Wie steht es um die Transparenz der Standmitteilungen der Lebensversicherer?
Wie steht es um die Transparenz der Standmitteilungen der Lebensversicherer?Quelle: Rainer Sturm / PIXELIO (www.pixelio.de)
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Lebensversicherer: Allianz ist Schlusslicht bei der Transparenz

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Einmal im Jahr verschicken die Lebensversicherer Post an ihre Kunden, um diese über den aktuellen Stand ihrer Police zu informieren. Dabei steht es allerdings um die Transparenz der entsprechenden Mitteilungen nicht immer zum besten. Laut einer aktuellen Analyse von Partner in Life (PiL) sind die SV SparkassenVersicherung und die Provinzial Nordwest in diesem Jahr die transparentesten Versicherungskonzerne. Schlusslicht ist hingegen der Branchenführer Allianz.
Demnach liegen die SparkassenVersicherung und die Provinzial Nordwest mit einem Transparenzscore von 79,0 bzw. 78,4 Prozent auf den Spitzenplätzen und halten sich vollumfänglich an die gesetzlichen Vorgaben, so das Ergebnis. Die Mecklenburgische Lebensversicherung, die Cosmos und der Volkswohl Bund, die ebenfalls Werte oberhalb der 65 Prozent aufweisen, liegen auf den Plätzen drei bis fünf, so die Analyse. Dabei veröffentlichen gut ein Drittel der untersuchten Lebensversicherer ordentliche nachvollziehbare Wertmitteilungen und erfüllen im Wesentlichen die gesetzlichen Vorgaben. Zwei Drittel der Marktteilnehmer geben ihren Kunden in den jährlichen Wertmitteilungen allerdings nur einen unvollständigen Überblick über die Entwicklung der Lebensversicherungsverträge, konstatiert PiL. Auch bei den Themen Vergleichbarkeit und Verständlichkeit sei der Markt noch weit entfernt von einem einheitlichen Standard, lautet der Vorwurf an die Branche.
"Der Gesetzgeber will den Versicherungskunden in die Lage versetzen, überprüfen zu können, ob die meist vor vielen Jahren abgeschlossenen Verträge noch zum aktuellen Bedarf passen. Manche Wertmitteilungen vermitteln nur eine unverständliche oder unvollständige Antwort auf diese Frage. Die geltenden Regelungen werden allzu oft sehr eng ausgelegt und erwecken eher den Eindruck, so wenig wie möglich Rückschlüsse auf die Wertentwicklung zulassen zu wollen", kommentiert Dean Goff, Vorstand der PiL, das Ergebnis der Studie. Dies gelte vor allem für Versicherungskonzerne die am unteren Ende des Transparenz-Rankings. Auf dem letzten Platz landet mit 28,8 Prozent der Branchenprimus Allianz. Die Neue Leben und die Targo liegen mit 30,7 bzw. 31,7 Prozent auf den Plätzen 37 und 36 knapp davor. Auch die Ergo, die Victoria und die Huk Coburg informieren ihre Kunden in der Regel unvollständig. "Generell lässt sich sagen, dass alle Gesellschaften mit Werten unter 50 Prozent noch viel Potenzial nach oben haben", betont Goff.

Allianz wird zum Sorgenkind

Vor allem das schlechte Abschneiden der Allianz macht den PiL-Manager offensichtlich besonders zu schaffen: "Das schlechte Abschneiden der Allianz hat uns schon etwas schockiert. Während sich viele Versicherer in diesem Jahr deutlich bewegt haben, ist ausgerechnet der Marktführer einen Schritt zurückgegangen", kritisiert Goff. Der Hauptvorwurf: In den Standmitteilungen der Allianz Leben wurden alle Angaben zu den variablen Anteilen am Rückkaufswert fehlen. Zudem würde der Versicherer nur die Zahlen für einen weit in der Zukunft liegenden Moment der Ablaufleistung nennen, womit auch "Profis nichts anfangen", könnten. Die Allianz selbst will die Kritik hingegen nicht gelten lassen. "Unsere Informationen erfüllen stets die Anforderungen, die das Versicherungsvertragsgesetz vorsieht und mit Wirkung zu Mitte 2018 neu gefasst hat. Auf die Einhaltung gesetzlicher Vorschriften achten wir dabei streng", wird eine Unternehmenssprecherin im Handelsblatt zitiert. Vielmehr würde die Allianz auch den Auszahlungsbetrag bei Kündigung unter Einbeziehung der Überschussbeteiligung zum Stichtag der Standmitteilung ausweisen sowie die jeweils aktuellen Rückkaufswerte bei schriftlichen und telefonischen Anfragen sowie im Kundenportal zum jeweils letzten verfügbaren Stichtag nennen.
Deutliche Unterschiede zeigen sich bei der Offenlegung der variablen Anteile am Rückkaufswert und der prognostizierten Ablaufleistung, lautet ein weiteres Ergebnis der Studie. Demnach schnitt die SV SparkassenVersicherung Sachsen mit dem höchsten Transparenzwert (83,3 Prozent am besten ab, gefolgt vom Gesamtsieger SV Sparkassenversicherung (75 Prozent) und der Provinzial Nord (72,2 Prozent). Schlusslichter sind laut Studie die Württembergische (2,1 Prozent), die Neue Leben und die Frankfurt Münchener (vormals Arag) mit 8,3 Prozent. Wenn es um die variablen Anteile am Rückkaufswert geht, erhalten Verbraucher bei der Provinzial Nord die größte Klarheit (83,3 Prozent), gefolgt von der Victoria (76,9 Prozent) und der Condor (73,1 Prozent). Im Gegensatz dazu geben insgesamt neun Versicherungsgesellschaften keinerlei Informationen zu den variablen Bestandteilen am
Rückkaufswert (null Prozent): die Ideal Lebensversicherung, die Contintentale, die Lebensversicherung von 1871, die Neue Leben, Helvetia schweizerische Lebensversicherung, Inter Lebensversicherung, Frankfurt Münchener, Münchener Verein und die Öffentliche Lebensversicherung Braunschweig.
Für die Studie hat PiL im ersten Teil Wertmitteilungen auf insgesamt 41 Kennzahlen von 38 Gesellschaften analysiert, die einen Marktanteil von über 90 Prozent repräsentieren. Im zweiten Teil wurden weit über 3.000 Wertmitteilungen von 71 Versicherungsgesellschaften, die zusammen einen Marktanteil von knapp 99 Prozent repräsentieren. Hier wurden die Wertmitteilungen auf sechs Kennziffern hin überprüft, die Aussagen zu den variablen Anteilen im Rückkaufswert und der garantierten Ablaufleistung geben.
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