VKB-Vorstand Barbara Schick im Gespräch mit BR-Moderatorin Anouschka Horn.
VKB-Vorstand Barbara Schick im Gespräch mit BR-Moderatorin Anouschka Horn.Quelle: VKB
Politik & Regulierung

VKB will Verbraucher wetterfest gegen Naturgefahren machen

Von Alexander KasparTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Extreme Wetterlagen haben in den letzten Jahren deutlich zugenommen, katastrophale Ereignisse können heute jeden betreffen. Obwohl hier die Versicherungswirtschaft mit zahlreichen Produkten die Möglichkeit zur Schadenminimierung bis hin zum existenziellen Schutz offeriert, nutzen immer noch viel zu wenig Hausbesitzer diese Angebote. Stand heute sind z.B. im Freistaat Bayern lediglich 32 Prozent der Gebäude mit einer erweiterten Elementarschadenpolice ausgestattet. Dabei könnte die Durchdringung, bis auf ganz wenige Ausnahmen, bei annähernd 100 Prozent liegen. Ein weites Feld für die Branche, zumal in Bayern staatliche Soforthilfen im Katastrophenfall zum 1. Juli 2019 beendet werden. Unterstützung erhält dann nur der Hausbesitzer, der sich im Rahmen seiner Möglichkeiten auch versichert hat.
Sensibilisierung, Aufklärung, Prävention und Kooperation. So lauten im Freistaat die wichtigsten Stichworte beim Kampf gegen Naturkatastrophen und extreme Wetterereignisse. Damit hat man in Bayern, den wetterdominierenden Alpen und ihren Einzugsgebieten sei Dank, bereits seit Jahrhunderten einige Erfahrungen gesammelt. Auf dem Naturgefahren Forum der Versicherungskammer Bayern mit rund 150 Teilnehmern diskutierten Politiker, Wissenschaftler und Experten der Versicherungswirtschaft unter dem Motto "#Wetterfest - gemeinsam vor Naturgefahren schützen" über die sich ändernden Klimaverhältnisse und die sich daraus ergebenden Konsequenzen.
Barbara Schick, stellvertretende Vorsitzende des Vorstands und verantwortlich für die Schaden- und Unfallversicherung im Konzern Versicherungskammer, erläuterte, dass nach wie vor viele Immobilienbesitzer die Gefahr, Opfer von Starkregen oder Hochwasser zu werden, unterschätzen: "In den vergangenen Jahren haben wir das mehrfach erlebt. Und zwar gerade in Gegenden in Gegenden, in denen kein Mensch damit gerechnet hat, dass ein kräftiger Starkregen nahezu alles zerstören kann." Klimaexperte Peter Höppe, ehemaliger Bereichsleiter Geo Risk Research/Corporate Climate Centre beim weltgrößten Rückversicherer Munich Re, ergänzt: "In Bayern sind es vor allem Schäden durch gewitterbedingte Ereignisse wie Hagel und Starkniederschläge, die einen ansteigenden Trend aufweisen." Für ganz Deutschland bedeutet das laut einer Studie des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), dass sich die Überschwemmungsschäden bis 2100 verdoppeln, wenn nicht sogar verdreifachen können. "Ursache dafür ist", so die Erkenntnis des Experten, "mit großer Wahrscheinlichkeit der gestiegene Feuchtgehalt der Atmosphäre, der durch die globale Erwärmung bedingt ist".
Vor diesem Hintergrund sieht Martin Grambow, Ministerialdirigent im Bayerischen Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz, deshalb Hochwasserschutz als zentrales Zukunftsthema: "Bayern wird hier bis 2030 insgesamt 4,8 Mrd. Euro investieren. Dabei setzt der Staat auf die Kombination von natürlichem Rückhalt, technischem Hochwasserschutz und Hochwasservorsorge. Ein weiterer wichtiger Baustein sei die Bewusstmachung des Hochwasserrisikos im Rahmen der EG-Hochwasserrisikomanagement-Richtlinie. "Dennoch kann es keinen hundertprozentigen Schutz vor Hochwasser geben", so Grambow weiter, denn "wichtig ist deshalb, dass sich die Bürger vor eventuellen Schäden durch entsprechende Elementarschadenversicherungen für Gebäude und Hausrat individuell schützen".
Und wer dies ab Juli 2019 dann immer noch nicht getan hat, wird später keine staatlichen Soforthilfen im Ernstfall erwarten können. "Während in Deutschland heute 41 Prozent aller Gebäude mit einer Elementarschadenversicherung gegen Naturgefahren wie z.B. Überschwemmung, Rückstau, Starkregen, Lawinen, Schneedruck, Erdbeben und Erdrutsch versichert sind, haben in Bayern bislang nur 32 Prozent der Häuser diesen elementaren Schutz", so Barbara Schick abschließend. Deshalb appelliert Schick an die Hausbesitzer im Land, auch durch die gemeinsame Initiative mit der Staatsregierung "Voraus denken - elementar versichern", sich selbst gegen Elementarschäden bei Naturkatastrophen abzusichern.
Versicherungskammer Bayern · Naturgefahren
Auch interessant
Zurück
25.09.2018VWheute
Kraft­fahrt steuert wieder ins Minus Weiter steigende Durchschnittsschadenkosten, aber keine entsprechenden Prämienerhöhungen belasten die …
Kraft­fahrt steuert wieder ins Minus
Weiter steigende Durchschnittsschadenkosten, aber keine entsprechenden Prämienerhöhungen belasten die Kraftfahrtversicherung. "Nur wenn weitere Unwetterereignisse ausbleiben, schafft es die Kraftfahrtversicherung 2018 noch zur schwarzen Null"…
14.05.2018VWheute
"Natur­ge­fah­ren­schutz ist güns­tiger als Kasko-Versi­che­rung" Versicherer tun sich schwer damit, Hausbesitzer von der Notwendigkeit eines …
"Natur­ge­fah­ren­schutz ist güns­tiger als Kasko-Versi­che­rung"
Versicherer tun sich schwer damit, Hausbesitzer von der Notwendigkeit eines Naturgefahrenschutzes zu überzeugen. Rolf Dockhorn, Teamleiter R+V Privatkunden Sach, erklärt im Interview mit VWheute: "Auf eine …
22.09.2017VWheute
Versi­cherer verzeichnen durch­schnitt­li­chen Sommer Pünktlich zum kalendarischen Herbstanfang ziehen die Versicherer eine Bilanz des Sommerwetters …
Versi­cherer verzeichnen durch­schnitt­li­chen Sommer
Pünktlich zum kalendarischen Herbstanfang ziehen die Versicherer eine Bilanz des Sommerwetters 2017. Während die Landwirtschaftsversicherer in diesem Jahr unter einer extremen Schadenbilanz leiden, war 2017 aus Sicht des …
12.01.2017VWheute
Unter­nehmen fürchten Cyber­ri­siken und Natur­ge­fahren Soziale Verwerfungen, wachsende Ungleichheit bei Einkommen und Vermögen sowie Umweltgefahren …
Unter­nehmen fürchten Cyber­ri­siken und Natur­ge­fahren
Soziale Verwerfungen, wachsende Ungleichheit bei Einkommen und Vermögen sowie Umweltgefahren – beispielsweise durch den Klimawandel und seine Folgen – sind laut Global Risk Report 2017 des World Economic Forum (WEF) die …
Weiter