Europas sein wird.

 

Auf die Frage nach der Einrichtung einer Deutschlandtochter schreibt das Unternehmen: " Nach intensiver Prüfung haben wir uns dafür entschieden, den Weg über Standard Life International in Dublin zu wählen. Ein ganz wichtiger Grund für diese Entscheidung war, dass With-Profit-Produkte im deutschen VAG nicht geregelt sind. Anders sieht es dagegen in Irland aus, wo die irische Aufsicht der britischen in vielen Punkten sehr ähnlich ist."

 

Wichtig sei weiterhin, dass die Gründung eines neuen Lebensversicherers in Deutschland sehr zeitaufwendig wäre und Standard Life in Irland bereits auf die Standard Life International zurückgreifen konnte. Daher sei die Entscheidung pro Irland naheliegend gewesen.

 

"Wir haben entschieden, in ein Land zu gehen, das auch nach dem Brexit EU-Mitglied ist, um die bestehenden Verträge erhalten zu können und unseren Verpflichtungen weiterhin nachkommen zu können. Das Vorhaben wirkt sich nicht auf die garantierten Leistungen aus, die Kunden im Rahmen ihres Versicherungsvertrags erhalten. Die Entscheidung hat auch nichts damit zu tun, dass sich Standard Life irgendwelcher Risiken entledigen möchte."

 

Answer your critics

 

Pradetto äußerte harte Kritik an Standard-Life: "Neuer Eigentümer ist eine bislang mittellose Ausgründung, die ihrerseits im Besitz einer haftungsbeschränkten Limited ist. Die Standard Life entledigt sich damit sämtlicher Risiken ihrer europäischen Bestände.“

 

Der Vorwurf, dass es sich um eine mittellose Ausgründung handelt, ist für den Versicherer "absolut haltlos". Dass die Standard Life International im Besitz einer haftungsbeschränkten Limited wäre, sei "nicht zutreffend".
Standard Life · Blau Direkt · Brexit · Lebensversicherungsmarkt
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