Bettina Dietsche
Bettina DietscheQuelle: Monika Lier
Märkte & Vertrieb

Zuversichtlich in eine unsichere (Beschäftigungs-)Zukunft

Von Monika LierTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Digitale Neugründungen auf der "grünen Wiese" sind für die Versicherungsbranche offensichtlich auch nicht die Lösung schlechthin. "Es ist Humbug, dass wir nur unsere Altlasten abschaffen und unsere Daten auf eine neue Target-IT migrieren müssen. Man kann nicht auf x, y oder z migrieren und ist dann mit der Digitalisierung fertig. Wir werden nie fertig sein", sagte Bettina Dietsche, Chief Operating Officer der Allianz Global Corporate & Specialty SE am Mittwoch auf einer Fachkonferenz in Köln. Man müsse viele neue Projekte anschieben. "Die Automatisierung ist nach wie vor ein Kernthema, aber nur eines von vielen Elementen", sagte sie. Eines der Ziele sei es, die Beschäftigung mit reinen Transaktionen abzukürzen und mehr auf die Kundenbetreuung umzuleiten, weil nur dort der Mehrwert entstehe.

Einfache Antworten für die künftige Beschäftigungslage in der Assekuranz gibt es offensichtlich nicht. Manche Aufgaben werden wegrationalisiert, andere um neue Tätigkeiten ergänzt oder gar ganz neu entstehen. Die Digitalisierung habe "riesige Auswirkungen", die sich aber kaum absehen ließen. Während der Datenanalyst beispielsweise händeringend gesucht wird, wird die "einfache Verwaltungsrolle" so bald nicht mehr existieren. "Wie viel oder wie wenig Arbeit wir haben, hängt von unserem Markterfolg ab – und die Technik wird entscheiden, wie die Arbeit aussieht", sagte David Stachon, Chief Business Officer Digita der Generalil. Keine Branche könne die neuen Technologien ignorieren, aber diese seien nicht strategiebildend, sondern nur unterstützend. "Unsere Kernwertschöpfung ist die Absicherung von Risiken - und das wird noch lange so bleiben. Die Wertschöpfung nimmt wegen höherer und wachsender Risiken wie beispielsweise in der Altersvorsorge sogar noch zu", so Stachon.

Coya-Chefin Laura Kauther hatte bei der Vorstellung ihres Berliner Startups als "ersten Bafin-lizenzierten Fullstack-Versicherers mit einer von Grund auf gesamten digitalen Wertschöpfungskette" ihre "Schönheit der grünen Wiese" herausgestellt. Coya habe den Vorteile fehlender Altlasten in den Bereichen Technologie, Vertriebswege, Prozesse etc. "Sehr viele Großkonzerne sind mit ihren Altlasten beschäftigt. Vielfach verbauen sie Maßnahmen, die teilweise schon wieder veraltet sind", sagte Kauther, die zuvor bei der Zurich beschäftigt war. Die eigene Infrastruktur mit Microservices und Daten getriebenen, lernenden Elementen beuge einer solchen Veralterung vor. Frank Buchholz, Chief Claims Officer der Gothaer, berichtete von hauseigenen Untersuchungen, wonach die technischen Aspekte einer Versicherung für die Kundenentscheidung nur eine kleine Rolle spielten. Da rund 80 Prozent der Kundenerwartungen emotional bestimmt seien, "starten wir erst einmal hell -. also persönlich", so Buchholz bei der Vorgehensweise im Schadenfall. Erst nach dem emphatischen Erstkontakt am Telefon, auf den die Mitarbeiter intensiv geschult würden, erhalten der Kunde das digitale Angebot, nämlich eine App, in der bereits seine individuellen Daten eingespeichert sind.

Beschäftigung · Bettina Dietsche · David Stachon
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