Kfz-Schäden in Deutschland
Kfz-Schäden in DeutschlandQuelle: Erich Kasten / PIXELIO (www.pixelio.de)
Politik & Regulierung

Generali: Berlin ist deutsche Karambolage-Hauptstadt 2018

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Ob Dieselskandal, Fahrverbote in deutschen Innenstäden oder teure Spritpreise: Das Auto ist und bleibt weiterhin des Deutschen liebstes Kind. Nach Angaben des Kraftfahrtbundesamtes wurden in den ersten zehn Monaten dieses Jahres insgesamt 2.926.046 Pkw neu zugelassen, ein Plus von 1,4 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Ebenso wie die Zahl der Fahrzeuge nehmen indes auch die Blechschäden jedes Jahr zu. Die Zahl der Personenschäden ist allerdings rückläufig. Dies geht aus dem neuen Karambolage-Atlas 2018 der Generali Deutschland hervor, iüber 700.000 Schadenfälle aus den Jahren 2015 und 2017 ausgewertet wurden.

Das Ergebnis: Allein 2017 hatte mehr als jeder neunte Fahrzeughalter einen Kfz-Schaden, die Kosten lagen dabei durchschnittlich bei 2.300 Euro pro Schaden. Die meisten Unfälle passieren demnach am Ende eine Arbeitswoche und in den Sommermonaten. Schadentröchtigster Monat ist demnach der Juni mit einem Anteil von 9,9 Prozent an allen Schäden. Die wenigsten Schäden gibt es indes im Dezember (Anteil: 7,5 Prozent). Die schadenträchtigsten Wochentage sind dabei der Donnerstag mit einem Anteil von 16,7 Prozent und der Freitag (16,6 Prozent). Die wenigsten Schäden gibt es hingegen am Sonntag (Anteil: 8,3 Prozent). "Für die Verteilung der Schadenfälle mag es vielschichtige Gründe geben. Wir gehen davon aus, dass die meisten Fahrer in den kalten und dunklen Monaten eher vorsichtig unterwegs sind. In den wärmeren Monaten scheint es auf Deutschlands Straßen – möglicherweise bedingt durch die Ferien und die Motorradsaison - hektischer zuzugehen", konstatiert Roland Stoffels, Vorsitzender der Geschäftsführung der Generali Deutschland Schadenmanagement GmbH. 

Ein weiterer Trend: Der Anteil von PS-starken Fahrzeugen am Umfallgeschehen ist deutlich höher als bei motorschwachen Fahrzeugen. So kommen Fahrzeuge mit 250 bis 300 Pferdestärken auf eine Schadenhäufigkeit von 19,9 Prozent, Autos mit einer PS-Leistung von weniger als 75 Prozent nur auf sechs Prozent. Die meisten Unfälle verusachen dabei die Besitzer eines Fahrzeuges der Edel-Hersteller aus Stuttgart (Mercedes-Benz: 5,4 Haftpflicht-Schäden pro Jahr je 100 Versicherte) und München (BMW: 5,2 Haftpflicht-Schäden). Scheinbar vorsichtiger sind dagegen offenbar Fahrer von Fiat und Skoda unterwegs, deren Haftpflicht-Schadenhäufigkeit nur bei 4,6 Prozent liegt. Untersucht wurden dabei die zehn häufigsten Automarken in Deutschland. Übrigens: Die Schadenhäufigkeit der Geschlechter unterscheidet sich nur geringfügig (männliche Versicherungsnehmer 11,4 Prozent; weibliche Versicherungsnehmer 12,5 Prozent).

Steigende Sachschäden und sinkende Personenschäden

Mehr als ein Drittel (34,2 Prozent) der Schäden entfallen dabei auf Sachschäden, gefolgt von Glasschäden (Scheinwerfe, Windschutzscheibe und diverse Glasteile) mit einem Anteil vom 29,7 Prozent. Den größten Anteil an den Gesamtkosten haben demnach ebenfalls die Sachschäden mit einem Anteil von 33,2 Prozent, gefolgt von den Personenschäden mit einem Anteil von 3,17 Prozent. Fast jeder zehnte Schaden verursacht dabei Reparaturkosten von mehr als 5.000 Euro und jeder vierte Schaden ist teuer als 2.500 Euro. Der Anteil von Schäden über 10.000 Auro macht allerdings nur ein Drittel der Gedamtkosten aus. Positiv ist allerdings: "Die wichtigste Erkenntnis unserer Untersuchung: Dank verbesserter Technik und vieler Sicherheitssysteme werden nur bei weniger als vier Prozent aller Schäden Menschen verletzt. Dies ist ein großer Erfolg, denn Personenschäden im Straßenverkehr sind oft dramatisch", betont Stoffels. Insgesamt wurden rund 300 Mrd. Euro für die Versorgung von Unfallopfern im Straßenverkehr gezahlt, so die Generali.

Berlin ist der ultimative Spitzenreiter

Eine weitere Erkenntnis: Je mehr Menschen auf engem Raum leben, desto höher liegt die Schadenhäufigkeit. Daher verwundert es natürlich wenig, dass die drei deutschen Stadtstaaten Berlin (15,5 Prozent), Hamburg (15,4 Prozent) und Bremen (13,5 Prozent) bei der Schadenhäufigkeit natürlich an der Spitze liegen. Schlusslichter sind Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern mit einer Schadenhäufigkeit von jeweils 10,8 Prozent. Der bundesweite Durchschnitt liegt bei 11,7 Prozent. Auch bei der Schadenhäufigkeit liegt Berlin (2.895 Eur) an der Spitze vor Hamburg (2.824 Euro) und Nordrhein-Westfalen. Schlusslicht ist Sachsen mit einer durchschnittlichen Schadenhöhe von 1.976 Euro. Der bundesweite Durchschnitt liegt bei 2.289 Euro.
Durchschnittliche Schadenhäufigkeit in Deutschland
Durchschnittliche Schadenhäufigkeit in DeutschlandQuelle: Generali Deutschland

Kfz-Versicherer leiden unter steigenden Schadenaufwendungen

Daher verwundert es auch nicht, dass die Kfz-Versicherer in den vergangenen Jahren unter steigenden Schadenquoten leiden. Lagen diese im Jahr 2015 noch bei durchschnittlich 80,71 Prozent, lag diese 2016b schon bei 82,29 Prozent und 2017 immerhin bei 83,20 Prozent. Dies geht aus dem aktuellen "Branchenmonitor Kfz-Versicherung 2015-2017", für den Vers Leipzig in Kooperation mit der Yougov Deutschland GmbH die Jahresabschlusskennzahlen der jeweils 50 größten Versicherungsunternehmen untersucht hat. Die besten Schadenquoten wiesen demnach die Concordia (69,40 Prozent), die VHV (70,99 Prozent) und die Öffentliche Sachversicherung Braunschweig (71,67 Prozent) auf. Die höchsten Schadenquoten wiesen indes die Huk-Coburg (88,58 Prozent), die S Direkt (88,71 Prozent) und die Bruderhilfe (88,72 Prozent) auf. Die schlechteste Combined Ratio wies indes die Basler Sachversicherung mit 120,19 Prozent auf, gefolgt von der Axa easy mit 111,84 Prozent und der Alten Leipziger mit 110,79 Prozent auf.
Ingesamt sei 2017 für die Kfz-Versicherer in "durchwachsenes" Jahr gewesen, konstatiert Projektleiter Clemens Wilde. So stiegen die Bruttoprämien der 50 untersuchten Versicherer zwischen 2015 und 2017 von 454,77 Mio. Euro auf 474,84 Mio. Euro, die Anzahl der abgeschlossenen Verträge stieg von 1.975.777 auf 2.029.403 Policen. Zum Vergleich: Nach Angaben des Branchenverbandes GDV verzeichtneten die 91 Kfz-Versicherer im vergangenen Jahr Beitragseinnahmen von 26,956 Mrd. Euro, einem Plus von 4,0 Prozent gegenüber 2016. Die Schadenaufwendungen stiegen 2017 um 3,9 Prozent auf 23,649 Mrd. Euro. Die Schadenquote lag bei 88,1 Prozent (2016: 88,2 Prozent), die Combined Ratio bei 98,0 Prozent (2016: 98,9 Prozent).

Weniger Autodiebstähle und höhere Schäden

Eine ganz ähnliche Entwicklung weist der Autodiebstahl-Report des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) auf. So wurden allein im Jahr 2017 insgesamt 17.493 Pkw ihren rechtmäßigen Besitzern entwendet, einem Rückgang von immerhin vier Prozent gegenüber dem Vorjahr. Aber: Der wirtschaftliche Schaden stieg um acht Prozent auf fast 324 Mio. Euro. Der Grund: Die durchschnittliche Entschädigung für einen Diebstahl erreichte mit rund 18.500 Euro (+13 Prozent) eine neue Rekordhöhe. Dabei standen vor allem luxuriöse SUVs und Limousinen von Premium-Herstellern bei den Autodieben besonders hoch im Kurs. Besitzer von Kleinwagen und Opel-, Fiat- oder Citroen-Fahrer müssen sich eher geringe Sorgen um einen Diebstahl ihrer Autos machen.
Diebe klauen immer teurere Autos
Diebe klauen immer teurere AutosQuelle: GDV
Trauriger Spitzenreiter im Vergleich der Bundesländer und Stadtstaaten ist dabei ebenfalls die Bundeshauptstadt: So verzeichnet Berlin mit 3,6 von 1.000 kaskoversicherten Pkw die mit Abstand höchste Diebstahlquote in Deutschland vor Hamburg (1,9), Leipzig (1,3), Hannover (1,2) und Dresden (1,0). Schlusslichter waren Bayern und Baden-Württemberg mit einer Quote von jeweils 0,1 Diebstählen je 1.000 kaskoversicherten Fahrzeugen. Der Bundesdurchschnitt lag bei 0,5. Die meisten Autodiebstähle verzeichnete Nordrhein-Westfalen mit 3.729 (minus zehn Prozent) vor Berlin mit 3.355 (minus 4,1 Prozent) und mit 1.531 (plus 3,2 Prozent). In Hessen zahlten die Kfz-Versicherer im vergangenen Jahr die höchsten Schadenssummen mit durchschnittlich 25.566 Euro, gefolgt von Hamburg (22.719 Euro) und Bayern (20.341 Euro). Am billigsten kamen die Versicherungskonzerne indes im Saarland mit durchschnittlich 8.939 Euro davon.
Generali Deutschland · Kfz-Versicherer · Verkehrsunfälle
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