Stefan M. Knoll
Stefan M. KnollQuelle: DFV
Schlaglicht

Börsengang abgesagt: DFV scheitert an der eigenen Hybris

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Die "Deutsche Familienversicherung will an die Börse" titelte VWheute im Juli. Rund 100 Mio. Euro wollte das selbsternannte Insurtech damit einsammeln und in den Vertrieb stecken. Und nun: der Rückzieher!
"Die DFV Deutsche Familienversicherung AG und ihre bestehenden Aktionäre haben heute gemeinsam entschieden, den geplanten Börsengang der DFV aufgrund des schwierigen Kapitalmarktumfelds zu verschieben", heißt es in einer am Freitagabend veröffentlichten Ad-hoc-Mitteilung. Vielmehr beabsichtige man, "das Kapitalmarktumfeld im Allgemeinen und Möglichkeiten bezüglich der Wiederaufnahme des Börsengangs zu einem späteren Zeitpunkt zu beobachten und zu bewerten".
"Alle Investoren haben uns die Ausnahmestellung der DFV bestätigt. Regelmäßig wurden aber das schlechte Marktumfeld und die damit in Zusammenhang stehenden Verluste bei den Anlegern als Begründung aufgeführt, warum in diesem Jahr nicht mehr in einen IPO investiert werde. Ersteres werten wir als eine eindrucksvolle Bestätigung unserer Stellung als Insurtech und letzteres war zum Zeitpunkt der Entscheidung an die Börse zu gehen nicht absehbar", begründete Firmenchef Stefan M. Knoll die Entscheidung.
Erst Mitte Oktober gab man sich angesichts des geplanten Börsengangs noch optimistisch: " "Jetzt ist die Chance, um Wachstum zu generieren, bevor die Wirtschaft in absehbarer Zeit abschwächt", betonte Knoll damals. Wir spürten eine enorme Nachfrage nach digitalen Services. Wir sind diejenigen, die diese Nachfrage glaubhaft und technisch hochwertig bedienen können. Die Möglichkeit, durch den Börsengang neben transaktionsbezogener Werbung verstärkt in Branding und klassische Werbung investieren zu können, wird nach unserer Ansicht zu einem enormen Anstieg des Neukundengeschäftes führen", ergänzte Vertriebsvorstand Stephan Schinnenburg.
Mit dem Rückzieher reiht sich die DFV jedenfalls in die lange Liste gescheiterter Emmissionen ein. Erst in jüngster Vergangenheit hatten der Elektroroller-Bauer Govecs, die Beteiligungsfirma Primepulse, der Arzneimittel-Importeur Abacus Medicine aus Dänemark und der Spezial-Anlagenbaer Exyte ihre Pläne für einen Börsengang in Frankfurt begraben müssen.
Rund 100 Mio. Euro hatte sich das Frankfurter Unternehmen ursprünglich von dem Börsengang erhofft, der eigentlich am 14. November über die Bühne gehen sollte. Dabei wollte das Unternehmen etwa 3,5 Millionen neue Aktien ausgeben. Zudem war Medienberichten zufolge eine Mehrzuteilungsoption aus 525.000 Aktien aus dem Bestand eines Altaktionärs vorgesehen. Allerdings hatte die Familienversicherung ihren erwarteten Emissionserlös dann jüngst doch deutlich nach unten geschraubt - und zwar auf höchstens 79 Mio. Euro.
DFV Deutsche Familienversicherung AG · Börse
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