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Köpfe & Positionen

McKinsey-Experte vermisst Experimentierfreude bei Versicherern

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Versicherer können viel von Insurtechs lernen, sagt Johannes-Tobias Lorenz. Zum Beispiel die klarere Ausrichtung auf den Kunden, den Willen sich kontinuierlich weiterzuentwickeln und eine breitere Perspektive auf den Markt. Doch auch die traditionellen Player am Markt haben ihre Stärken. Im Interview mit VWheute erklärt der McKinsey-Partner welche.

VWheute: Wie verändert die digitale Transformation die Arbeit in der Versicherungsbranche – sowohl organisatorisch als auch fachlich?

Johannes-Tobias Lorenz: Die Digitalisierung ist ein wesentlicher, aber nicht der einzige Treiber einer grundlegenden Transformation der Branche. Diese Transformation erfordert Veränderungen auf fachlicher und organisatorischer Ebene und im Selbstverständnis der Mitarbeiter. Fachlich werden technologisches Verständnis, Kundenorientierung und der Umgang mit Daten immer wichtiger.

Zugleich wird die Organisation flacher und es kommt darauf an, über Funktionsgrenzen hinweg zusammenzuarbeiten. Da Standardprozesse automatisiert werden, müssen Mitarbeiter dabei viel eigenständiger und schneller Entscheidungen treffen. Die Verantwortung nimmt also zu.

 

Johannes-Tobias Lorenz, Senior Partner McKinsey&Company
Johannes-Tobias Lorenz, Senior Partner McKinsey&CompanyQuelle: McKinsey

VWheute: Wie gut sind die Mitarbeiter vorbereitet?

 

Johannes-Tobias Lorenz: Wir sehen auf allen Ebenen motivierte, gut ausgebildete und verantwortungsbewusste Mitarbeiter. Daher sind wir zuversichtlich, dass die meisten Mitarbeiter den erforderlichen Wandel in den Arbeitsabläufen verstehen, annehmen und meistern werden.

 

Es wird allerdings eine Verschiebung des Bedarfs „vom Sacharbeiter zum Experten“ geben. Zudem lassen sich viele einfachere Prozessschritte gut automatisieren – ein gewisser Personalabbau wird sich also nicht vermeiden lassen.

 

Gleichzeitig steht die Branche vor der Aufgabe, mehr Menschen mit neuen Fähigkeiten auszubilden oder einzustellen: IT-Architekten, Data Scientists, UX-Experten und viele mehr. Hier stehen die Versicherer im Wettbewerb mit Unternehmen anderer Branchen – sodass man rechtzeitig mit „Workforce Planning“ starten und die eigenen Mitarbeiter in Richtung der neuen Anforderungsprofile weiterentwickeln sollte.

 

VWheute: Werden Versicherer zu Tech-Unternehmen?

 

Johannes-Tobias Lorenz: Was ist eigentlich ein Tech-Unternehmen? Was wir sehen: Versicherer sind zunehmend „tech-getrieben“. Es gibt einen deutlichen technologischen Fortschritt in der Branche und viele gute Beispiele für eine Modernisierung von Infrastruktur, Plattformen und „Cutting-edge-Anwendungen“.

 

Dabei wird es entscheidend sein, dass sich Manager und Mitarbeiter auf allen Ebenen noch intensiver mit IT und Technologie auseinandersetzen, um auf Augenhöhe mit den IT-Spezialisten diskutieren und fundierte Entscheidungen treffen zu können.

 

VWheute: Können sich Versicherer bei den Arbeitsstrukturen
etwas von den Insurtechs abschauen?

 

Johannes-Tobias Lorenz: Insurtechs sind ein belebendes Element. Sie machen nicht alles besser und man sieht bei ihnen mit wachsender Größe auch zunehmende Komplexität. Aber natürlich können die Versicherer von den neuen Unternehmen lernen: zum Beispiel die viel klarere Ausrichtung auf den Kunden, den Willen sich kontinuierlich weiterzuentwickeln und eine breitere Perspektive auf den Markt.

 

Zudem agieren Insurtechs grundsätzlich ohne Papier, sie setzen viel mehr auf Daten sowie auf kontinuierliche Analytik. Dabei ist die Zusammenarbeit bei Insurtechs viel integrierter, variabler und experimentierfreudiger als in traditionellen Unternehmen.

McKinsey · Insurtechs · Johannes-Tobias Lorenz
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