Akte, bald als Papierform ein Auslaufmodell?
Akte, bald als Papierform ein Auslaufmodell?Quelle: Tim Reckmann / www.pixelio.de / PIXELIO
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"Eine Patientenakte muss aus rein mathematischen Gründen unabhängig von einer Krankenkasse sein"

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Die Diskussion um die Gesundheitsakte ist eine lange und meist fruchtlose. Einige Versicherer bieten eine solche Akte, die der Kunde verwaltet, das sei aber nicht optimal, erklärt Markus Bönig, Geschäftsführer von Vitabook, der einen anderen Ansatz verfolgt.

VWheute: Sie wollen eine Krankenkasse unabhängige Patientenakte, was ist der Vorteil gegenüber einer Akte, die bei einem Versicherer beheimatet ist, dieser aber keinen Einblick in diese hat und der Kunde entscheidet, ob dieser sie bekommt?

 

Markus Bönig: Eine Patientenakte muss aus rein mathematischen Gründen unabhängig von einer Krankenkasse sein. Ich möchte das gerne am Beispiel der Uniklinik Schleswig-Holstein vorrechnen. Die Klinik hat jährlich 420.000 Patienten und benötigt eine Lösung, um allen Patienten die Entlass-Dokumente digital mitgeben zu können. Sehen wir uns den Fall mal aus Sicht der TK an. Diese Krankenkasse hat 14 Prozent Marktanteil. Wenn nun 500.000 Versicherte sich eine Gesundheitsakte proaktiv holen würden, dann wären das 5 Prozent der 10 Mio. Versicherten. Das wäre bereits ein riesiger Erfolg, denn heute nutzen ebenso viele Menschen die Online-Geschäftsstelle der TK, die es bereits seit knapp 10 Jahren gibt. 5% * 14% = 0,7%. Die Klinik könnte somit gerade einmal 0,7 Prozent ihrer Patienten mit digitalen Daten versorgen. Nun sind es aber noch keine 500.000 Nutzer. Damit ist die TK-Lösung aus Sicht einer Klinik und auch eines Arztes heute noch fast bedeutungslos und nutzlos. Die Klinik benötigt eine Datensenke in den Händen des Patienten, die mit jedem Patienten nutzbar ist und von der Klinik auch initial angelegt werden können muss. Gerade Krankenkassen-Lösungen können jedoch nur initial von der Krankenkasse angelegt werden. Im Notfall stehen sie somit gerade nicht zur Verfügung und sind auch nicht adhoc anlegbar. Vitabook erfüllt diese Kriterien. Genau deshalb wird das UKSH ab Jahresanfang jedem Patienten ein Vitabook-Konto anlegen und die Entlass-Daten digital dahin übermitteln. Natürlich immer ein Einverständnis des Patienten vorausgesetzt.  

 

VWheute: Ok, verstanden. Welche Vorteile bietet ihr System noch?

 

Markus Bönig: Eine Patienten- bzw. eine Gesundheitsakte ist nur die Basis dafür, damit Patienten mit Ärzten digital kommunizieren können. Von besonderer Bedeutung ist jedoch hier Alles, was im Rahmen einer Therapie wirklich nötig ist. Das sind kurioserweise fast gar nicht die Daten, die der Arzt hatte, sondern vor allen Dingen Daten, die der Patient auf Anweisung des Arztes erhebt und beisteuert. Genau das leistet Vitabook. Wir haben natürlich auch eine Akte, die alles das kann, was eine Akte können muss. Wir sind aber vor allen Dingen die Therapie-Unterstützung für Arzt und Patient. Deshalb heißt die Lösung auch www.ArztundPatient.plus.  

 

VWheute: Ist das Thema Datenschutz (in der KV) ein so großes Thema, die meisten Menschen scheinen mit dem teilen ihrer Daten kein Problem zu haben, wenn etwas für Sie herausspringt. Viele Versicherer, auch außerhalb der KV, nutzen das Prinzip bereits.

 

Markus Bönig: Unsere Erfahrung ist, dass dieses Thema für die Patienten selbst ein viel kleineres Thema ist, als vermutet. Dennoch ist Vitabook Service-Provider des Bürgers und allein dem Bürger verpflichtet. Bei Vitabook verwaltet der Patient also seine Daten faktisch selbst und hat sie komplett in seiner Hoheit.

 

VWheute: Wie wird die Zukunft der Patientenakte aussehen, ist eine Lösung ohne Politik möglich oder wünschenswert?

 

Markus Bönig: Die Politik hätte viele Möglichkeiten. Sobald die Selbstverwaltung einbezogen wird, wird Alles kompliziert und im Zweifelsfall nicht patientenorientiert entwickelt. Die Zukunft sieht so aus, dass nur kassenübergreifende Ansätze funktionieren. Auch eine Krankenkasse ist am Ende nur eine Insel. Es braucht Lösungen, die universell mit möglichst vielen Akteuren funktionieren. Vitabook hat eine solche Lösung geschaffen. Alle Ärzte und Kliniken lassen sich mit allen Patienten schon heute über Vitabook verbinden. Die Zukunft ist schon im Heute angekommen.

 

 

Markus Bönig
Markus BönigQuelle: Vitabook
Digitale Gesundheitsakte · Digitalisierung · Markus Bönig · Vitabook
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