Digitalisierungswelle
DigitalisierungswelleQuelle: Janusz Klosowski  / www.pixelio.de / PIXELIO
Schlaglicht

"Die zweite Digitalisierungswelle wird mehr Durchschlag haben"

Von Maximilian VolzTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Es wird ein zweiter digitaler Bruch kommen. Dieser wird laut dem Branchenkenner Guy Carpenter die Versicherungswelt weit mehr verändern als bisher angenommen. Was sagen die Insurtechs dazu, die den technischen Wandel in der Branche (mit-) prägen? Sie sehen die Entwicklung, kennen die Folgen und sind bereit.

Was wird die zweite Digitalisierungswelle bringen und wie kann sie von Nachwirkungen der ersten Entwickelung unterschieden werden. Der Technik-, KI- und Digitalisierungsexperte Jobst Landgrebe, sein Unternehmen Cognotekt optimiert Geschäftsprozesse mit künstlicher Intelligenz, prognostiziert Entwicklung und Folgen: "Nachdem bei der 1. Digitalisierungswelle bei vielen Versicherern die Themen Modernisierung der Bestandssysteme,  Apps/Kundenportale und Verbesserung der IT-Abbildung der  anthropozentrischen Versicherungstechnik im Vordergrund standen, wird die 2. Welle die Versicherungstechnik viel tiefer erfassen. An der Reihe sind nun die Themen: Vollständige Strukturierung der Daten und eine erhebliche Steigerung der Automatisierungsquote der Versicherungstechnik zur Verbesserung des Kundenerlebnisses (schnellere Durchlaufzeiten) und Senkung der Prozesskosten und Schadensumme."

 

Das sind konkrete Vorstellungen, denen sich die Branche nicht verschließen kann und will. Christopher Oster, CEO und Co-Founder bei Clark, stimmt Landgrebe zu: "Man kann sagen, dass sich die Branche in der ersten Digitalisierungswelle vor allem auf den Vertrieb und die Online-Vermarktung der Produkte konzentrierte. Die zweite Welle wird mehr Durchschlag haben: Zum einen, weil Produkte und Vertriebswege immer weiter optimiert werden und gleichzeitig die Akzeptanz und Nachfrage nach digitalen Versicherungsangeboten unter Verbrauchern steigt."

 

Für Oster ist der Weg klar erkennbar. Für ihn wird "Deep Tech" bei der Entwicklung neuer Angebote und Services sowie deren Vermarktung eine relevante Rolle spielen: "Big oder Smart Data, Machine Learning und IoT-Anwendungen werden dabei helfen, die gesamte Wertschöpfungskette einzubeziehen und dadurch sämtliche Potenziale zu nutzen."

 

Laut Oster wird schlussendlich Zusammenarbeit die maßgebliche Folge der 2. Digitalisierungswelle sein: "Einzelne Player mit großem Kundenstamm werden sich zu Plattform-Ökosystemen entwickeln oder Teil solcher Ökosysteme sein. Dabei werden zahlreiche Parteien in der Leistungserstellung zusammengebracht; auch über Branchen- und Industriegrenzen hinweg." Denn in der heutigen wettbewerbsorientierten Gesellschaft sei die verfügbare Zeit knapp und Kunden sind immer weniger dazu bereit, unnötige Interaktionen in Kauf zu nehmen. Sie wünschen sich Lösungen "aus einer Hand".

 

Gelebte Realität

 

Ein Problem, oder Chance, der Digitalisierung ist, dass sie nicht stufenmäßig, sondern überlappend erfolgt. Das weiß Simplesurance: "Wir als Branche haben noch lange nicht alle Bereiche der Wertschöpfungskette digitalisiert, befinden uns schon aber mitten in der 2. Digitalisierungswelle. Die Prozesse sind kürzer, Versicherungen kommen direkt zum Kunden, denn durch Big Data Management wissen wir, was er oder sie gerade braucht." Die 2. Digitalisierungswelle ziele letztlich darauf ab: "Das Leben mobil und einfach managen". 

 

Tim Kunde, Mitgründer und CEO von Friendsurance, erwartet durch die genannten Entwicklungen nicht weniger als eine Revolution: "Wir stehen tatsächlich noch am Beginn der Digitalisierung." Die Digitalisierung sei weniger eine Welle, sondern ein Tsunami, "der jeden fortspült, der nicht mitschwimmt".

 

Wann erfolgt der Einschlag

 

Die Folgen und die Auswirkungen wurden genannt, doch wann wird die Welle auf die teil-analoge Küste der Branche treffen, für Stephen Voss, Vorstand und Mitbegründer von  Neodigital sind es nur noch Monate: " Ich persönlich rechne mit einer zweiten Digitalisierungswelle etwa Anfang der 2020er, also in den nächsten 18-24 Monaten." Dann werden nach seiner Ansicht die Management-Gremien großer Unternehmen das Thema aus der IT-Ecke geholt haben.

 

"Künftig wird sie auch dort als echte Change-Management-Aufgabe und Teil der Unternehmensstrategie priorisiert werden." Für Voss bedeutet Digitalisierung nicht in erster Linie nur eine Auswertung, Analyse und Interpretation von Daten in Echtzeit, sondern um die Ausrichtung der Geschäftsmodelle an die "neuen, sich stetig wandelnden Bedürfnissen" von Endkunden und Geschäftspartnern.

 

Bei jeder kommenden Bewegung gibt es Einen, der die Sacher anders sieht und das Kommende einem anderen Licht sieht. In diesem Fall ist das Julian Teicke, CEO der Wefox Group und sicherlich kein unbeschriebenes Blatt in der Digitalisierungsbewegung der Branche. "Ich finde es treffender von einer Datenrevolution zu sprechen als von einer Digitalisierungswelle. Denn es geht um eine massive Veränderung im Umgang mit unseren Daten. "

 

Für ihn steht die Gesellschaft Nach "vor einer dritten Datenrevolution". Das biete Möglichkeiten: "Daten zu sammeln, ist an sich nicht schlecht. Darin liegen enorme Chancen. Denn die Daten können genutzt werden, um Probleme und Bedürfnisse zu lösen. Wir sollten jedoch die Kontrolle über unsere Daten behalten. Daher plädiere ich für einen ethischen Umgang mit unseren Daten und für eine institutionelle Verankerung", erklärt Teicke.

 

Ob die 2. Digitalisierungswelle tatsächlich bereits im Jahr 2020 auf die Branche prasseln und alle durchschütteln wird, weiß heute noch niemand sicher, aber das umwälzende Veränderungen eintreten, dessen sind sich die digitalen Macher bewusst. Der Wettbewerb um die beste Umsetzung hat begonnen.

 

Christopher Oster · Tim Kunde · Jobst Landgrebe · simplesurance · Stephen Voss · Digitalisierung
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