Gelöschter Waldbrand in Kalifornien
Gelöschter Waldbrand in KalifornienQuelle: picture alliance / Xinhua News Agency
Politik & Regulierung

Milliardenschäden: Stromversorger schuld an Waldbränden in Kalifornien

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Erste Klagen wurden bereits eingereicht. Defekte Stromleitungen des Stromversorgers Pacific Gas & Electric (PG&E) haben wahrscheinlich zu den verheerenden Waldbränden geführt. Bereits 2017 mussten Versicherer 16 Mrd. Dollar an Schäden durch kalifornische Feuer begleichen. Nun wird es für viele Hausbesitzer noch schwieriger werden, bezahlbare Wohngebäude-Policen zu finden.

Die Zahl der Toten durch das "Camp"-Feuer in Norden Kaliforniens steigt auf 48. Im Süden Kaliforniens bei Malibu nordwestlich von Los Angeles wütet das „Woolsey“-Feuer weiter. Beide Brände, die bereits Hunderte Quadratkilometer Wald und Tausende Häuser zerstört haben, sind bislang nur zu etwas mehr als einem Drittel eingedämmt. Die Villen von zahlreichen Stars, u.a. Thomas Gottschalk,  Miley Cyrus und Gerard Butler sind abgebrannt. Der US-Rapper Kanye West und seine Frau Kim Kardashian hatten Medienberichten zufolge ihr Anwesen in Hidden Hills mit privaten Feuerwehrleuten vor dem "Woolsey"-Feuer schützen können.

 

Die Versicherungswirtschaft rechnet mit Milliardenschäden. Anfang der Woche schätzte Morgan Stanley allein die Schäden für das Camp Fire in einer Höhe von vier Mrd. Dollar. Moodys beziffert inzwischen die Kosten für Erst- und Rückversicherer auf sechs Mrd. Dollar. Neben Wohngebäudeversicherern werden vor allem Hausrat- und Kfz-Versicherer zahlen müssen. In diesen Sparten sind State Farm, Farmers Insurance, Liberty Mutual und Allstate in Kalifornien führend. Europäische Rückversicherer haben sich nach den Waldbränden 2017 aus dem Markt verabschiedet, dürften demnach nicht stark betroffen sei.

 

Haftpflichtversicherung reicht nicht aus

2017 mussten Versicherer 16 Mrd. Dollar an Schäden durch kalifornische Feuer begleichen, das vierfache aus dem Schadenjahr 2016. Gleichzeitig sind die Beiträge in gefährdeten Gebieten um 217 Prozent gestiegen. Viele Versicherer haben die Auszahlungssumme stark begrenzt, andere Anbieter weigern sich, überhaupt Policen für Feuerrisiken anzubieten. Die jährlichen Versicherungsauszahlungen überschritten die 1-Milliarde-Dollar-Schwelle bisher nur neunmal seit 1990. 2018 dürfte das vierte Jahr in Folge sein. Viele der kalifornischen Hausbesitzer haben ihre private Brandschutzversicherung verloren. Die von Staat Kalifornien subventionierte Versicherung FAIR hat seit 2015 einen Zuwachs von 35 Prozent an neuen Policen zu verzeichnen.

 

Medien berichten, dass die Ursache für das "Camp"-Feuer defekte Stromleitungen oder andere fehlerhafte Anlagen des Stromversorgers Pacific Gas & Electric (PG&E) ist. Dokumentiert ist, dass Mitarbeiter des Unternehmens per Email über "Probleme mit Funken" am Tag vor Ausbruch des Feuers kommunizierten. Sollten sich das bewahrheiten, müsste das Unternehmen nach kalifornischem Recht für alle Schäden haften, unabhängig davon, ob es fahrlässig gehandelt hat oder nicht. Das kalifornische Amt für Forstwesen und Brandschutz beschuldigt PG&E durch ähnliche Mängel 16 Großfeuer im vergangenen Jahr ausgelöst zu haben. Der Energieversorger steht deshalb bereits in 200 Fällen vor Gericht. Am Montag sind erste Klagen gegen das Unternehmen in Bezug auf die neuen Brände eingereicht worden. Erst im August dieses Jahres hat PG&E als Zedent über den Bermuda-Anbieter Cal Phoenix Re eine Katastrophenanleihe platziert. Neu daran war, dass sie reine Risiken durch Feuer decken sollen. Der 200 Mio. Dollar schwere Bond, der PG&E als Haftpflichtversicherung dient, dürfte bei weitem nicht ausreichen, um die Schäden zu begleichen. Die Aktien des Unternehmens sind am 8. November von 42 Dollar inzwischen auf 29 Dollar (Stand: 14.11.2018) gefallen.

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