Quelle: Microsoft /  Hannover Messe 2018: thingworx
Köpfe & Positionen

McKinsey-Experte vermisst Experimentierfreude bei Versicherern

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Versicherer können viel von Insurtechs lernen, sagt Johannes-Tobias Lorenz. Zum Beispiel die klarere Ausrichtung auf den Kunden, den Willen sich kontinuierlich weiterzuentwickeln und eine breitere Perspektive auf den Markt. Doch auch die traditionellen Player am Markt haben ihre Stärken. Im Interview mit VWheute erklärt der McKinsey-Partner welche.

VWheute: Wie verändert die digitale Transformation die Arbeit in der Versicherungsbranche – sowohl organisatorisch als auch fachlich?

Johannes-Tobias Lorenz: Die Digitalisierung ist ein wesentlicher, aber nicht der einzige Treiber einer grundlegenden Transformation der Branche. Diese Transformation erfordert Veränderungen auf fachlicher und organisatorischer Ebene und im Selbstverständnis der Mitarbeiter. Fachlich werden technologisches Verständnis, Kundenorientierung und der Umgang mit Daten immer wichtiger.

Zugleich wird die Organisation flacher und es kommt darauf an, über Funktionsgrenzen hinweg zusammenzuarbeiten. Da Standardprozesse automatisiert werden, müssen Mitarbeiter dabei viel eigenständiger und schneller Entscheidungen treffen. Die Verantwortung nimmt also zu.

 

Johannes-Tobias Lorenz, Senior Partner McKinsey&Company
Johannes-Tobias Lorenz, Senior Partner McKinsey&CompanyQuelle: McKinsey

VWheute: Wie gut sind die Mitarbeiter vorbereitet?

 

Johannes-Tobias Lorenz: Wir sehen auf allen Ebenen motivierte, gut ausgebildete und verantwortungsbewusste Mitarbeiter. Daher sind wir zuversichtlich, dass die meisten Mitarbeiter den erforderlichen Wandel in den Arbeitsabläufen verstehen, annehmen und meistern werden.

 

Es wird allerdings eine Verschiebung des Bedarfs „vom Sacharbeiter zum Experten“ geben. Zudem lassen sich viele einfachere Prozessschritte gut automatisieren – ein gewisser Personalabbau wird sich also nicht vermeiden lassen.

 

Gleichzeitig steht die Branche vor der Aufgabe, mehr Menschen mit neuen Fähigkeiten auszubilden oder einzustellen: IT-Architekten, Data Scientists, UX-Experten und viele mehr. Hier stehen die Versicherer im Wettbewerb mit Unternehmen anderer Branchen – sodass man rechtzeitig mit „Workforce Planning“ starten und die eigenen Mitarbeiter in Richtung der neuen Anforderungsprofile weiterentwickeln sollte.

 

VWheute: Werden Versicherer zu Tech-Unternehmen?

 

Johannes-Tobias Lorenz: Was ist eigentlich ein Tech-Unternehmen? Was wir sehen: Versicherer sind zunehmend „tech-getrieben“. Es gibt einen deutlichen technologischen Fortschritt in der Branche und viele gute Beispiele für eine Modernisierung von Infrastruktur, Plattformen und „Cutting-edge-Anwendungen“.

 

Dabei wird es entscheidend sein, dass sich Manager und Mitarbeiter auf allen Ebenen noch intensiver mit IT und Technologie auseinandersetzen, um auf Augenhöhe mit den IT-Spezialisten diskutieren und fundierte Entscheidungen treffen zu können.

 

VWheute: Können sich Versicherer bei den Arbeitsstrukturen
etwas von den Insurtechs abschauen?

 

Johannes-Tobias Lorenz: Insurtechs sind ein belebendes Element. Sie machen nicht alles besser und man sieht bei ihnen mit wachsender Größe auch zunehmende Komplexität. Aber natürlich können die Versicherer von den neuen Unternehmen lernen: zum Beispiel die viel klarere Ausrichtung auf den Kunden, den Willen sich kontinuierlich weiterzuentwickeln und eine breitere Perspektive auf den Markt.

 

Zudem agieren Insurtechs grundsätzlich ohne Papier, sie setzen viel mehr auf Daten sowie auf kontinuierliche Analytik. Dabei ist die Zusammenarbeit bei Insurtechs viel integrierter, variabler und experimentierfreudiger als in traditionellen Unternehmen.

McKinsey · Insurtechs · Johannes-Tobias Lorenz
Auch interessant
Zurück
27.03.2019VWheute
Johannes Kümpel wech­selt zum Finan­cial Lines-Team der AGCS in Deutsch­land Johannes Kümpel übernimmt zum 1. April 2019 die Funktion als Senior …
Johannes Kümpel wech­selt zum Finan­cial Lines-Team der AGCS in Deutsch­land
Johannes Kümpel übernimmt zum 1. April 2019 die Funktion als Senior Underwriter im Financial Lines Team der Region Central & Eastern Europe. Der 32-jährige studierte Betriebswirt blickt auf rund…
14.03.2019VWheute
Krise von Pensi­ons­kassen: Experte rät Arbeit­ge­bern zu enger Kommu­ni­ka­tion mit ihrer Kasse Die Pensionskassen haben Probleme. Die Niedrigzinsen …
Krise von Pensi­ons­kassen: Experte rät Arbeit­ge­bern zu enger Kommu­ni­ka­tion mit ihrer Kasse
Die Pensionskassen haben Probleme. Die Niedrigzinsen zwingen immer mehr der Einrichtungen in die Knie. Rafael Krönung, Aktuar bei Aon, erklärt die Probleme und nennt Lösungen für die …
30.10.2018VWheute
Lorenz Hanelt rückt in den Vorstand der Delvag Stühlerücken im Vorstand der Delvag Versicherungs-AG und in der Geschäftsführung der Albatros …
Lorenz Hanelt rückt in den Vorstand der Delvag
Stühlerücken im Vorstand der Delvag Versicherungs-AG und in der Geschäftsführung der Albatros Versicherungsdienste GmbH: Während Lorenz Hanelt zum 1. November 2018 in den Vorstand der Delvag aufrückt, wird Martin Gary ist neues …
11.10.2018VWheute
Rat von McKinsey zu Digi­ta­li­sie­rung: "Setzen sie auf Leads" Assekuranz quo vadis? Diese Frage wird, angesichts des digitalen Tsunamis dem sich die…
Rat von McKinsey zu Digi­ta­li­sie­rung: "Setzen sie auf Leads"
Assekuranz quo vadis? Diese Frage wird, angesichts des digitalen Tsunamis dem sich die Versicherungswirtschaft gegenüber sieht, immer dringlicher gestellt. Antworten darauf sucht die Branche auf dem hochkarätig …
Weiter