Katja Gerke, Susanne Justen und Wiebke Weber (v.l.n.r.)
Katja Gerke, Susanne Justen und Wiebke Weber (v.l.n.r.)Quelle: Monika Lier
Politik & Regulierung

Agilität braucht Zeit, Mut und Geld

Von Monika LierTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Auch wenn "Agilität" in aller Munde ist, laufen die Umbauten zu "agilen Versicherern" nicht mühelos. "Agilität ist eine Riesenherausforderung. Das ist ein Marathon und kein Sprint", sagte Susanne Justen, Head of People Experience Operations der Axa Konzern AG, am Mittwoch auf der 4. Top-Managerinnen-Konferenz der deutschen Versicherungswirtschaft des AGV. Es brauche Zeit und Mut für diesen neuen Prozess.

Erst wenn agiles Arbeiten ausreichend eingeübt sei, könne man sich auch an die Strukturen wagen, ergänzt Wiebke Weber. Die Direktorin für IT Architektur und Strategie der Allianz Deutschland AG warnt davor, die klassische Arbeitswelt der Branche mit neuen agilen Teams "ungesteuert in Verbindung" zu bringen. "Die größere Einheit, also die klassische Welt, frisst die Kleinen auf, weil deren Masse zu klein ist. So kommt nicht es nicht zum gewünschten Schneeballeffekt." Die zwei agilen Trainingszentren der Allianz in Stuttgart und Unterföhrung mit rund 200 Mitarbeitern in 27 Teams haben bereits 20 Produkte entwickelt. Die Teams haben jeweils maximal 100 Tage für die Entwicklung Zeit. Um den Austausch zwischen "alter und neuer Welt" zu erleichtern, arbeiten die Beschäftigten 80 Prozent ihrer Zeit in der "digital factory" und 20 Prozent an ihrem bisherigen Arbeitsplatz. Die beiden Arbeitsformen werden nach Einschätzung von Weber auch künftig nebeneinander existieren. "Agilität ist derzeit sicherlich ein Trend oder vielleicht auch schon Hype, aber es wird immer beide Formen geben. Man muss achtsam schauen, wo agiles Arbeiten Sinn macht – und wo nicht", so Weber. Die Teams bräuchten Zeit, sich zu finden. Gefährlich sei es, sie direkt mit Effizienzaspekten zu konfrontieren. In agiles Arbeiten müsse zunächst investiert werden.

"Wir merken, dass wir mit neuen Zusammenarbeits- und Führungsformen erfolgreich sein können", berichtete Katja Gerke, Leiterin der Personalentwicklung Versicherungskammer Bayern. Aber auch sie warnt davor, alles auf "Agilität" umzustellen. "Man sollte auf keinen Fall jetzt überall Scram-Teams bilden. Und es ist auch nicht alles neu: Projekte zu Themen wie Selbstverantwortung von Mitarbeitern und Teamgeist gab es auch vorher schon. Wir haben auch schon in der klassischen Linie mit vielem experimentiert." Die Referentinnen, aber auch einige der 150 Konferenzteilnehmerinnen, betonten Aspekte wie die Notwendigkeit des Kulturwandels und der transparenten Information. Alle Mitarbeiter und die Betriebsräte für diesen Prozess zu begeistern, sei nicht immer einfach. Justen riet hier unter anderem zu den "spielerischen Elemente" in den neuen Arbeitsformen („das machen alle gerne“) und Betonung der neuen Gestaltungsmöglichkeiten für die Mitarbeiter. Huk-Coburg-Vorständin Sarah Rössler, die den AGV-Branchenbeirat "Frauen in Führung" leitet, geht davon aus, dass Frauen tendenziell von der neuen Arbeitsweise profitieren, da sie im Allgemeinen lieber kooperativ zusammenarbeiteten.

AGV · Topmanagerinnen-Konferenz 2018
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