Künstliche Intelligenz
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"Meine R+V": Wiesbadener identifizieren Kunden via Künstlicher Intelligenz 

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Künstliche Intelligenz gilt als wegweisene Technologie der Zukunft. Die R+V will sich diese Entwicklung nun zunutze machen und den Kunden die Möglichkeit geben, ihr digitales Kundenportal "Meine R+V" mit einem Video-Ident-Verfahren selbst freizuschalten. KI-Technik ermittelt dabei die Existenz des Kunden. Ein großer Schritt für die Wiesbadener und ein deutliches Zeichen an die Branche, in welche Richtung es künftig geht.

Neu an diesem Verfahren sei, dass die Prüfung kein Mensch, sondern eine Maschine vornimmt. Für das Selfie-Ident-Verfahren benötigt der Kunde lediglich ein Smartphone mit Kamera sowie einen gültigen neuen Personalausweis (Scheckkarten-Format), heißt es bei der R+V weiter.

 

Dazu müsse der Kunde nur eine App herunterladen, nach deren Vorgaben ein kurzes Selfie-Video erstellen und anschließend ihren Personalausweis oder Reisepass abfilmen. Eine auf künstlicher Intelligenz basierende Software soll dann laut Versicherer im Hintergrund, ob es sich um einen "echten" Menschen handelt und nicht beispielsweise nur um ein Foto. "Das neue Verfahren macht die Online-Anmeldung deutlich einfacher und damit ‚Meine R+V‘ noch attraktiver.

 

Es funktioniert an jedem Ort, zu jeder Zeit, direkt und mit dem gewohnten mobilen Endgerät", kommentiert Vertriebsvorstand Jens Hasselbächer. "Mit dem Selfie-Ident-Verfahren gehen wir bewusst in eine Vorreiterrolle auch innerhalb unserer Branche.  Digitalisierung heißt für uns, dass es für unsere Kunden einfacher, besser und komfortabler wird. Ich bin überzeugt, dass solche Lösungen auf Basis von künstlicher Intelligenz die Kundenzufriedenheit weiter steigern", ergänzt Vorstandschef Norbert Rollinger.

Die neue Technologie wird bei den Versicherungskonzernen jedenfalls zu einem gewissen Umdenkprozess führen. Jüngsten Prognosen zufolge hat die Technologie der künstlichen Intelligenz das Potenzial, sich zu einem Milliardengeschäft zu entwickeln. So taxiert allein das IT-Unternehmen Tractica den weltweiten Umsatz mit KI allein in diesem Jahr auf rund 7,3 Mrd. US-Dollar.

 

Bis 2025 soll der KI-Umsatz laut Prognose gar auf rund 90 Mrd. US-Dollar steigen. Allein 47 Prozent davon sollen dabei durch nordamerikanische Firmen generiert werden. Laut einer Studie des Digital Transformation Institute von Capgemini könnte allein die Finanzbranche weltweit mit einem Umsatzplus von 512 Milliarden US-Dollar rechnen. Allein in Deutschland könnten demnach im gleichen Zeitraum Banken und Kapitalmarktunternehmen mit einem zusätzlichen Umsatz von 13,38 Mrd. US-Dollar (plus 6,56 Prozent) und Versicherungen mit 21,42 Mrd. US-Dollar (plus 6,11 Prozent) mehr rechnen.

 

Dabei nutzen viele Dienstleister die neue Technologie nicht nur um Kosten einzusparen, sondern auch um Umsatz zu generieren. Im Durchschnitt konnten mehr als ein Drittel der befragten Finanzdienstleister (35 Prozent) weltweit ihren Umsatz durch Automatisierung um zwei bis fünf Prozent steigern, so die Capgemini-Studie. Dies betreffe vor allem 34 Prozent der Banken, 33 Prozent der Versicherer und 37 Prozent der Kapitalmarktunternehmen.

Wie bahnbrechend die Entwicklungen um die künstliche Intelligenz tatsächlich sind, lässt sich nach wie vor nur erahnen. Nicht, weil die Welt aufgehört hat sich zu drehen, sondern eher weil sie dies, zumindest aus entwicklungstechnologischer Perspektive, immer schneller tut. "Künstliche Intelligenz hat ein sehr weites Potenzial im direkten und indirekten Einsatz in der Versicherungsindustrie.

 

Direkt kann sie zum Beispiel zur besseren Risikoeinschätzung durch Mustererkennung genutzt werden oder im Kundenberatungsprozess analog, wie zum Beispiel Amazon, wo Algorithmen, die auf KI setzen, dem Klienten heute schon Kaufvorschläge unterbreiten", erklärt Rainer Baumann, Head Group Digital und Information Service der Swiss Re. Zum Beispiel könnten durch den Einsatz von künstlicher Intelligenz bei autonomen Drohnen Risiken gezielter kontrolliert und reduziert werden. Bestimmte, teils hochgefährliche, Arbeiten an Atomreaktoren, Chemieanlagen oder Hochspannungsleitungen würden von den fliegenden Helfern viel schneller ohne die Gefährdung von Menschenleben durchgeführt. Dies wiederum unterstützt die Versicherer bei der Absicherung von Großrisiken.

Risiken besser einschätzen, Gefahren minimieren, die finale Größenordnung von Schadenfällen klug kalkulieren. Darum geht es im Kosmos der Versicherungsplayer. Die Perspektiven der zukünftigen Nutzung und des Erfolgs kognitiver Technologien hängen jedoch nicht nur von den heutigen strategischen Entscheidungen der einzelnen Unternehmen ab. "Vielmehr werden technologische Entwicklungen sowie wirtschaftliche Rahmenbedingungen der kommenden Jahre die Durchdringung von KI in Versicherungsprozessen entscheidend prägen", erklärt Holger Hornik, Leiter Cognitive Analytics bei MSG Systems.

 

Ein Beispiel: Der Kampf gegen Versicherungsbetrug: Schätzungen des Branchenverbandes GDV basieren rund zehn Pozent aller Auszahlungen auf Betrug. Bei den Hftüflichtversicherungen dürfte der Anteil mit rund 16 Prozent hingegen noch höher liegen. Tatsächlich aufgedeckt haben die Experten jedoch nur drei Prozent aller Fälle. Dabei geht die deutsche Versungswirtschaft davon aus, dass solche Betrugsfälle jedes Jahr mit einer Schadensumme von rund fünf Mrd. Euri zu Buche schlagen.

So verwundert es nicht, dass die Versicherer durchaus offen für den Einsatz der neuen Technologie sind, um den Betrügern langfristig das Handwerk legen zu wollen. So ermöglichen beispielsweise Telematik-Geräte in Autos entsprechende Rückschlüsse auf den Unfallhergang und den potenziellen Schaden. Dabei lässt sich beispielsweise auch überprüfen, ob die Geschwindigkeit überhaupt hoch genug war, um ein Schädeltrauma hervorzurufen. Auch gefälschte Rechnungen sollen mittels künstlicher Intelligenz künftig besser und schneller erkannt werden. Selbst geklaute oder kopierte Bilder sollen sich mittels entsprechender Bildforensik enttarnen lassen - Jürgen Klopps kaputte Brille lässt grüßen.

Fehlt jedoch die Anmerkung, dass auch der einfache Sachbearbeiter durch automatisierte Arbeitsprozesse schnell auf das Abstellgleis geschoben werden könnte. Einen Beleg dafür lieferte 2017 die japanische Fukoku Mutual Life Insurance. Das Versicherungsunternehmen bestätigte, insgesamt 34 von 131 seiner Mitarbeiter in der Abteilung Schadensbemessung durch  Watson ersetzen zu wollen. Das System soll ärztliche und andere Dokumente auswerten können, um fällige Zahlungen zu berechnen. Die Software ist in der Lage, Spezialklauseln in Versicherungsverträgen zu berücksichtigen, heißt es.

 

Die Anzahl der Fälle, die bei Fukoku in dieser Weise Jahr für Jahr bearbeitet werden, belief sich nach Angaben des Guardian zuletzt auf 132.000. Kostenfaktor für die Einrichtung der künstlichen Intelligenz: 1,6 Mio. Euro. Kostenfaktor für den Betrieb: 120.000 Euro pro anno. Dem sollen Einsparungen bei den Personalkosten in Höhe von jährlich rund 1,1 Mio. Euro gegenüberstehen. Sicher ist jedenfalls nur eines: "Die Rolle des Menschen in Prozessen wird sich dramatisch verändern und sich auf Dinge konzentrieren, die der Mensch viel besser kann - in Bezug auf Design und Problemlösung. Die die sich wiederholenden, regelbasierten Dinge werden den Robotern überlassen. Auch wenn es nicht in zwei Jahren passieren wird, weiß ich, dass es keine 20 Jahre mehr dauert", glaubt Jose Ordinas Lewis, Leiter des Robotic Automation Center der Swiss Re.

R+V · künstliche Intelligenz
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