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DFV: Wieso der Börsenrückzieher nicht überraschend kam

Von Peter HermannTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Börsengänge oder IPOs ("Initial Public Offering" - zu deutsch "Erstes öffentliches Angebot") sind bei Anlegern sehr beliebt. Lassen sich doch – wenn es gut läuft – innerhalb kürzester Zeit hervorragende Gewinne generieren. Dagegen ist das Risiko überschaubar, da bereits im Vorhinein ein fixer Ausgabepreis bestimmt wird. Diese Rechnung geht umso besser auf, je robuster sich der allgemeine Zustand der Börse zeigt. Manchmal ist es aber auch besser, ein geplantes IPO einfach einmal zu verschieben.

So wie gerade geschehen: Die Deutsche Familienversicherung DFV hat ihren für den 14. November vorgesehenen Börsengang auf Eis gelegt. Als Grund bezeichnete die Gesellschaft in einer Pressemitteilung das schwierige Kapitalmarktumfeld. Zunächst wurde kein neuer Termin bestimmt. Das Unternehmen hatte erst vor Kurzem den erwarteten Emissionserlös nach unten korrigiert - von höchstens 100 auf maximal 79 Mio. Euro.

Die Deutsche Familienversicherung mit dem Sitz in Frankfurt hatte beabsichtigt, die Einnahmen in weiteren Wachstum zu investieren. Die Aktiengesellschaft verwaltet derzeit 420.000 Policen aus den Geschäftsfeldern Sachversicherungen, Haftpflicht- und Unfallversicherung. Daneben werden Kranken- und Lebensversicherungen bzw. Altersvorsorgeprodukte vertrieben. Das 2007 gegründete Unternehmen verzeichnete im Jahr 2017 gebuchte Bruttobeiträge von etwas mehr als 79 Mio. Euro.

Die Absage oder das Verschieben eines Börsengangs ist nicht unüblich, Marktteilnehmer konnten einen solchen Vorgang bereits mehrfach beobachten. Denn wenn -  wie gerade jetzt - die Skeptiker an den Aktienmärkten das Sagen haben, ist es auch mit einem Börsengang gar nicht so einfach. Und das gilt nicht nur für Investoren sondern auch für die Unternehmen selbst, die sich von dem Gang an die Börse meist zusätzliches Kapital für die Finanzierung ihrer zukünftigen wirtschaftlichen Entwicklung erhoffen. Zu Zeiten schwächelnder Märkte ist es nämlich gar nicht so sicher, dass sämtliche Aktien zum vorgesehenen Preis abgesetzt werden können.  

Ein Beispiel dafür kann der Börsengang des Versicherers Talanx im Jahr 2012 gelten, der erst im zweiten Anlauf gelang. Die Gesellschaft, die bereits seit Langem damit geliebäugelt hatte, erlöste bei ihrem IPO im Oktober 2012 knapp 480 Mio. Euro. Talanx hatte Mitte Juli sein geplantes Vorhaben überraschend abgesagt, weil die erhofften 700 Mio. Euro nicht hätten erzielt werden können. Allerdings nahm die Gesellschaft die Vorbereitungen für einen entsprechenden weiteren Versuch wieder auf. Die Erwartungen an die Höhe des Erlöses wurden jedoch auf 500 Mio. Euro zurückgeschraubt.

Im Gegensatz hierzu konnten sich entsprechend positionierte Anleger im Jahr 2018 auch bereits über erfolgreich verlaufene IPOs freuen. Noch zu Jahresbeginn attestierten internationale Experten dem deutschen Börsenumfeld einen großen Nachholbedarf im Hinblick auf Börsengänge. Als rundum gelungenes Debüt am heimischen Aktienmarkt gilt der Börsengang von Siemens Healthineers Mitte März dieses Jahres. Die mehrfach überzeichnete Emission der Tochtergesellschaft des größten deutschen Technologiekonzerns hatte einen ersten Xetra-Kurs von 29,10 Euro verzeichnet und lag damit rund vier Prozent über dem Ausgabekurs von 28 Euro. Sofort im Anschluss war die Aktie weiter auf 29,90 Euro geklettert. Aktuell, also etwa ein halbes Jahr später, kostet ein Anteilschein von Siemens Healthineers rund 38 Euro.

Dennoch hat sich die Stimmung an den Börsen in der Zwischenzeit deutlich eingetrübt, so dass die Einschätzung des DFV-Managements (schwieriges Kapitalmarktumfeld) durchaus nachvollziehbar erscheint. Die kaum zu antizipierende Handelspolitik des derzeitigen US-Präsidenten dämpft die Laune der Marktteilnehmer auf dem gesamten Globus. So hat etwa das Münchner Ifo-Institut ganz aktuell das Klima in der Weltwirtschaft so schlecht wie seit über zwei Jahren nicht mehr eingestuft. Zu Beginn dieser Woche hatten die Experten bekannt gegeben, das Barometer sei im vierten Quartal von plus 2,9 Punkte auf minus 2,2 Punkte gefallen. Daher sollte sich auch niemand darüber wundern, dass die DFV derzeit von einem Börsengang Abstand nimmt.

DFV Deutsche Familienversicherung AG · Börsengang
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