Mehmet E. Gökers (Mitte)
Mehmet E. Gökers (Mitte)Quelle: dpa
Schlaglicht

"Wolf of Kassel": Mehmet Gökers Leben wird verfilmt, Versicherern droht Ungemach

Von Maximilian VolzTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
"Hiermit kann ich offiziell verkünden, dass heute Sony Pictures in Zusammenarbeit mit Klaus Stern die Rechte an meiner Biografie gekauft hat, um 2019 mein Leben auf der Kinoleinwand zu verfilmen", schreibt Mehmet Göker in den sozialen Medien. Aussagen des designierten Regisseurs legen nah, dass die PKV-Branche eine Hauptrolle bekommen wird.

Der angebliche Filmtitel Wolf of Kassel, angelehnt an den oscarnominierten Wolf of Wallstreet, lässt Böses erahnen und weckt schlimme Trash-Movie-Befürchtungen. Laut der Quelle Göker soll das Budget des Filmes sieben Millionen Euro betragen, das des Originals aus Amerika war rund 14-mal höher.

 

Immerhin, die Besetzung soll hochkarätig sein. Laut Göker soll Eliyas M‘Barek, Fack ju Göhte, ihn selbst spielen und Moritz Bleibtreu, Lammbock, den Assistenten geben. Wahrscheinlich ist damit Vincent Ho gemeint, der im Mai wegen seiner Tätigkeit bei MEG, benannt nach Mehmet Ercan Göker, zu einer zweijährigen Haftstrafe verurteilt wurde.

 

Wenn der Film erscheinen sollte, könnte er unterhaltsam werden, denn Göker ist sicherlich eine polarisierende Figur, die es versteht, Menschen in ihren Bann zu ziehen. Das zeigte nicht zuletzt der hessische Rundfunk, der sich mit dem Thema Göker dokumentarisch beschäftigte.

 

Eine Anfrage an Sony, ob die Aussage Gökers der Wahrheit entspricht, blieb bis Redaktionsschluss unbeantwortet. Ahnt das Unternehmen bereits Unheil oder ist es am Ende nur ein Luftschloss?

Es spricht einiges dafür, dass der Film Realität wird. Mehrere Medien haben die Nachricht bereits aufgegriffen und dass Klaus Stern die Rechte gekauft haben soll, erscheint schlüssig, denn er hat bereits zwei Dokumentationen über Göker gedreht. Der Hauptdarsteller soll erfreut gewesen sein, da die Produktionen ihn bekannter gemacht haben sollen.

 

Moral ist kein Thema

 

Moralische Einwände sind cinematisch gesehen vernachlässigbar. Das Publikum will Geschichten und unterhalten werden, die Moral kommt an zweiter Stelle. Filme über Massenmörder, Betrüger, Krieg und ähnliches sind im Kinoalltag längst Normalität.

 

Daher ist es unwesentlich, dass aktuell gegen Göker ein Betrugsprozess läuft, zudem er nicht erschien, obwohl er sich nach eigener Aussage "auf die Aufklärung freue". Wen interessiert es, dass er bereits vor dem jähen Fall wegen seiner Geschäftspraxis mit der Justiz rangelte, sein Unternehmen zahlungsunfähig am Ende zahlungsunfähig war und Millionenforderungen hinterließ.

 

Wie viele der ehemals mehrere tausend Köpfe umfassenden Mitarbeiterschaft den Film wohl anschauen werden, obwohl sie durch den Bankrott jäh vom firmeneigenen ferrari- und porscheumfassenden Fuhrpark ausgeschlossen wurden und sich auf dem Arbeitsamt wiederfanden?

 

Göker hält sich momentan in der Türkei auf, mit der kein Auslieferungsabkommen besteht, es halten sich Gerüchte, dass er seine alten Bestände illegal weitergegeben haben soll und er über Strohmänner weiter im Versicherungsbereich aktiv sein soll. Göker bestreitet das und ist aktuell trotz internationalem Haftbefehl vor Zugriff sicher. Nach eigener Aussage geht es ihm "ausgezeichnet".

 

Interessant wird sein, wie die Versicherungsbranche in dem Film wegkommen wird. Schließlich war sie es, die den Aufstieg des Unternehmens MEG ermöglichte und mit Provisionszahlungen am Leben hielt, wohl auch bereits dann, als das unsaubere Ende sich abzeichnete. Bis heute zieren sich die Versicherer, ihre Rolle in der Geschichte offen zu legen.

 

Das wird wohl ein anderer tun. Der oben erwähnte wahrscheinliche Regisseur Klaus Stern sagte gegenüber der Hessischen Niedersächsischen Allgemeinen Zeitung über die PKV-Branche: "Das kann man vergleichen mit Firmen, die Landminen verkaufen und später Systeme verticken, um Landminen aufzuspüren."

 

Das klingt nicht gut für die Branche, sie sollte darauf setzen, dass den Film möglichst wenig Menschen sehen wollen.

Mehmet Göker · PKV · Film
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